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Brandenburg Wo die Wolfsverordnung an ihre Grenzen stößt
Brandenburg Wo die Wolfsverordnung an ihre Grenzen stößt
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00:19 24.12.2017
Brandenburger Wölfe dürfen auch weiter Rehe reißen. Das gilt als „normal“.
Brandenburger Wölfe dürfen auch weiter Rehe reißen. Das gilt als „normal“. Quelle: FOTO: dpa
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Potsdam

Alle Probleme wird die neue Wolfsverordnung nicht lösen. Denn das Regelwerk führt nicht automatisch dazu, dass jeder Wolf, der einem Menschen begegnet, sofort als Problemwolf gilt. Da wäre zum Beispiel der Fall, der sich vergangene Woche im Brücker Ortsteil Trebitz (Potsdam-Mittelmark) abgespielt hat.

Ein Wolf verfolgt ein Reh und schnappt es direkt vor einer Gaststätte. Kellnerinnen verscheuchen den Wolf durch laute Pfiffe, das Reh verendet später an seinen Verletzungen. Auch nach den Regeln der Wolfverordnung gilt dieses Verhalten – Wolf jagt Wild – nicht als problematisch oder verhaltensauffällig.

Mit der ersten Wolfsverordnung in einem Bundesland sei Brandenburg Vorreiter bei der Lösung des Konflikts zwischen Wolfsmanagement und Schutz von Nutztieren, sagt Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD). Laut Paragraf 4 der Verordnung kann das Landesumweltamt (LfU) Jagdberechtigte beauftragen, „Wölfen nachzustellen“ und sie „zu töten“, wenn sie mehrfach in Gehege eingedrungen sind und Tiere gerissen haben. Es gibt aber Bedingungen: Die Tierhalter müssen „zumutbare Maßnahmen“ zum Schutz ihrer Herden ergriffen haben.

Hürden für Herden

Als solche Maßnahmen gelten zum Beispiel 1,2 Meter hohe Elektrozäune mit 4000 Volt Spannung oder das Halten von Herdenschutzhunden. Und das ist für die betroffenen Landwirte und Schäfer eben das Problem: Diese „Maßnahmen“ kosten. „Wir wissen, dass wir den Nutztierhaltern sehr viel zumuten“, sagt der Abteilungsleiter Naturschutz, Frank Reichel, im Umweltministerium. Grundsätzlich sei ein Mehraufwand förderfähig, so Reichel. Zum Beispiel kann das Land die Aufrüstung von Zäunen hundertprozentig finanzieren, wenn der Betrag 15 000 Euro nicht übersteige. „Bei den bisherigen Maßnahmen hat das gereicht“, so Reichel.

Das Land fördert die Anschaffung und Abrichtung von Hütehunden zweier bestimmter Rassen. Bis zu 4000 Euro darf ein Hund kosten. Der Vorsitzende des Schafzuchtverbands Brandenburg, Knut Kucznik, hält die Unterstützung für gut, wie er die Wolfsverordnung überhaupt als richtige Maßnahme begrüßt. „Der Minister hat gegenüber dem Verband Wort gehalten“, so Kucznik. Allerdings reiche die bisherige Förderungen nicht aus, denn der Unterhalt der Hütehunde wird vom Land nicht unterstütz.

Landwirtschaftsminister Vogelsänger hält eine solche Art dauerhafter Förderung rechtlich nicht für möglich. Beim Umweltschutz könne das Land nur Investitionen und nicht die Sachkosten selbst bezahlen. Außerdem seien die Mittel ehedem knapp. Vogelsänger hofft daher, dass es mit einem Landesantrag gelingt, den Fordertopf „Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz“ auch für das Wolfsmanagement zu öffnen.

Von Rüdiger Braun

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