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Brandenburg Wie die Popstar-Aura beim Regieren in Bad Belzig helfen kann
Brandenburg Wie die Popstar-Aura beim Regieren in Bad Belzig helfen kann
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19:11 10.10.2016
Roland Leisegang an der „Schießbude“. Quelle: POB
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Bad Belzig

Roland Leisegang klingt nicht nach Politik, sondern nach Rock’n’Roll. Er spricht mit Schwung, als trete er ins Licht der Scheinwerfer, wo man die Beats von ihm erwartet, nicht die trockene Belesenheit eines Statistikers. Leisegang ist frei von dieser Müdigkeit, die schnell vom Aktenlesen kommt. Er, 51 Jahre, war Schlagzeuger bei Keimzeit, ab 1. Dezember wird er für acht Jahre Bürgermeister in Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark). Er weiß, dass Leute einen Rhythmus brauchen. Einen beherzten Typen, der nicht nur Kugelschreiber am Wahlstand verteilt.

Leisegang ist parteilos, das ist sein Plus. Er gibt sich unabhängig. Parteien, das klingt für Wähler mittlerweile auch nach Kungelei, Gremien und blassen Karrieristen mit Krawatte.

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Am vergangen Sonntag hat Roland Leisegang hoch gegen Hendrik Hänig von der SPD gewonnen. Schon im ersten Wahlgang lag Leisegang vorne, „das hat mich überrascht, ich habe mich hinter Hendrik erwartet.“ Sonntag die Stichwahl: Leisegang bekam deutliche 65,3 Prozent der Stimmen, Hänig 34,7 Prozent.

Irgendwann hat Roland Leisegang erkannt, dass er gewinnen kann. Er sprach mit Menschen auf dem Markt: „Es kamen keine Fragen zur Politik, es ging vor allem darum, ob man mit mir unverstellt reden kann.“ Er hat da einen familiären Vorteil. Sein Vater, vor drei Jahren gestorben, arbeitete an der Schule, es gibt kaum einen Belziger, der ihn früher nicht als Turnlehrer kennenlernte. Rolands Frau führt zudem ein Fotogeschäft in der Stadt.

Hinzu kommt Keimzeit, eine der besten und wachesten Bands in Deutschland. Von 1980 bis 2012 saß er am Schlagzeug. Dann schied er aus. Es gab Meinungsverschiedenheiten mit Norbert, seinem Bruder. Norbert war Sänger und Chef, die beiden standen sich im Weg. „Es ist gut, so wie es ist“, sagt Roland Leisegang heute, der nur noch manchmal im Keller trommelt.

Als neues Feld hat er die Politik, die Menschen aus Lütte, seinem Heimatdorf, haben ihn ermutigt: Bewirb dich um das Amt des Bürgermeisters, du hast Aura, die Leute vertrauen dir!“

Kurios: Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske, Ex-Manager von Keimzeit, Nachbar und Freund von Roland Leisegang, warb für den Konkurrenten Hänig. „Günter ist in der SPD, er muss seinem Parteifreund helfen. Ich hätte es genau so gemacht.“

Bei aller Gabe, Leute miteinander ins Gespräch zu bringen: Ein bisschen Politik muss trotzdem sein. 2019 wird der Kurstadtstatus überprüft. „Das ,Bad’ im Namen behalten wir“, ist Leisegang sicher. „Der enge Berliner Speckgürtel ist voll, wir wollen Leute in unsere Stadt locken, damit wir wieder wachsen.“ Die Aura des „Popstars“ kann helfen. Leisegang weiß, wie man ein Publikum erobert.

Von Lars Grote