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Brandenburg Weniger Düsenlärm für Hunderttausende
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15:29 12.10.2013
Marcel Hoffmann.
Marcel Hoffmann. Quelle: Klaus Bischoff
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Potsdam

Marcel Hoffmann hebt gerne ab, erst vor wenigen Tagen charterte er mit seiner Frau eine Maschine am Flugplatz Oehna (Teltow-Fläming) und betrachtete sich die Mark von oben. Einfach mal etwas Abstand haben, die Dinge aus einer anderen Perspektive betrachten: Damit hat Hoffmann schon einmal für Furore gesorgt. Mit einer simplen Idee wirbelte er die Debatte um die Flugrouten durcheinander und brachte die Profis der Deutschen Flugsicherung (DFS) in Verlegenheit.

Warum, fragte der passionierte Privatpilot, biegen die Jets vom neuen Flughafen BER bei Ostwind eigentlich nicht gleich scharf nach Süden ab und donnern über die Autobahn, anstatt geradeaus über die boomenden Wohngebiete von Eichwalde und Zeuthen (Dahme-Spreewald) zu dröhnen? Die Planer der Deutschen Flugsicherung hatten wenig gegen die Route vorzubringen, nur, dass sie fliegerisch anspruchsvoll sei. Im Flugsimulator der Bundesbehörde zeigte sich jedoch: Hoffmanns Kurve war zwar steil, aber machbar.

Marcel Hoffmann Quelle: Klaus Bischoff

Sie schaffte es in den offiziellen Katalog der BER-Flugrouten. Jetzt meldet sich der 63-Jährige zurück und will im Westen des Flughafens aufräumen. „Auch bei Starts unter Westwind können die Flugzeuge scharf nach Süden abbiegen“, sagt der Eichwalder. „In Blankenfelde und Mahlow sind die Flugzeuge nach dem Start nur 200 Meter hoch. Das muss doch nicht sein.“ Es wäre ein Spiegelbild der östlichen Hoffmann-Kurve. Gleich nach dem Abheben von der Südpiste geht es steil in Richtung Süden, die Jets fliegen östlich an Rangsdorf und Zossen vorbei, in einem Korridor, wo wenig Menschen wohnen.

Die Debatte über die Flugrouten war über die Region im Herbst 2010 hereingebrochen, als klar wurde, dass viel mehr vom BER-Lärm betroffen sein würden als vorher von Politik und Flughafengesellschaft versprochen. Zehntausende trugen ihren Zorn auf die Straße, in der Fluglärmkommission wurde erbittert um alle möglichen Routen gerungen. Seit Januar 2012 stehen die Routen für den neuen Airport eigentlich fest. Nur der dazugehörige Airport fehlt. „Wir sollten die Zeit bis zur Eröffnung des Flughafens nutzen, über weitere Lärmentlastungen nachzudenken“, findet Marcel Hoffmann. Er ist Pragmatiker, ein nüchterner Mensch. In seinem früheren Leben waren nicht Flugzeugkurven, sondern die Finanzkurven des Bundesverbands deutscher Banken sein Geschäft, wo er früher arbeitete.

Die Politik nimmt ihn ernst. Im August stellte er seine Pläne im Bundesverkehrsministerium vor. Mehr als zwei Stunden lauschten die Staatssekretäre und professionellen Flugroutenplaner seinen Ideen. Und gaben am Ende die Empfehlung, das Konzept in der Fluglärmkommission zu diskutieren. Am Montag präsentiert er dort seine Vorschläge.

Unter anderem fordert er, die Hoffmann-Kurve im Osten zu verlängern, damit die Jets nicht zwischen Wildau und Königs Wusterhausen fliegen, sondern erst südlich von Bestensee abdrehen. Außerdem schwebt ihm ein intelligentes Management der beiden BER-Pisten vor: Statt die beiden Pisten als gemischte Start- und Landebahnen zu nutzen, soll jeweils nur eine Bahn für Landungen, die andere für Starts dienen. So würden mal die Mahlower, mal die Blankenfelder, mal die Bohnsdorfer, mal die Schulzendorfer geschont.

Insgesamt, so schätzt Hoffmann, könnten damit 150.000 Brandenburger entlastet werden. Ob sein Vorschlag in der Kommission eine Zukunft hat? „Ich bin vorsichtig optimistisch“, sagt er. „Ich stelle mich nicht hin und sage: So müsst ihr fliegen. Ich will einfach nur, dass noch mal gerechnet wird.“

Von Torsten Gellner

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