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Brandenburg So wird die Wasserqualität in Brandenburg geprüft
Brandenburg So wird die Wasserqualität in Brandenburg geprüft
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01:15 27.06.2019
Zum Glück gibt es in der Hitze die tollen märkischen Seen, zum Beispiel den Trepliner See im Kreis Märkisch-Oderland.
Zum Glück gibt es in der Hitze die tollen märkischen Seen, zum Beispiel den Trepliner See im Kreis Märkisch-Oderland. Quelle: dpa-Zentralbild
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Potsdam

Gute Aussichten für die Hitzewelle: Die 252 der EU gemeldeten offiziellen Badestellen sind derzeit in ausgezeichneter Qualität. „Zu Beginn der Schulferien ist der Ferienspaß an den 252 EU-Badestellen hier in Brandenburg gesichert“, sagt Verbraucherschutzminister Stefan Ludwig (Linke). 

Ein paar Ausnahmen gibt es jedoch. Neben 242 als „ausgezeichnet“ oder mindestens „gut“ bewerteten Badestellen gibt es derzeit zwei Stellen, die nur ein „Ausreichend“ bekamen: Das Strandbad Mitte am Scharmützelsee (Oder-Spree) und der Grillendamm am Kleinen Beetzsee (Brandenburg/Havel).

Bei zwei Gewässern werden derzeit außerdem Bewirtschaftungsmaßnahmen durchgeführt, so dass man nicht baden kann. Sechs Badegewässer sind neue Badegewässer und bisher noch nicht eingestuft. Darunter fallen zum Beispiel der Große Templiner See in Märkisch-Oderland und der Große Zechliner See in Ostprignitz-Ruppin.

Qualität über viele Jahre gut

Die vormalige Badestelle an der Müggelspree Grünheide (Oder-Spree) sei aus der Liste genommen worden, teilt das Ministerium mit. Das sei aber nicht aus Gründen der Wasserqualität geschehen, sondern weil es dort zu wenig Badegäste gegeben habe. Wegen Niedrigwasser geschlossen ist derzeit das Strandbad Strausberg (Märkisch-Oderland). Un der Tiefe See bei der Gemeinde Tauche (Oder-Spree) hat derzeit nur eine geringe Sichttiefe. Dies könne Rettungsmaßnahmen erschweren, so das Verbraucherschutzministerium.

>> Mehr zum Thema: Alle offiziellen Badestellen und ihre Qualität auf einer Karte

„In den vergangenen drei Jahren gab es keinen See, der völlig aus der Badestellenliste herausgenommen worden ist“, erklärt Ministeriumssprecher Uwe Krink. Im Verlauf der Badesaison könne sich allerdings an der Qualität der Gewässer etwas ändern, etwa wenn die Blaualgenblüte auftritt. Blaualgen ist die umgangssprachliche Bezeichnung für Cyanobakterien, die eigentlich nicht zu den Algen gehören.

Auf diese Gefahr weist zum Beispiel der Kreis Teltow-Fläming für den Weinbergsee hin, obwohl der See bisher noch eine ausgezeichnete Qualität hat. Die Entwicklung der Blaualgen hänge aber nicht ausschließlich von dauernder Hitze ab, betonte Krink, sondern vom ökologischen Gesamtzustand eines Gewässers. „Umkippen“ können zum Beispiel nährstoffreiche, ruhige und stehende Gewässer.

Bei der Bewertung der Qualität eines Badegewässers durch die Ämter spielt die Belastung der Gewässer mit Cyanobakterien eine wichtige Rolle. Sie bilden Giftstoffe, die die Haut reizen können. Das Verschlucken von belastetem Wasser kann gesundheitliche Beschwerden verursachen.

Ostprignitz-Ruppin hat 39 geprüfte Stellen

Für die Überwachung sind die Gesundheitsämter der Landkreise und kreisfreien Städte zuständig. Das Gesundheitsamt Ostprignitz-Ruppin hat zum Beispiel 24 bei der EU gelistete Badestellen zu prüfen, überwacht aber noch 15 weitere Badestellen im Kreis. Gemessen wird von Mitte Mai bis Mitte September jeden Monat. In den Labors wird vor allem wird nach bestimmten Darmbakterien gesucht, weil sie ein Maß für die Verunreinigung durch Fäkalien sind. Außerdem wird die Sichttiefe durch eine ins Wasser hinabgelassene Scheibe getestet.

