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Brandenburg Zu Besuch bei einer Hobby-Imkerin
Brandenburg Zu Besuch bei einer Hobby-Imkerin
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00:25 15.04.2019
Die Hobby-Imkerin Sabrina Behringer bei der Bienenkontrolle in ihrem Garten. Quelle: Hannah Rüdiger
Stahnsdorf

 Hunderte Bienen krabbeln geschäftig über goldgelbe Waben. Unbeirrt klettern die Arbeiterinnen übereinander; andere stecken kopfüber in akkuraten, perfekt geformten Löchern. Wie bei einem Wimmelbild dauert es ein paar Sekunden, bis das ungeschulte Auge die eine Biene erkennt, die aus der Reihe tanzt – und zwar wortwörtlich.

„Da, die macht gerade den Schwänzeltanz“, sagt Sabrina Behringer und zeigt auf eine Honigbiene, die sich im Kreis dreht. Das Insekt wackelt mit dem Hinterteil und führt eine Art Choreographie auf. An seinen Beinen kleben leuchtend gelbe Pollenklößchen. „Sie zeigt den anderen, in welcher Himmelsrichtung es Futter gibt“, erklärt Behringer.

Zehntausende neue Mitbewohnerinnen

Die 49-Jährige Stahnsdorferin ist Hobby-Imkerin und ganz frisch dabei. Im vergangenen Jahr entschied sie sich dazu, Zehntausende Mitbewohnerinnen in ihrem Garten aufzunehmen. Seitdem stehen in einer ruhigen Ecke hinter einem Rhododendron braune Kästen, sogenannte Beuten, in denen zwei Bienenvölker ein- und ausfliegen.

Behringer entfernt Wachsbrücken, die die Bienen zwischen den Rähmchen gebaut haben. Quelle: Hannah Rüdiger

Ende März öffnet Behringer zum ersten Mal in diesem Jahr die Bruträume. Mit einem Edelstahl-Smoker hüllt sie die Honigbienen in weißen Rauch, um die Tiere zu beruhigen. Vorsichtig hebt sie dann den Deckel des ersten Kastens an. Zum Vorschein kommen mehrere Rähmchen aus Holz, die mit Wachsplatten auf Drähten die Baugrundlage für Bienen bieten.

Behringer hebt einen Rahmen in die Höhe, der vor lauter Bienen kaum zu erkennen ist. „Die Bienen sehen toll aus“, sagt sie unter ihrem Schleier. Rähmchen für Rähmchen arbeitet sie sich durch den Kasten, kontrolliert die Waben auf Brut und schabt Wachsbrücken weg, die die Insekten quer über das Holz gebaut haben. Manche Zellen sind bräunlicher als andere, darin wächst der Nachwuchs heran.

Schon der Großvater war Imker

Die Stahnsdorferin ist über eine Freundin aus Berlin zum Imkern gekommen. In ihrer Familie hat die Imkerei zudem Tradition: „Mein Opa hat früher geimkert, als ich noch ein Kind war“, erzählt sie. Behringer erinnert sich gerne an die großen Gläser Honig zurück, die ihre Großmutter immer auftischte. „Dieses Gefühl wollte ich gerne wiederhaben“, sagt die 49-Jährige.

Zwei geschlossene Bienenbeuten. Quelle: Hannah Rüdiger

Einerseits sei das Imkern für sie ein Hobby, bei dem die ganze Familie mitmachen kann. Die Kinder helfen dabei, die Beuten zu kontrollieren, die Königin zu suchen oder den hauseigenen Honig abzufüllen. Andererseits sei die Bienenhaltung wie eine Auszeit vom Alltag. „Für mich ist das Imkern der Ausgleich zum Beruf“, sagt Behringer. Ihre Familie hat einen Fahrdienst für Menschen mit Behinderung, bei dem sich die 49-Jährige um die Kundenbetreuung kümmert.

Bieneninstitut lehrt Grundlagen

Bevor Behringer ihre eigenen Bienenvölker bekam, lernte sie am Länderinstitut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf die wichtigsten Grundlagen der Imkerei. Es sei ihr wichtig, zu wissen, was sie tut. „Ich bin kein Freund von diesen Stadt-Hobby-Imkern, die ihre Bienen einfach auf den Balkon stellen und gucken, was passiert“, betont sie.

