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Brandenburg Woran Brandenburger Prominente glauben
Brandenburg Woran Brandenburger Prominente glauben
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00:17 27.12.2018
Woran glauben Menschen wie Juli Zeh in diesen Zeiten? Und was gibt ihnen Kraft? Quelle: imago stock&people
Potsdam

Weihnachten – für die einen ist das ein Familienfest mit besinnlichen Stunden, für die anderen geht es vor allem mit Völlerei und Konsumterror einher. Dass es an den Feiertagen eigentlich um den christlichen Glauben geht, gerät da manchmal in den Hintergrund. Aber glauben kann man ja auch, ohne religiös zu sein. Wir haben prominente Brandenburger gefragt, woran sie glauben. Hier sind ihre Antworten:

Wolfgang Joop, Designer

Designer Wolfgang Joop lebt in Potsdam. Quelle: Rene Fietzek

„Es hat mich in meinem Leben bisher vor allem ein Glaube getragen: Der Glaube an meine eigene Vorstellungskraft. Nur dadurch bin ich das, was ich bin. Mit diesem Glauben konnte ich Dinge sehen, die noch nicht da waren, und mir gleichzeitig vorstellen, was ich erreichen will. Es ist die Macht des Willens und des Wollens, die Macht des Betens und des Wünschens. Und der Glaube an den Zufall, der – so denke ich – auch von höherer Seite gesteuert ist. Die Dogmen der Kirchen jedoch haben mich nie angesprochen. Als guter Preuße bin ich in Glaubensfragen eher bei Immanuel Kant: Als aufgeklärter Mensch hinterfrage ich die Welt – und denke, dass alle Vorstellung, die wir uns von Gott machen, falsch ist. Die Worte, die von der Kanzel in der Kirche gesprochen werden, halte ich selten für tröstend. Als Kind haben sie mich sogar ziemlich verschreckt. In diesem Jahr werde ich Weihnachten erstmals wieder in Potsdam verbringen – denn zum ersten Mal ist es ein Fest mit meiner Familie dort, wo ich als Kind selbst eine Heimat hatte. Und für meine Enkelkinder, die religiös erzogen werden, werde ich auch in die Kirche gehen. Allem Glauben zum Trotz.“

Birgit Fischer, Kanu-Olympiasiegerin

Birgit Fischer betreibt die Paddel- und Fitnessschule KanuFisch in Bollmannsruh. Die ehemalige Kanutin ist mit acht Mal Olympia-Gold und vier Mal Silber die erfolgreichste deutsche Olympia-Teilnehmerin. Quelle: Marcus Alert

„Ich glaube immer noch an das Gute im Menschen, obwohl ich schon so oft enttäuscht worden bin. Bei mir selbst vertraue ich auf mein Bauchgefühl und meine Stärke. Ich bin kein gläubiger Mensch, hatte eine atheistische Erziehung.“

Juli Zeh, Schriftstellerin

Schriftstellerin Juli Zeh an einem See in Groß-Behnitz im Havelland. Quelle: Thomas Müller

„Ich glaube an ein Deutschland, in dem die große Mehrheit der Menschen friedlich und respektvoll zusammenleben möchte. In dem unterschiedliche Meinungen nicht zu Hass führen, sondern zu produktiven Auseinandersetzungen. Ein Deutschland, in dem Menschen daran interessiert sind, eine friedliche und prosperierende Zukunft zu gestalten. In dem die großen Geschenke der Vergangenheit – einiges Europa und funktionierende Demokratie – nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Ein Deutschland, auf das wir stolz und für das wir dankbar sein können. An dieses Land glaube ich, auch wenn es nicht immer sein schönstes Gesicht zeigt.“

Bernd Schröder, Ehrenpräsident Turbine Potsdam

Der ehemalige Trainer vom 1. FFC Turbine Potsdam, Bernd Schröder. Quelle: Julian Stähle

„Ich bin bekennender Lutheraner. Im vorigen Jahr hatte ich mein 60. Konfirmationsjubiläum. Als Christ muss man unterscheiden zwischen weltlichen und christlichen Dingen. Ich glaube schon, dass es da etwas gibt, das dafür sorgt, dass bestimmte Dinge im Leben stabil sind. Außerdem gibt es vier Dinge, an die ich glauben muss, sonst ist unsere Gesellschaft ja kaputt: Glaubwürdigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit und Solidarität. Diese Grundwerte werden immer wieder neu erprobt. Ganz oben steht für mich die Einhaltung des gesprochenen Wortes. Man muss zu dem stehen, was man sagt. Wenn diese Dinge von den Vorbildern in einer Gesellschaft gelebt werden, habe ich die Hoffnung, dass es voran geht. Und was das angeht, sind wir in Brandenburg trotz aller Probleme auch gar nicht so schlecht aufgestellt.“

Engelbert Lütke Daldrup, Geschäftsführer der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup. Quelle: Detlev Scheerbarth

