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Brandenburg Abgasskandal: Brandenburger meiden den Diesel
Brandenburg Abgasskandal: Brandenburger meiden den Diesel
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14:58 23.12.2019
Diesel-Pkw auf dem Messstand. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Potsdam

Im Angesicht von Abgasskandal und Feinstaubproblematik nehmen immer mehr Brandenburger Abstand vom Dieselmotor. Dies geht aus Zahlen des Kraftfahrtbundesamts hervor, die die MAZ länderbezogen ausgewertet hat. Demnach hatten 25 Prozent der 53.998 von Januar bis Oktober 2019 neu zugelassenen Personenkraftwagen einen Dieselmotor. Vor zwei Jahren waren noch 30 Prozent der Neuzulassungen Selbstzünder gewesen, im Jahr 2014 noch 37 Prozent.

Brandenburger zählen damit deutschlandweit zu den Diesel-Muffeln, waren doch im Bundesschnitt im Oktober noch fast 31 Prozent der Neuzulassungen Dieselfahrzeuge.

Jetzt muss auch Daimler vor Gericht

Während die Brandenburger zunehmend auf andere Antriebsarten setzen, kommt die rechtliche Aufarbeitung des Dieselskandals voran. Erstmals hat das Landgericht Potsdam jetzt einem Kunden von Daimler-Benz recht gegeben, der eine Kaufpreiserstattung für seinen Diesel-Pkw haben wollte. Mercedes muss laut dem Spruch 25.500 Euro an einen Kunden zahlen, der im Jahr 2013 ein Cabrio gekauft hatte und damit rund 100.000 Kilometer gefahren ist – das Auto hatte knapp 40.000 Euro gekostet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Kunde hatte laut Gericht keine Kenntnis von einer laut Gericht unzulässigen Abschaltvorrichtung im Abgasrückgewinnungssystem des Motor. Das Auto stößt bei kühlen Temperaturen deutlich mehr Schadstoffe aus als offiziell angegeben.

„Zweistellige Anzahl von Daimler-Klagen“

Nach Angaben von Gerichtssprecherin Sabine Dießelhorst handelt es sich um „arglistige Täuschung“. Die bisherigen Diesel-Prozesse hätten vor allem Volkswagen, Audi, Porsche, Skoda und BMW betroffen. Jetzt aber häuften sich die Fälle, die Mercedes-Modelle zum Thema haben. „Es gibt definitiv eine zweistellige Anzahl von Daimler-Klagen“, sagte Dießelhorst für den Zuständigkeitsbereich des Landgerichts Potsdam.

Erstmals wird nun auch der Bundesgerichtshof (BGH) über einen Volkswagen-Fall verhandeln, wie die Potsdamer Anwaltskanzlei Goldenstein & Partner in der vergangenen Woche mitteilte. Die Kanzlei betreut 17.000 Mandanten im Dieselskandal. Alle Autokonzerne haben es bislang geschafft, ein solches letztinstanzliches BGH-Urteil zu vermeiden.

Verjährungsfrist läuft

Goldenstein & Partner weist darauf hin, dass Betrugsopfer nur noch bis zum Jahresende Zeit haben, gegen die Hersteller zu klagen. Denn die Verjährungsfrist greife ab 2020. Volkswagen hatte 2016 die Kunden über einen Rückruf informiert.

Vom Dieselskandal und den aktuellen Umweltdebatten profitieren laut den Angaben des Kraftfahrtbundesamts alternative Antriebsformen. Zunehmend gut kommen Modelle mit kombiniertem elektrischen Antrieb und Verbrennungsmotor (Hybrid) bei den Märkern an. Immerhin 6,9 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge in den ersten neun Monaten des Jahres waren Hybridfahrzeuge – also etwa 3700. Damit hat sich deren Anmeldungszahl binnen dreier Jahre mehr als vervierfacht.

Reine E-Autos bleiben Exoten in Brandenburg

Gleichzeitig sind die Märker bei der Anschaffung von reinen Elektroautos weiterhin extrem zurückhaltend. Von Januar bis Ende Oktober 2019 kamen auf 53.998 Pkw-Neuzulassungen nur 746 reine Elektro-Autos. Das entspricht einem Anteil von nicht einmal 1,4 Prozent unter den Neufahrzeugen, die für den Verkehr angemeldet wurden. Auf den kompletten Fahrzeugbestand im Land (1,78 Millionen) gerechnet, machen reine E-Autos nur 0,16 Prozent aus. Die bis Oktober 2019 zwischen Elster und Elbe zugelassenen 15.320 Hybridautos machen derzeit auch nur 0,8 Prozent des Automobilbestandes aus.

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