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Brandenburg Weniger Praktika durch Mindeslohn
Brandenburg Weniger Praktika durch Mindeslohn
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09:42 14.07.2014
Der Generation Praktikum nutzt der Mindestlohn nicht viel. Quelle: Andrea Warnecke
Potsdam

Schadet der gesetzliche Mindestlohn Brandenburgs Studenten? Laut dem Clevis-Praktikantenspiegel – mit 7500 Teilnehmern eine der größten Praktikantenstudien in Deutschland – geht der beschlossene Mindestlohn auf Kosten der Ausbildung von Praktikanten. Viele Unternehmen könnten zukünftig gar keine Praktika mehr anbieten. Auf diese sind aber Studierende angewiesen, wenn sie Erfahrungen sammeln wollen.

Vielleicht schneiden sich die Studierenden ins eigene Fleisch, wenn sie wie Jan Cloppenburg vom Vorstand des freien Zusammenschluss der Studierendenschaften (fzs) fordern: "Auch Pflichtpraktika müssen unter den Mindestlohn fallen." Das sieht das Gesetz aber derzeit nicht vor. Nach dem Bundestag hat am Freitag auch der Bundesrat die Neuregelung gebilligt, der zufolge ab dem kommenden Jahr bundesweit 8,50 Euro pro Stunde gezahlt werden müssen. Pflichtpraktika sowie freiwillige Praktika von bis zu drei Monaten sind während Ausbildung oder Studium ausgenommen. Mit Berufsabschluss gilt der Mindestlohn grundsätzlich auch für Praktikanten.

Große Probleme sieht die IHK Potsdam, die kleinere Firmen im Blick hat. Die Kammer ist besorgt, dass freiwillige Praktika schon nach drei Monaten Tätigkeit mit Mindestlohn vergütet werden sollen. "Einen Mindestlohn für Praktika zu zahlen, das wird den jungen Leuten den Einstieg in die Praxis nicht erleichtern", warnt Sprecher Detlef Gottschling. Damit komme man pro Stelle auf einen Monatslohn von rund 1500 Euro. "Das ist für die Unternehmen kein Pappenstiel." Die IHK sehe Praktika als Lernangebote und nicht als Verdienstmöglichkeit.

Eine Entschädigung von 400 Euro ist üblich

  • Einblicke in die Wirklichkeit der Praktikanten bietet eine Studie des Career Service der Universität Potsdam aus dem Jahr 2013. Die Abteilung der Hochschule hatte Praktikumsberichte ausgewertet.
  • 83 Prozent der Praktikanten hatten bei einem Kleinst- oder Kleinunternehmen gearbeitet, die meisten davon befanden sich in der Region Potsdam. Nur 44 Prozent waren während eines Pflichtpraktikums vergütet worden, die Hälfte davon mit einer Entschädigung zwischen 200 und 400 Euro – also weit unter Mindestlohnniveau.
  • 61 Prozent hatten eine andere Form der Vergütung erhalten. Ihnen waren etwa Reisekosten oder Verpflegung und Unterkunft erstattet worden. Einen Zusammenhang zwischen bestimmten Fachgruppen und Höhe der Vergütung gab es übrigens nicht. 

Probleme sehen auch die gesellschaftlichen Organisationen. Die Geschäftsführerin der Linken in Brandenburg, Andrea Johlige, sagt: "Man überlegt dann schon noch einmal mehr, ob man einen Praktikanten beschäftigen kann." Auch der Naturschutzbund (Nabu) Brandenburg könnte keine Praktikanten mehr beschäftigen. "Wir sagen unseren, Praktikanten, dass wir keinen Lohn zahlen können", sagt Sprecherin Heidrun Schöning.

Umweltgruppen und politische Parteien sind allerdings nicht die wichtigsten Anlaufstellen für studentische Praktikanten. Die Linken haben in den vergangenen Jahren pro Jahr höchstens drei Praktikanten beschäftigt. Und die bisher durchschnittlich zwei Praktikanten pro Jahr beim Nabu haben dort meist ein Pflichtpraktikum im Rahmen ihres Studiums absolviert.

Unvergütete Pflichtpraktika etwa in Ministerien und Verwaltungen seien aber genau das, was die überwiegende Mehrheit der Studierenden mache, wie die Sprecherin der Universität Potsdam, Petra Görlich, betont. Insofern mache man sich keine Sorgen um die praktische Ausbildung der Studenten.

Auch an der Brandenburgischen-Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg brachte der gesetzliche Mindestlohn noch niemanden ins Grübeln. Dort absolvieren zwar viele Studenten Praktika in Privatunternehmen, aber es handelt sich meist um Firmen, die auf hohem Niveau vergüten. So sagt Sebastian Michel, Sprecher für Mercedes in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming): "An sich betrifft das Thema Mindestlohn uns gar nicht, weil wir gut bezahlen." Michel deutet aber auch an, dass am Ende doch die ein oder andere Stelle unter den jährlich 30 bis 40 Praktika auf der Kippe stehen könnte.

Solche Mutmaßungen klingen auch bei BASF in Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz) an. Dort sind jährlich etwa 15 Praktikanten beschäftigt, um etwa ihre Bachelor- oder Masterarbeit anzufertigen. Das kann bis zu sechs Monate dauern und fällt damit unter die Vergütungspflicht. Personalchef Hartmut Lang betont aber, das Chemieunternehmen lege Wert auf Ausbildung. "Wenn wir gute Leute sehen, dann gucken wir, dass wir das passend machen."

Von Rüdiger Braun

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