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Brandenburg Hans-Wolfgang Hubberten sorgt sich um den Permafrost
Brandenburg Hans-Wolfgang Hubberten sorgt sich um den Permafrost
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01:17 23.11.2018
Der AWI-Permafrostforschers Hans-Wolfgang Hubberten, langjähriger Leiter des AWI Potsdam. Quelle: Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung
Potsdam

Als gestandener Expeditionsleiter hat Hans-Wolfgang Hubberten auch schon Abenteuer erlebt. Hubberten erinnert sich noch gut an die Fahrt mit dem Forschungsschiff Polarstern Richtung Grönland 1995. „Ich ging damals als Leiter jeden Morgen auf die Brücke, um zu sehen wie die Dinge standen.“ Das Forschungsschiff des Alfred-Wegener-Instituts für Meeres- und Polarforschung (AWI) wurde von einem jungen Offizier gesteuert. Der wendete sich, als Hubberten sich wieder einmal nach dem Verlauf der Fahrt erkundigte, dem Kartenwerk zu.

Hubberten sah derweil, dass sich das Schiff einem großen Eisberg näherte. „Ich rief: Vorsicht, da vorne ist ein Eisberg.“ Es war zu spät. „Wir sind mit ziemlich großer Geschwindigkeit auf den Eisberg draufgeknallt.“ Massen von Eisbrocken ergossen sich über den Bug. Aber im Gegensatz zur Titanic hatte die Polarstern Glück. Das Schiff hatte zwar eine mächtige Delle, konnte aber die Expedition fortsetzen.

Ein Vierteljahrhundert Forschung in Potsdam

Ein gutes Vierteljahrhundert lang hat der Mineraloge Hans-Wolfgang Hubberten zumeist in leitender Position das Forschungsgeschehen des AWI auf dem Potsdamer Telegrafenberg geprägt. Morgen veranstalten seine Kollegen anlässlich seiner offiziellen Verabschiedung aus dem wissenschaftlichen Dienst ab 14 Uhr ein Ehrenkolloquium. Nach 40 Jahren Wissenschaft hat sich Hubberten den Ruhestand redlich verdient. Die Potsdamer Forschung über Permafrostböden, also über Landschaften, in denen der Boden ganzjährig gefroren ist, hat er international in die erste Liga geführt. Ein Zeichen für deren Qualität: 2008 wurde Hubberten als erster Forscher aus einem Land ohne eigene Permafrostböden Präsident der Internationalen Permafrost Assoziation. Dabei war seine wissenschaftliche Laufbahn alles andere als sorgfältig geplant. Eher zufällig fand Hubberten Anfang der 90er-Jahre zu seinem Lebensthema.

Mineralogie habe er zum Beispiel ab 1974 im württembergischen Tübingen nur studiert, weil ihm ein Studienberater von der Geologie abgeraten hatte. „Er sagte, da haben Sie beruflich überhaupt keine Chance.“ Zufall war später auch, dass Hubberten 1979 als Mitglied auf einem Tiefbohrschiff so tolle Forschungsergebnisse erzielte, dass er sich 1982 als Professor für Mineralogie an der Geowissenschaftlichen Fakultät der Autonomen Universität von Nievo Leon empfehlen konnte. Etwa fünf Jahre später hatte Hubberten die Möglichkeit, eine Stelle am AWI in Bremerhaven anzunehmen, ohne im fernen Mexiko dieses Institut genau zu kennen. „Ich dachte aber, wenn ich jetzt nicht nach Deutschland zurückkehre, dann schaffe ich es überhaupt nicht mehr.“ Und wieder rutschte er in ein Thema hinein, das für ihn eigentlich neu war: die Meeresforschung. Dann kam die entscheidende Wende, der Mauerfall.