Schließlich hätten Imker eine Verantwortung – sowohl den Tieren als auch den anderen Imkern gegenüber. Behringer liege viel daran, ihre Völker zu verstehen und Warnzeichen richtig zu deuten. „Wenn meine Bienen krank werden, bleiben die ja nicht im Bett, sondern fliegen einfach los“, sagt die Stahnsdorferin.

Viel Liebe für Bienen

„Kleine, braune Kuschelkäfer“ nennt Behringer ihre Bienen. Quelle: Hannah Rüdiger

Die pelzigen Insekten sehe sie nicht nur als Nutztiere. Mittlerweile betrachte sie die Honigbienen mit Liebe. „Für mich sehen die aus wie kleine, braune Kuschelkäfer“, sagt sie lächelnd.

Umso schöner, dass ihr Hobby auch noch Honig abwirft. Zweimal habe sie im vergangenen Jahr geerntet. Etwa 60 Kilogramm Robinien-, Sommerblüten- und Lindenhonig landeten in den Gläsern. „Robinienhonig war meine Lieblingssorte im letzten Jahr, der sah aus wie Prosecco“, erzählt sie.

Image-Wandel der Imkerei

„Vor 15 Jahren war die Imkerei noch ein Alte-Männer-Hobby“, sagt Holger Ackermann, Sprecher des Landesverbandes Brandenburgischer Imker. „Imker hat man sich quasi mit Bart und Pfeife vorgestellt.“ Mittlerweile interessierten sich viel mehr Frauen für die Bienenzucht. Vor allem junge Frauen und alleinerziehende Mütter entdecken laut Ackermann immer häufiger ihre Leidenschaft fürs Imkern.

In lokalen Imkervereinen können Neu-Imker auf die Unterstützung der erfahrenen Bienenzüchter zählen. Norbert Reinhardt, Vorsitzender des Stahnsdorfer Imkervereins und zweiter Vorsitzender des Landesverbandes, steht Behringer zur Seite, wenn sie Fragen hat. Etwa, wenn sich eine Biene merkwürdig verhält oder die Neu-Imkerin ungewöhnliche Wachs-Formationen bemerkt.

Behringer hat viel gelernt

Regelmäßig kontrolliert die Hobby-Imkerin die Waben. Quelle: Hannah Rüdiger

Bei manchen Dingen sei sie noch unsicher, sagt Behringer. „Im ersten Jahr wollte ich erstmal gucken, ob ich das kann. Manchmal kam ich mir vor wie eine Idiotin“, gibt sie zu. Aber: Sie kann es. Beide Völker haben den Winter überlebt, bald machen die Winterbienen Platz für die Sommerbienen.

Längst kann die 49-Jährige Drohnen von Arbeiterbienen unterscheiden und Weiselzellen erkennen, in denen eine Konkurrentin für die Königin heranwächst. Solche Zellen entfernt sie sofort, damit es keine Machtkämpfe gibt. Behringer sorgt für Frieden unter ihren Völkern, auch das ist die Aufgabe eines Imkers. Noch in diesem Jahr will die Stahnsdorferin ihren Bienenbestand verdoppeln.

Imker und Hobby-Imker in Brandenburg

Etwa 2600 Imker zählte der Landesverband Brandenburgischer Imker im vergangenen August. Die tatsächliche Anzahl könnte etwas davon abweichen, weil nicht alle Imker in einen der 101 Imkervereine in Brandenburg eintreten.

Rund tausend Euro sollten Neu-Imker als Startkapital pro Volk einplanen. Die Landesregierung fördert Neu-Imker mit bis zu tausend Euro bzw. übernimmt die Kosten für maximal fünfzig Prozent der Ausgaben für neue Ausrüstung.

Einführungskurse zur Bienenhaltung bieten Imkervereine und die Imkerlandesverbände an. Auch an Einrichtungen wie dem Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf gibt es Lehrgänge.

Augen auf beim Bienenkauf: Der Landesverband der Imker rät ausdrücklich davon ab, günstige Bienen aus dem Ausland zu kaufen, da diese Seuchen und Krankheiten einschleppen und einheimische Arten gefährden könnten.

Lesen Sie auch: Wie der Klimawandel den Imkern zu schaffen macht

Von Hannah Rüdiger

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