„Meine Wurzeln liegen im katholischen Münsterland. Dieses Umfeld, in dem ich aufgewachsen bin, hat mich natürlich geprägt. Dennoch, als besonders religiöser oder spiritueller Mensch würde ich mich nicht beschreiben. Da hat sich wohl eher der Wissenschaftler durchgesetzt. Meine Weltanschauung fußt auf humanistischen und demokratischen Werten. Die Achtung der Menschenwürde, soziale Gerechtigkeit und Toleranz sind für mich wichtige Leitplanken. Im Privaten, in der Politik und bei meiner Aufgabe als Flughafenchef.“

Manfred Stolpe, ehemaliger Bundesverkehrsminister und Ministerpräsident von Brandenburg

Manfred Stolpe beim MAZ-Interview im vergangenen Dezember. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Ich glaube, dass fast jeder Mensch einen Orientierungspunkt hat. Für nicht wenige ist es die Existenzsicherung. Für andere ist es das Höherkommen um jeden Preis. Für manche ist es die Sorge um Kinder, Enkelkinder, um die Familie. So oder ähnlich sehen die Motive der Menschen aus. Woran orientiert sich der Mensch in seinem Handeln? Glaubt er an eine Vorgabe? Ich achte die Vorgaben, die Jesus Christus, der wirklich gelebt hat, gegeben hat. Er hat sie beschrieben und zugleich gewusst, dass man vom Weg abkommen kann, aber in seinem Bemühen um das Gute nicht nachlassen darf. Zum Glück gibt es überall auf der Erde Menschen, die ihr Tun nach Gut und Böse unterscheiden. Anders ausgedrückt: Gott oder Teufel. Das Gute zu tun, ist nicht nur für den Einzelnen wichtig, auch für das Zusammenleben der Menschen und für die Zukunft der Menschheit. Daran glaube ich.“

Walter Homolka, Rabbiner und Professor an der Universität Potsdam

Rabbiner Walter Homolka, Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs und Professor für Jüdische Religionsphilosophie an der Universität Potsdam. Quelle: KNA

„Ich glaube an die Frage ’Warum’. Zum Beispiel: ’Warum bin ich hier auf Erden?’ Das beschäftigt einen jungen Menschen ganz besonders. Damals fragte ich mich auch: ’Warum sollte Gott als Mensch auf die Welt kommen, um da für die Sünden aller zu sterben? Was ergibt das für ein Gottes- und Menschenbild?’ Die Botschaft des Christentums gerade in diesen Tagen, dass Gott in Jesus Mensch wurde, damit er uns erlösen könne, habe ich nie recht glauben können. Wohl aber, dass Gott uns Menschen in seinen Dienst ruft, um seine Schöpfung zu bewahren und die Welt ein Stück besser zu machen. Deshalb bin ich als Teenager Jude geworden. Meine evangelische Mutter und mein katholischer Vater haben mich da stets unterstützt, wohl auch, weil beide ihren Kirchen nicht sehr nahe standen. Erst viel später habe ich deshalb mehr darüber erfahren, was man im Christentum glaubt. Heute können sich Christen und Juden die Hände reichen und viel gemeinsam anpacken. Weihnachten aber feiern wir Juden nicht mit. Denn der Glaube Jesu verbindet uns, der Glaube an Jesus aber trennt uns.“

Oljean Ingster, Holocaust-Überlebender

Oljean Ingster war Kantor in der Jüdischen Gemeinde. Quelle: Julian Stähle

„Ich war vier Jahre im Konzentrationslager Sachsenhausen, 50 Angehörige sind im Holocaust umgekommen. Trotzdem habe ich meinen jüdischen Glauben nie verloren, der immer sehr wichtig für mich war und bis heute ist. Was geschehen ist, haben Menschen getan, nicht Gott. Ich war 50 Jahre Kantor der Jüdischen Gemeinde in Berlin.“

Bettina Jahnke, Intendantin des Hans-Otto-Theaters Potsdam

Bettina Jahnke leitet das Hans-Otto-Theater in Potsdam. Quelle: Detlev Scheerbarth

„Ich glaube an die Kraft der Kunst. Sie kann uns Menschen trösten, erwecken, nachhaltig beeinflussen und zum Nachdenken wie auch zum Reagieren bringen. Egal, ob Theater, Musik oder bildende Kunst – die schöpferische Kraft und die subjektive Auseinandersetzung der Künstler*innen mit der Wirklichkeit bringt unsere Welt zum Klingen. Ich glaube daran, dass die Kreativen und Künstler*innen unsere Welt zu einer besseren machen können: ihre Utopien, ihre unbequemen Fragen, ihre provozierenden Zweifel, ihre schöpferische Phantasie und ihre unstillbare Sehnsucht sind wie das Salz in der Suppe. Kunst ist überlebenswichtig in einer durchökonomisierten Welt. Jetzt zu den Weihnachtstagen besuche ich die Kirche, um Bach zu hören. Sein Weihnachtsoratorium schenkt mir die Ruhe und die Tiefe, die ich am Ende des Jahres brauche, um gestärkt ins neue Jahr zu gehen.“

Von MAZonline

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