Der Wutzsee östlich von Neuruppin gilt nach diesen Kriterien als „Ausgezeichnet“. Bei den Darmbakterien gab es zum Beispiel keine Überschreitungen. „Gelegentlich werden Blaualgenblüten beobachtet“, heißt es in dem Bericht. Das sei aber in den vergangenen vier Jahren nur ab und zu uns störe die „hervorragende Wasserqualität“ nicht.

„Ausgezeichnet“ heißt laut dem Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Ostprignitz-Ruppin, Silvio Wagner, aber nicht, „dass man glasklares Wasser wie bei Bergseen hat“. Es bedeute nur, dass über vier Jahre in dem Gewässer die Konzentration bestimmter Keime keine von der EU festgelegte Schwelle überschritten hat. Bei nur „ausreichender“ Badequalität haben wurde dagegen eine etwas höhere Keimkonzentration gemessen. „Menschen mit normalem Immunsystem sollten aber damit zurechtkommen“, so Wagner.

Das Potsdamer Gesundheitsamt spricht ebenfalls von einer sehr guten Qualität seiner Badestellen. Die Landeshauptstadt Potsdam empfiehlt das Baden in den beiden Potsdamer Strandbädern, „da dort eine entsprechende Infrastruktur wie Rettungsschwimmer, Sanitäranlagen, Abfallbeseitigung, Imbissangebote und auch weitere Freizeitangebote vorhanden sind“, sagt Sprecherin Juliane Güldner.

Auch viele „inoffizielle“ Badestellen

Die 252 Badestellen bilden aber längst nicht alle Bademöglichkeiten des Landes Brandenburg ab. Insgesamt hat das Land rund 3000 größere Seen, von denen viele vereinzelt als inoffizielle Badestellen genutzt werden. Zum Beispiel nutzen viele Fahrradausflügler Uferstellen am Werbellinsee im Barnim, die nicht als Badestellen ausgeschrieben sind. Diese werden aber nicht regelmäßig auf ihre Qualität überprüft. Auch die künstlichen Seen im Braunkohlrevier in der Lausitz dürften als inoffizielle Badestellen attraktiv sein.

Auch die Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH lobt auf ihrer Webseite die zahlreichen Naturbadestellen und Strandbäder vor „wunderschönen Naturkulissen“. Ein Highlight für Naturfreunde sieht Sprecher Patrick Kastner im Stechlinsee (Oberhavel). „Die einmalige glasklare Wasserqualität ist schon etwas Besonderes“, so Kastner. Der See mit all seinen Sagen und Geschichten sei natürlich gerade im Fontanejahr von besonderem Interesse.

Familien interessieren sich für Service

Besonders für Familien seien aber Badestellen mit viel Service von Bedeutung. Die Spreelagune bei Lübben (Dahme-Spreewald) hat zum Beispiel Duschen, Kletternetzbrücken für Kinder und barrierefreie WCs. „Zugleich wird sehr viel Wert auf Natur gelegt“, so Kastner. Serviceorientiert ist auch der Cecilienpark bei Bad Saarow (Oder-Spree) mit Sandstrand, Toiletten, Beachvolleyball und Minigolf. Dort kann man auch das beliebte Stand-Up Paddling betreiben und im bayerisch inspirierten Restaurant essen.

„Die gesamte Gewässerqualität hat sich im Land Brandenburg in den vergangenen 30 Jahren entschieden verbessert“, sagt Jens-Uwe Schade, Sprecher des Umweltministeriums. Die Hauptgründe seien der Rückgang von Großmastanlagen seit dem Ende der DDR sowie der massive Abbau von Industriegebieten, zum Beispiel der Stahlindustrie in Brandenburg an der Havel nach der Wende. Die massive Verunreinigung von Gewässern durch solche Emissionen sei inzwischen „alles Geschichte“.

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Von Rüdiger Braun