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Brandenburg Was von den Russen in Brandenburg übrig blieb
Brandenburg Was von den Russen in Brandenburg übrig blieb
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08:22 28.08.2019
Das ehemalige „Haus der Offiziere“ in Wünsdorf Quelle: Patrick Pleul/dpa
Potsdam

Die übermannsgroße Skulptur des Revolutionsführers Lenin in der ehemals verbotenen Stadt in Wünsdorf (Teltow-Fläming), bis 1994 Sitz der russischen Streitkräfte in Deutschland, steht wie einst fest auf dem Sockel. Auf der damals größten Russen-Liegenschaft mit etwa 600 Hektar liegen Gegenwart und Vergangenheit dicht beieinander.

In Brandenburg lag die Hälfte aller nach dem Zweiten Weltkrieg von den Sowjets genutzten Militärflächen: manche in den Städten, andere abgeschieden in Waldstücken auf dem Land, umzäunt von Betonmauern. Das Land hatte einst 538 Hektar der Wünsdorfer Fläche erworben. Weniger als die Hälfte davon gingen an private Investoren. Es entstanden unter anderem Einfamilienhäuser, Firmen siedelten sich an und in sanierte Kasernengebäude zogen Landesbehörden ein.

Das alte Schwimmbad verfällt

Doch der Rest des Areals, ein Teil davon denkmalgeschützte Gebäude, versank im Dornröschenschlaf. Ein Schwimmbad etwa ist seit zweieinhalb Jahrzehnten ungenutzt. Auch der Vorhang der Bühne in einem riesigen Saal hat sich seither nicht gehoben. Die Vermarktung dieser Flächen ist mehr als schwierig, auch wegen der Kosten, die aufgrund des Denkmalschutzes erforderlich sind.

Lenin-Denkmal auf dem ehemaligen Militärgelände in Wünsdorf. Quelle: dpa

Aber auch Sanierungen und die Beseitigung von militärischen Altlasten sind vielerorts notwendig. „Diese "dicken Brocken" konfrontieren alle Akteure mit besonders schwierigen Herausforderungen“, sagt der Brandenburger Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD). Im dem Bundesland gab es allein 83 Kasernenkomplexe, 89 Wohngebiete, 19 Flugplätze sowie 45 Truppenübungs- und Schießplätze, die einst den Russen gehörten.

Die bislang nicht verwertete Fläche in Wünsdorf wird heute von einem Wachschutz gesichert. Der morbide Charme lockt Besucher an, auch ungebetene. „Wie von Zauberhand bewegen sich die Zeiger der großen Uhr an einem der Gebäude von Zeit zu Zeit, obwohl sie eigentlich nicht mehr funktioniert“, sagt Birgit Flügge von der Entwicklungsgesellschaft Waldstadt Wünsdorf/Zehrensdorf. Heute werden Foto-Touren durch diesen Teil angeboten.

Vom Flugplatz zur „Fusion“

Inmitten der Mecklenburgischen Seenplatte, kurz hinter der Grenze zu Brandenburg, liegt in Lärz ein ehemaliger Militärflugplatz. Die russischen Jagdflieger sind lange aus den Hangars verschwunden, doch lebt die Erinnerung daran auf besondere Weise weiter: Seit 1997 geht auf dem nördlichen Teil des Flugplatzes das Open-Air-Musikfestival „Fusion“ über die Bühne, vom Veranstalter Kulturkosmos Müritzsee meist in kyrillischen Buchstaben geschrieben. Angepriesen wird es als „Ferienkommunismus“ mit fast allen Freiheiten. 70.000 Besucher zählt das Kulturfestival inzwischen jeden Sommer.

Deutschland zahlte acht Milliarden D-Mark

Der Abzugder Westgruppe der russischen Streitkräfte sowie das Ende der Sonderrechte der drei Alliierten vor 25 Jahren wurde mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag nach der Wende geregelt. 340.000 russische Soldaten und 206 000 Zivilpersonen zogen aus Ostdeutschland ab. 42 000 Kampfpanzer, mehr als 8200 gepanzerte Kampffahrzeuge und 3600 Artillerie-Systeme, knapp 700 Flugzeuge und 700 Hubschrauber wurden verlegt. Dazu mussten 677.000 Tonnen Munition verladen werden.

Rund 250.000 Hektar nahmen Kasernen, Übungs- und Flugplätze ein. Zurück blieben auch zahlreiche Soldatenfriedhöfe, auf etwa 650.000 Sowjetsoldaten beigesetzt wurden, überwiegend Opfer des Zweiten Weltkrieges.

Der Bundstellte Russland mehr als acht Milliarden D-Mark zur Verfügung. Mit dem Geld sollten etwa 40.000 Wohnungen für die Soldaten in der Heimat fertiggestellt werden, aber auch Umschulungen finanziert werden.

Wer heute in Weißrussland, der Ukraine und Russland oder anderen Ex-Sowjetrepubliken unterwegs ist, trifft immer wieder ehemalige Soldaten, die in der DDR gedient hatten. Bei vielen leuchten die Augen, mancher erzählt von der Liebe zu einer Deutschen. DDR-Nostalgie ist unter den früheren Sowjetsoldaten weit verbreitet.

„Für uns waren die Kampfgruppen ein Fenster nach Europa“, heißt es im Online-Forum „11td.ru“ der einstigen 11. Panzerdivision in Dresden. Eine gute Zeit hätten sie dort gehabt. „Das warme Klima, die schönen Landschaften, gepflegte Städte und Dörfer.“ Die alte Zeit lebt heute weiter im Internet: In den sozialen Netzwerken erinnern sich Kameraden, posten Fotos von früher und suchen dort immer wieder auch nach früheren Kampfgefährten.

Abgezogen wie Verlierer

Die Rückkehr war für viele alles andere als der Start in ein besseres Leben. Weil Wohnungen fehlten, kamen viele Offiziersfamilien vorübergehend in Baracken, verfallenen Gebäuden oder auch nur in Zeltlagern unter. Groß ist bis heute der Unmut über Michail Gorbatschow, einen der Väter der Deutschen Einheit. Der damalige Chef im Kreml vereinbarte mit Kanzler Helmut Kohl den hastigen Truppenabzug innerhalb von nur vier Jahren. Die letzten Soldaten verabschiedete dann der russische Präsident Boris Jelzin – nach fast einem halben Jahrhundert Truppenpräsenz.

Das ehemalige Militärgelände in Wünsdorf (Luftaufnahme mit einer Drohne). Quelle: dpa

Viele fanden, dass sie damals nicht als Sieger über den Hitlerfaschismus, als Befreier eines Teils Deutschlands abzogen, sondern wie Verlierer. Sie kehrten heim in ein Land, das Mitte der 1990er Jahre im Chaos versank. Für den Abzug floss von Deutschland nach Russland eine Milliardensumme.

Viele kritisieren bis heute, Russland habe sich damals nicht ausreichend entschädigen lassen für die über Jahrzehnte aufgebaute Infrastruktur, darunter auch Tausende Wohnungen –und für die Grundstücke. Bis heute sitzt diese so empfundene Schmach tief bei den Veteranen des Kalten Krieges.

Die 1994 gegründete „Vereinigung der Veteranen der Kampfgruppen in Deutschland“ will dagegen an den glorreichen Ruhm von einst erinnern. Zur 25-Jahr-Feier der Gründung der Vereinigung im Februar teilte der frühere Kommandeur Anton Terentjew mit, dass die Aufgabe heute darin bestehe, die Jugend in Russland militär-patriotisch zu erziehen. Es gehe darum, die ruhmreiche Tradition der Truppen in Deutschland hochzuhalten.

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