Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Wo in Brandenburg zu viel gebaut wird – und wo zu wenig
Brandenburg Wo in Brandenburg zu viel gebaut wird – und wo zu wenig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:27 22.07.2019
In Potsdam wird laut der Studie ausreichend neu gebaut. Quelle: Bernd Settnik/dpa
Potsdam/Köln

Während in deutschen Metropolen zu wenige Wohnungen gebaut werden, sind es in einigen Brandenburger Landkreisen einer Studie zufolge zu viele. Im Landkreis Elbe-Elster etwa wurden gut doppelt so viele Wohnungen errichtet wie es die Nachfrage hergibt: 203 Wohnungen stehen einem Bedarf von 98 gegenüber, wie aus der Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln hervorgeht.

Die Autoren Ralph Henger und Michael Voigtländer verglichen hierbei die Zahl der von 2016 bis 2018 fertiggestellten Wohnungen mit dem Bedarf, den sie anhand von Faktoren wie Bevölkerungsentwicklung und Wohlstand schätzten.

Lesen Sie auch:
Wo Brandenburg teuer ist und wo billig

Hohe Nachfrage in Oberhavel

Auch im Landkreis Spree-Neiße deckte sich die Nachfrage nicht mit dem Angebot. Gebaut wurden 208 Wohnungen bei einem ermittelten Bedarf von 115. In den Landkreisen Havelland und Märkisch-Oderland wurden jedoch konnte der Bedarf nur zu zwei Dritteln befriedigt werden und in Oberhavel fehlten 43 Prozent der nachgefragten Wohnungen.

In der Landeshauptstadt Potsdam hielten sich die Zahl der Fertigstellungen mit 1770 und des Bedarfs mit 1734 etwa die Waage. In Frankfurt (Oder) gab es mehr als doppelt soviele Nachfragen. In Cottbus und Brandenburg/Havel fehlten hingegen Interessenten.

Städte sollten Umbau vor Neubau stellen

Bundesweit werde mancherorts auf dem Lande zu viel neu gebaut. „Obwohl es auf dem Land viel Leerstand gibt, entstehen relativ viele Neubauten, die bevorzugt werden, obwohl Umbauten im Altbestand vielerorts sinnvoller sind“, sagte Studienautor Ralph Henger.

Lesen Sie auch:
Außerhalb des Speckgürtels stehen Tausende Wohnungen leer

Durch Neubaugebiete vor den Toren kleiner Städte verlören die Zentren an Bedeutung und das Leerstand-Problem verschärfe sich. „Kommunen auf dem Land fernab der Metropolen sollten ein besseres Flächenmanagement betreiben, um attraktiv zu bleiben und Leerstände in der Ortsmitte zu vermeiden.“ Der Grundsatz „Umbau vor Neubau“ sei hier wichtig. In einem Drittel der deutschen Kreise sollte „die Bautätigkeit im Neubau gebremst werden, um ein Überangebot zu vermeiden“, heißt es in der Studie.

Wohnungsbedarf soll in den kommenden Jahren sinken

2019 und 2020 werden den Angaben zufolge in ganz Deutschland je 342.000 neue Wohnungen benötigt, um den Bedarf zu decken. 2018 wurden nur 287.000 Wohnungen fertiggestellt. Diese Zahl dürfte dieses Jahr nicht deutlich steigen, die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage bleibt also groß.

Lesen Sie auch:
Mondpreise in Mittelmark: Hier ist Bauland am teuersten

Perspektivisch könnte sich das Problem Wohnungsknappheit allerdings etwas entschärfen: Nach Schätzung der Studienautoren sinkt der Wohnungsbedarf bis 2025 auf rund 260.000 und bis 2030 auf rund 246.000 pro Jahr. Hauptgrund hierfür ist eine zu erwartende sinkende Zuwanderung.

Alles zum Wohnen in der Mark

Manche Dörfer drohen auszusterben, andere Regionen platzen aus allen Nähten: Die Wohnsituation in der Mark ist so unterschiedlich wie die Behausungen ihrer Bewohner. Ob Kirche, Wasserturm, Hausboot oder ehemaliger Bahnhof, Mehrgenerationen-Haus oder Öko-Kommune – wir stellen besondere Wohnformen und die Menschen darin und dahinter vor. Vom Tiny-House-Entwickler bis zum Spezialisten für DDR-Anhänger, der diese zu gemütlichen Bauwagen umbaut – lesen Sie mehr auf unserer Themenseite.

Von RND/dpa/sag