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Brandenburg Zu heiß? Vor 50 Jahren waren es sogar 32 Grad!
Brandenburg Zu heiß? Vor 50 Jahren waren es sogar 32 Grad!
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00:24 28.04.2019
Brandenburger Bauern bangen derzeit um ihre Frühjahrsaussaat. Quelle: Frithjof Feldtmann
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Potsdam

Alle reden über das Wetter. Ist es nicht ungewöhnlich warm für einen April? Die 25 Grad Celsius am 25. April 2019 in Teilen Brandenburgs sind nicht rekordverdächtig, auch wenn es anders scheint. Am 22. April 1968 maßen Meteorologen in Potsdam 31,8 Grad Celsius. Auch sonst fanden sich in den vergangenen 100 Jahren in Potsdam immer wieder Apriltage, die wärmer waren als 25 Grad.

„Dass wir so ein warmes Wetter haben können, ist für Ende April ganz normal“, sagt Bodo Wichura vom Regionalen Klimabüro des Deutschen Wetterdienstes (DWD). „Natürlich ist es ein Wert, der über dem Mittelwert von 16,5 bis 17,5 Grad im April liegt“, räumt Wichura ein, „aber es ist nicht so, dass wir solche Maxima nicht schon gehabt hätten.“ Allein für Potsdam kann er von 1906 bis 2018 insgesamt 56 Apriltage vorlegen, die die aktuellen Werte locker überstiegen.

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Zwar nicht zu heiß, aber zu trocken

Dennoch sind die Warnungen des DWD vor einem weiteren Dürresommer nicht unbegründet. Die Böden waren laut DWD noch nie so trocken wie derzeit: 2014 wurde die bisher niedrigste Bodenfeuchte mit 58 Prozent gemessen. Jetzt sind es knapp 52 Prozent.

Weil die Verdunstung in Brandenburg derzeit viel höher ist als der Niederschlag, sorgen sich brandenburgische Bauern auch um ihre Frühjahrsaussaat. Ist dieses Wetter schon der Klimawandel? „Ja“, sagt der Leiter der Arbeitsgruppe „Anpassung in Agrarsystemen“ am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (Pik), Christoph Gornott.

Langzeittrend: deutlich zu warm

Gewöhnlich zögern die Klimaforscher, aktuelle Wetterphänomene mit dem Klimawandel zu verbinden, aber der studierte Agrarwissenschaftler hat noch andere Indizien dafür, dass das gegenwärtige Wetter eine Folge der globalen Erwärmung ist. „Unsere Langzeitbeobachtungen zeigen, dass wir deutlich zu warme Temperaturen hatten.“

In Brandenburg lagen sie seit Anfang des Jahres jeden Monat über dem bisherigen Mittelwert. Das sei auch diesen April nicht anders. Global habe sich die Temperatur bereits um durchschnittlich ein Grad erhöht, womit das Pariser Klimaziel von 2015, die globale Erwärmung „deutlich“ unter zwei Grad zu halten, schon sehr ambitioniert sei.

Mix aus Trockenphasen und Starkregen

Speziell in Brandenburg entwickele sich das Klima genauso, wie von den Modellen der Forscher vorhergesagt: „Wir erwarten häufig länger andauernde Trockenheit und phasenweise Starkniederschläge“, sagt Gornott.

Gerade Letzteres führe dazu, dass die Niederschlagsmenge nicht unbedingt sinke. In Brandenburg werde der Boden aber trotzdem immer trockener, weil es einfach wärmer ist und dadurch mehr verdunstet. „Das erhöht die Waldbrandgefahr und bedeutet auch weniger Wasser für die Landwirtschaft.“

Landwirtschaft muss sich umstellen

Insgesamt zeigen die Klimamodelle, dass der Norden Europas ab der Höhe Skandinaviens eher nasser werde, der Süden immer trockener. Deutschland und Brandenburg liegen dazwischen. „In einigen Teilen ist die Entwicklung noch nicht klar.“ Sicher sei aber für diese Region die durchschnittlich deutlich höheren Temperaturen.

„Die Landwirtschaft Brandenburgs muss sich auf neue Herausforderungen einstellen“, sagt Gornott. Sein Rat: Auf viele verschieden Sorten setzen. Wer im vergangenen Jahr nur Weizen anbaute, hatte große Verluste, wer dagegen Äpfel und Wein hatte, fuhr gar nicht so schlecht. „Diversifizierung hilft so, das Einkommen zu stabilisieren.“

Langfristig sollten Brandenburgs Bauern weniger auf stark wasserabhängige Sorten wie Weizen oder Mais setzen. Eine Hirseart wie Sorghum dagegen komme mit einem trockenen Klima zum Beispiel besser zurecht. Gerade in trockenen Regionen Afrikas bauen die Menschen schon seit Jahrhunderten unterschiedlichste Hirsearten an.

Von Rüdiger Braun