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Brandenburg Bildungsministerin Ernst: „Abitur muss einheitlicher werden“
Brandenburg Bildungsministerin Ernst: „Abitur muss einheitlicher werden“
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17:08 26.07.2019
Abitur, bitte Ruhe! Schon in den 1990ern wurden Forderungen nach einem Zentralabitur laut. Quelle: Thomas Warnack/dpa
Potsdam

In Brandenburg stößt die Idee eines deutschlandweiten Zentralabiturs ein positives Echo. Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) sprach sich am Freitag für eine stärkere Vergleichbarkeit bei Bildungsabschlüssen aus, jedoch ohne sich auf eine zentrale Prüfung für alle Schüler festzulegen. „Das Abitur in Deutschland muss einheitlicher werden“, sagte sie der MAZ. „Die Zahl der Kurse auf erhöhtem Niveau und die Bewertungsraster sollten angeglichen werden.“

Über die Frage eines einheitlichen Abiturs wird momentan diskutiert. Der Bildungsdirektor der OECD, An­dreas Schleicher, hatte sich dafür ausgesprochen, ebenso der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Hans-Peter Meidinger. Er warb für einheitliche Bildungs- und Prüfungsstandards. „Die Länder müssen sich auf einen Staatsvertrag einigen, der klare Regeln zum Abitur enthält und die Qualität und Vergleichbarkeit des Abiturs deutlich erhöht“, sagte er.

Senftleben für Zentral-Abitur

Auch CDU-Spitzenkandidat Ingo Senftleben unterstützt die Idee eines Bildungsstaatsvertrags, über den sich die Länder auf deutschlandweit vergleichbare Schulabschlüsse verpflichten. Er sieht den Bildungsföderalismus in seiner jetzigen Form kritisch: „Es kann nicht sein, dass der Umzug der Eltern innerhalb Deutschlands für die Kinder zu einer bildungspolitischen Weltreise wird“, hatte er gesagt.

Die Idee trifft offenbar den Nerv der Deutschen. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sprachen sich 80 Prozent der Befragten dafür aus, dass Abiturienten im ganzen Land einheitliche Prüfungen vorgelegt bekommen. Nur jeder Zehnte lehnt das ab.

Selbst Prüfungsdauer variiert

Eine Vereinheitlichung der Bildungsstandards sei absolut wünschenswert, sagte auch Kathrin Wiencek, Vorsitzende des Philologenverbands Berlin-Brandenburg. Sie hält ein Deutschland-Abitur jedoch für illusorisch. Denn Bildung ist Sache der Bundesländer: „Die Länder werden sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, auf Kompetenzen zu verzichten“, sagte sie.

Ungeachtet dessen müsse die Vergleichbarkeit bei Abschlüssen dringend gesteigert werden. Denn je nach Bundesland gebe es unterschiedliche Prüfungsfächer und Kurssysteme. Selbst die Prüfungsdauer variiert. Auch die zugelassenen Hilfsmittel wie Wörterbücher seien unterschiedlich. „Die Länder könnten relativ schnell einheitliche Bedingungen schaffen. Wenn man sich aber noch nicht einmal auf solche Kleinigkeiten verständigen kann, braucht man nicht über ein Zentralabitur nachdenken“, kritisierte Wiencek.

Schlechtes Zeugnis für Bildungssystem

Dem deutschen Bildungssystem insgesamt stellen die Bundesbürger ein ziemlich schlechtes Zeugnis aus. Nicht einmal jeder dritte Befragte ist der Ansicht, dass es junge Menschen gut auf das Leben und die Arbeitswelt vorbereitet. Eine klare Mehrheit ist außerdem der Meinung, dass deutsche Abiturienten heute weniger fit für das Studium seien als noch vor 20 Jahren.

Die Länder haben sich beim Abitur bereits angenähert. So gibt es seit 2017 einen gemeinsamen Aufgabenpool für die Fächer Mathematik, Deutsch, Englisch und Französisch. Lehrerpräsident Meidinger hält den Pool aber für gescheitert. Die Länder müssen keine Aufgaben daraus entnehmen und wenn, können sie diese auch verändern. Im Frühjahr war die Abitur-Debatte wieder neu aufgeflammt, weil Schüler in Teilen des Landes sich über zu schwere Mathe-Aufgaben beschwert hatten.

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Von Torsten Gellner

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