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Brandenburg Bundesweit erster Fall: Jäger muss wegen Wolfs-Abschuss wohl vor Gericht
Brandenburg Bundesweit erster Fall: Jäger muss wegen Wolfs-Abschuss wohl vor Gericht
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21:44 21.01.2020
Der tut nix: Dieser Wolf lebt im Wildpark Schorfheide. Quelle: Patrick Pleul/dpa
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Potsdam

Der Fall eines Wolfes, der vor einem Jahr im Landkreis Potsdam-Mittelmark von einem Jäger erschossen wurde, könnte deutsche Rechtsgeschichte schreiben. Wie Heiko Granzin, der Anwalt des niederländischen Jägers, der MAZ sagte, habe die Potsdamer Staatsanwaltschaft die Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldbuße in Höhe von mehreren Tausend Euro abgelehnt. Deswegen werde es wohl zu einem Prozess kommen, so Granzin. „Es wäre das erste Mal in Deutschland, dass ein solcher Fall von einem Gericht geklärt würde, ein echter Präzedenzfall“, so Granzin.

Ein niederländischer Geschäftsmann, der Gast bei einer sogenannten Drückjagd gewesen war, hatte im Januar 2019 bei Rädigke einen Wolf erschossen. Er habe aus Notwehr gehandelt, um seine Jagdhunde zu schützen. Diese seien von dem Wolf angegriffen worden und hätten sich nicht durch Schreie, Pfiffe und einen Warnschuss vertreiben lassen, hatten Jäger damals gesagt.

Doch die Staatsanwaltschaft bewertet diesen Tathergang anders, so Anwalt Granzin und beruft sich auf ein Telefonat mit der Ermittlungsbehörde. Demnach habe der Jäger nach Auffassung der Staatsanwaltschaft in keinem Fall schießen dürfen. „Das ist grotesk“, so Granzin.

Die Staatsanwaltschaft Potsdam selbst wollte sich nicht zu dem Stand der Ermittlungen und zu der Frage, ob sie Anklage gegen den Niederländer erheben will, äußern. Auch die „Bild“-Zeitung hatte berichtet, dass die Behörde entschlossen sei, den Fall vor Gericht zu bringen.

„Mir ist die Anklageerhebung jetzt fast lieber als eine Einstellung, damit der Fall vor Gericht geklärt wird“, sagte Anwalt Granzin. In der Jägerschaft herrsche nämlich eine tiefe Verunsicherung, wie sie sich künftig verhalten sollen, wenn ihr Hund von einem Wolf angegriffen wird.

Sollte der Niederländer in Brandenburg tatsächlich angeklagt und verurteilt werden, könnten Jäger aufgrund „der strafrechtlichen Risiken künftig keine Jagdhunde mehr für Stöberjagden und Nachsuchen in Wolfsgebieten einsetzen“, warnte der Deutsche Jagdverband. (DJV).

Die Aktenlage zeigt laut Anwalt Granzin „eine eindeutige Notstandssituation“. Der Jäger habe zunächst einen Warnschuss abgegeben, und den Wolf erst getötet, nachdem dieser „nicht von den Hunden abließ“.

Zeugen hätten den Angriffs des Wolfs auf die Jagdhunde bestätigt, ein Tierarzt die Bissverletzungen bestätigt. Auf MAZ-Nachfrage räumte Granzin aber ein, dass der tierärztliche Befund nicht beweise, dass die Bissverletzungen von einem Wolf herrühren.

Der Wolfschutzaktivist Jürgen Hauschke aus Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) hält eine Anklage in dem Fall für richtig. Bei ihm habe sich ein anonymer Augenzeuge – ebenfalls ein Jäger – gemeldet, der den Tathergang anders bewertet und gesehen haben will, dass keine „Notstandssituation“ geherrscht habe. Dies habe er auch der Polizei mitgeteilt, so Hauschke.

Über die Plattform change.org hat Hauschke rund 34.500 Unterschriften für einen besseren Schutz des Wolfes in Deutschland gesammelt, die er am Dienstagmittag dem Petitionsausschuss des Potsdamer Landtags übergeben wollte.

„Der Wolf wird oft in Rotkäppchen-Manier als große Gefahr dargestellt, die rasch wieder beseitigt werden muss. Er soll verdrängt werden. Er ist aber ein streng geschütztes Tier, und wir kämpfen dafür, dass er sich hier wieder heimisch fühlen kann“, sagte Hauschke.

Durch das kurz vor Weihnachten vom Bundestag geänderte Naturschutzgesetz werde die Jagd auf den Wolf erleichtert. Demnach soll eine „Entnahme“ von Wölfen nach Nutztierrissen auch dann möglich sein, wenn unklar ist, welcher Wolf Schäden verursacht hat.

„Wir müssen verhindern, dass wahllos Wölfe geschossen werden“, sagte Hauschke. Brandenburg müsse ein Aushängeschild für Artenschutz werden und die Verantwortlichen dürften.itat Text]

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