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Brandenburg Windrad-Havarie: Ursache weiter unklar
Brandenburg Windrad-Havarie: Ursache weiter unklar
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00:26 20.12.2014
CDU und AfD wollen größere Abstände der Windräder zu Siedlungen, die Regierung ist dagegen. Quelle: Peter Geisler
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Potsdam

Eine Woche nach der Havarie kann Markus Kellner immer noch nicht sagen, was eigentlich in Koßdorf (Elbe-Elster) passiert ist. „Wir warten weiter auf das Ergebnis der Gutachter“, sagte er am Mittwoch der MAZ. Kellner ist der Geschäftsführer des Windparks Koßdorf, wo vor wenigen Tagen ein 100 Meter hohes Windrad einfach abgebrochen und auf einen Acker gekippt ist. Seine Firma sitzt im bayerischen Regensburg und sie betreibt von dort 21 Windparks. So etwas wie in Koßdorf sei äußerst selten. Es gebe noch einen Fall in Hessen, wo vor drei Jahren die Spitze eines Windrads abgebrochen sei. „Dort weiß man bis heute nicht, was genau passiert ist. Ein solches Gutachten kann Jahre dauern“, sagte Kellner.

Havarie beflügelt Windkraftkritiker

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Die Havarie des 15 Jahre alten Windrads ist fraglos ein Einzelfall, beflügelt aber die Schar der Windkraftkritiker im Land. Sie drängen auf strengere Abstandsregelungen, um ein zu nahes Heranrücken der Windräder mit ihren blinkenden Lichtern, nervigen Geräuschen und flackernde Schattenwürfen an Siedlungen zu verhindern. Doch die Landesregierung lehnt das weiter strikt ab. Würde man Abstandskriterien wie etwa die H10-Regel festschreiben, würde der Windkraftabbau zum Erliegen kommen, heißt es. Die Regel besagt, dass der Abstand zwischen Dorf und Windrad zehn Mal so groß sein muss wie die Höhe des Windrades. Die inzwischen gängigen 200 Meter hohen Masten müssten also mindestens zwei Kilometer von Siedlungen entfernt stehen. Derzeit gilt ein Abstandsgebot von 1000 Metern.

CDU und AfD scheitern im Landtag mit strengerer Regelung

AfD und CDU scheiterten am Mittwoch im Landtag mit Vorstößen zu strengeren Regeln. Die H10-Regel führe in „weiten Teilen des Landes zur faktischen Unmöglichkeit der Errichtung solcher Anlagen“, sagte der energiepolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Ralf Holzschuher. Der AfD-Abgeordnete Sven Schröder hat daran Zweifel: „Das sind unbewiesene und bloße Behauptungen“, sagte er. Die Regierung sei nicht in der Lage, konkret vorzurechnen, wie viele Windräder wegen der Faktor-10-Regel nicht aufgestellt werden könnten.

Regionale Planungsgemeinschaften entscheiden

Derzeit regeln regionale Planungsgemeinschaften, wie viele Windräder es wo geben darf. Gerade machte etwa die Regionalversammlung Havelland-Fläming den Weg für 24 neue Windparks mit Masten frei, die Höhen von 200 Metern und mehr erreichen. Das sei weiterhin der richtige Weg, sagte Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (parteilos): Die in den Planungsgemeinschaften vertretenen Gemeinden wüssten am besten, welche konkreten Bedingungen es vor Ort gibt und was zu beachten sei, erklärte sie.

Die Anträge von CDU und AfD gingen in die falsche Richtung, sagte auch Heide Schinowsky (Grüne). „Statt den Ausbau komplett zu stoppen, müssen wir neue Wege gehen, um die Akzeptanz zu erhöhen“, sagte sie. So sollte eine Anhörung mit Experten und Betroffenen durchgeführt werden.

CDU: Regierung verspielt die Energiewende

Der CDU-Energieexperte Steeven Bretz bezeichnete die Ablehnung als „Schlag ins Gesicht der betroffenen Brandenburger“. Die CDU habe das Angebot gemacht, eine gemeinsame Regelung auszuarbeiten. „Rot-Rot hat dieses Angebot mit fadenscheinigen Argumenten abgelehnt“, sagte er. Das setze die Akzeptanz aufs Spiel und gefährde den Erfolg dieses Projekts Energiewende.

Bei der Debatte spielte auch das havarierte Windrad von Koßdorf kurz eine Rolle. „Ich bin überzeugt, dass wir als moderner Industriestaat in der Lage sind, standfeste Windräder zu bauen“, so die Einschätzung Ralf Holzschuhers.

Von Torsten Gellner

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