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Brandenburg Grüner Pfeil: Sinnvoll oder „gefährliches Erbe der DDR“?
Brandenburg Grüner Pfeil: Sinnvoll oder „gefährliches Erbe der DDR“?
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00:25 22.10.2018
Ein "Grünpfeil" zum Rechtsabbiegen bei roter Ampel. Quelle: Malte Christians/dpa
Potsdam

In der Debatte um die Zukunft des Grünen Abbiegepfeils haben sich ADAC und Verkehrswacht in Brandenburg für eine Beibehaltung des Verkehrsschilds ausgesprochen. „Der Grünpfeil hat sich als Relikt der DDR vielerorts durchgesetzt und auch bewährt“, sagte Sandra Hass, Sprecherin des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs (ADAC) Berlin-Brandenburg auf MAZ-Nachfrage.

Aus guten Gründen sei das Symbol 1994 als Bestandteil der bundesdeutschen Straßenverkehrsordnung anerkannt worden. Der Pfeil „kann durchaus zur Verbesserung des Verkehrsflusses beitragen, da sich dadurch die Wartezeiten für Rechtsabbieger verkürzen“, so Hass.

Berliner Kritik am Verkehrsschild

Hintergrund ist die in Berlin ausgetragene Diskussion um die Abschaffung des Pfeils. Der Fußgänger-Fachverband hatte auf die angebliche Gefährlichkeit der Rechtsabbiege-Regelung hingewiesen und Zahlen präsentiert: Drei Viertel der Autofahrer hielten sich nicht an die Pflicht, an der Ampel bei Rot vor dem Abbiegen zunächst anzuhalten. „Das macht Grünpfeil-Ampeln zu chronischen und brandgefährlichen Unfallstellen“, heißt es in dem Appell der Fußgänger-Lobby. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) und die Berliner Grünen hatten sich der Forderung in Teilen angeschlossen.

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Ähnlich wie der ADAC hält auch die Verkehrswacht Brandenburg das DDR-Relikt für eine im Grunde gute Erfindung. Entscheidend sei, dass die Autofahrer anhielten. Das aber sei Pflicht – genau wie beim Stoppschild. „Es ist eine klare Regel“, so Verkehrswachtpräsident Genilke, der auch verkehrspolitischer Sprecher der CDU im Landtag ist. Wer den Grünen Pfeil in Frage stelle, müsse dann auch über den Sinn und Zweck vieler anderer Verkehrszeichen debattieren.

Toter Winkel macht Verkehrswacht Sorgen

„Unser viel größeres Problem sind die Unfälle mit Lastwagen, bei denen Radfahrer in den toten Winkel geraten“, sagt Genilke. Die Verkehrsplanung sei auch für den Verkehrsfluss verantwortlich – und da leiste der Pfeil zuverlässig gute Dienste. Die aktuelle Debatte könne man allenfalls mit einem „Bildungsauftrag für Verkehrsteilnehmerschulungen und Fahrschulausbildung“ sinnvoll verbinden, so der Verkehrswachts-Vorstand.

Die von der Fußgängerlobby verwendeten Zahlen stammen aus einer Untersuchung der Unfallforschung der Versicherer von 2015. In der Studie heißt es, angesichts der Zunahme des nicht-motorisierten Verkehrs „sollte die Anordnung des Grünpfeils grundsätzlich kritisch hinterfragt werden“. Für den Verkehrsablauf bringe das Schild „keine nennenswerten Vorteile“, so die Expertise. Auf jeden Fall sei eine konsequentere Kontrolle der Anhaltepflicht geboten.

Viele Rechtsabbieger stoppen nicht

Die Studie hatte unter anderem Zahlen dafür geliefert, dass in Dresden und Köln sich nur ein Drittel beziehungsweise ein Fünftel der Autofahrer an die Halteregel beim Rechtsabbiegen mit Grünem Pfeil hielten.

Tatsächlich sieht die Polizei in Brandenburg keinen Beleg dafür, dass der Grüne Pfeil in besonderem Maße Unfälle provoziert. Das Präsidium in Potsdam teilte mit, die Menschen in Brandenburg könnten mit der Regelung umgehen, viele seien mit ihr aufgewachsen.

Der ADAC wieder weist auf eine interessante historische Fußnote hin: So habe es bei Einführung der Regelung vor 40 Jahren in der DDR noch keine Haltepflicht gegeben. „aber nach mittlerweile 24 Jahren Verankerung in der StVO sollte die „Macht der Gewohnheit“ auch in Brandenburg keine Rolle mehr spielen“, so Automobilclub-Sprecherin Hass.

Tabubruch: Fahren bei Rot

Die Straßenverkehrsordnung setze der Verwendung von Grünen Pfeilen schon heute Grenzen. „Wenn keine ausreichende Sicht auf querende Fußgänger, Radfahrer oder Kraftfahrer besteht, oder wenn starker Fuß- und Radverkehr gekreuzt wird“, sei die Regelung nicht anzuwenden, so Hass.

Der Fußgänger-Verband hingegen spricht weiter von einem „gefährlichen Erbe der DDR“. Sie verweisen auf den „Tabubruch“, den das im Westen zunächst unbekannte Straßenschild mit sich brachte: Nämlich bei Rot an einer Ampel weiter fahren zu dürfen. Zwei Verschärfungen der Kriterien fürs Anbringen der Abbiegezeichen 2001 und 2003 hätten das Grundübel nicht abgestellt.

Liebe Leser, gehört der Grüne Pfeil abgeschafft?

Seit 40 Jahren gehört der Grüne Pfeil zum Straßenbild in Ostdeutschland – der Westen bekam ihn 1994 in die Straßenverkehrsordnung geschrieben. Die Kernregel: An ausgewiesenen Ampeln müssen Rechtsabbieger nicht warten, bis die Ampel auf Grün springt. Sie dürfen – wenn sie angehalten und kurz gewartet haben – vorsichtig nach rechts abbiegen, müssen aber Radfahrer und Fußgänger passieren lassen.

Übrigens: Es besteht keine Pflicht, die Erlaubnis des Grünpfeils zu nutzen. Auch dann nicht, wenn hinten einer aufgeregt hupt.

Nun ist das Blechschild in die Kritik geraten. Wir möchten daher gern wissen: Welche Erfahrungen haben Sie, liebe Leser, mit der Abbiegeregel gemacht? Gehört der Pfeil abgeschafft, wie seine Kritiker fordern? Schreiben Sie uns unter leserbriefe@MAZ-online.de, über MAZ-Facebook oder voten Sie direkt auf der MAZ-Homepage.

Von Ulrich Wangemann

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