Permafrost und Klimawandel

„Ich war der Glückliche, der helfen durfte, das AWI-Institut in Potsdam aufzubauen.“ Und dort widmete sich Hubberten den Permafrostböden, die es vor allem in Sibirien, aber auch in Kanada und Alaska gibt. Sie machen etwa ein Viertel der gesamten Landfläche der Erde aus. Heute, 25 Jahre nach seinem Einstand in Potsdam und nach vielen Touren mit abenteuerlich ausgestatteten russischen Schiffen an arktischen Küsten entlang, gehören seine wissenschaftlichen und persönlichen Eindrücke aus dieser Zeit zu den wichtigsten seines Lebens.

„Den Einfluss zu messen, den diese Landschaft auf den Klimawandel hat, ist faszinierend“, sagt Hubberten. Dank der aufwendigen Arbeit seiner Potsdamer Arbeitsgruppe Permafrostforschung sowohl im Gelände, wie im Labor oder am Computer sei Potsdam ein Nabel dieser Wissenschaft. Potsdamer haben die Veränderung des Permafrosts im Rahmen der Erderwärmung belegt und umgekehrt den Einfluss der Permafrostböden auf die globale Erwärmung gezeigt. Beides erfüllt Hubberten mit Stolz, aber auch größter Sorge.

Tauende Böden setzen Treibhausgas frei

Die Permafrostböden tauen. An den Küsten bedeutet das Gefahr für die Bewohner, zugleich verändert sich das Meer, weil sich das Material der Böden in dieses ergießt. Da die tauenden Permafrostböden aber selbst wieder klimaschädliches Kohlendioxid und Methan freisetzen, tragen sie zur Beschleunigung des Klimawandels bei.

Froh stimmt das Hubberten nicht. „Ich sehe immer wieder, wie wenig auf uns Wissenschaftler gehört wird“, sagt er. Obwohl sich der Weltklimarat auf weitere Anstrengungen zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius geeinigt habe, geschehe praktisch kaum etwas.Eifrig pusten Industrie und Verlehr weiter Kohlendioxid in die Luft. Dabei seien die Folgen des Klimawandels nicht nur im fernen Sibirien zu spüren.

Hubberten hält den Dürresommer in diesem Jahr und die Überschwemmungen in Italien zum Beispiel für Folgen eines aus den Fugen geratenen Klimasystems. Wenn sich die Temperaturen der Pole und der tropischen Gebiete immer mehr annäherten, blieben eben bestimmte Wetterlagen stabiler als zu früheren Zeiten. Nicht zuletzt würden Wetterextreme überall häufiger.

Der Begründer der Potsdamer Permafrostforschung ist daher froh, dass sein Nachfolger Guido Grosse sich noch mehr mit dem Einfluss der freigesetzten Kohlenstoffe auf das Klima befassen und die Ergebnisse zusammen mit der internationalen Fachwelt in Modelle des globalen Klimasystems einbauen will. Dies werde noch genauere Vorhersagen über weitere Entwicklungen erlauben. Besonders erfreulich dürften die Vorhersagen nicht ausfallen.

Hubberten selbst will zwar weiterhin den Wissenschaftlern auf dem Telegrafenberg beratend zur Seite stehen, sich aber mit 71 Jahren doch etwas zurücknehmen. „Es wird jetzt etwas mehr Zeit für meine Frau, meine Enkel und meine Kinder sein.“ Das Reisen werde aber weiterhin ganz oben auf der Agenda stehen. Aber so kalt wie Grönland oder gar die Antarktis, von deren Schönheit Hubberten gleichwohl in höchsten Tönen schwärmt, werde es nicht mehr werden. „Ich möchte schon gerne noch ein oder zweimal nach Mittel- und Südamerika“, sagt Hubberten. Auch seine Frau zieht es in wärmere Gefilde. Sie träumt vom tropischen Indonesien. Beides sei nicht ausgeschlossen, meint Hubberten. „Langweilig wird es uns auf jeden Fall nicht.“

Von Rüdiger Braun

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