Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Zu Besuch in Europas größtem Tierheim
Brandenburg Zu Besuch in Europas größtem Tierheim
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:19 25.04.2018
Das Tierheim in Berlin-Falkenberg gleicht einer Stadt. Vergangenes Jahr wurden dort etwa 10 000 Tiere beherbergt – vom Affen bis zur Ziege. Quelle: Tierheim Berlin
Berlin

Hardo Müggenburg kuschelt aus Prinzip. Einmal in der Woche fährt er aus Berlin-Mitte in das eine Stunde entfernte Tierheim am Stadtrand und zieht sich einen schluffigen grauen Kapuzenpulli an – die hellen Härchen darauf verraten seine Arbeit: Er ist ehrenamtlicher Katzenstreichler. „Wir helfen dem Tierheim, auch die etwas schwierigeren Katzen zu sozialisieren, damit sie vermittelbar bleiben“, sagt der 67-Jährige, der jahrzehntelang in der Verwaltung des Deutschen Bundestags gearbeitet hat. Er spricht mit ruhiger Stimme, trägt einen kurz geschnittenen weißen Bart und geht in braunen Segelschuhen mit langsamen Schritten zum nächsten Kuschelpartner.

Hardo Müggenburg kommt zum Kuscheln in das Tierheim: Er ist ehrenamtlicher Katzenstreichler. Quelle: Julian Stähle

Die meisten Katzen im Tierheim fallen nicht weiter auf, sie sind sozial und sollen es bleiben. Auch Charly wirkt auf den ersten Blick knuffig wie ein Neugeborenes. Der Europäische Kurzhaarkater schmiegt sich an Müggenburgs Beine, lässt sich in seinen Schoß fallen und schließt die Augen. Erst der Blick auf seine Akte verrät, warum sich noch kein neues Frauchen oder Herrchen für Charly gemeldet hat. Das Tier leidet an Diabetes, benötigt täglich Spritzen, ist nicht stubenrein und über acht Jahre alt.

Ehrenamtler wie Müggenburg unterstützen das Tierheim darin, dass die gesunden und sozialen Tiere, aber eben auch die schwieriger zu vermittelnden Bewohner, den Kontakt zu Menschen nicht verlieren und in einigen Fällen sogar verbessern. Damit die Katzen an Alltagsgeräusche gewöhnt bleiben, läuft in vielen Fluren auch dann das Radio, wenn die Pfleger gerade nicht da sind.

Im Berliner Tierheim werden zahlreiche Tiere abgegeben. Vergangenes Jahr waren es 10.000 Tiere. Quelle: Julian Stähle

Das Tierheim in Berlin-Falkenberg hat im vergangenen Jahr etwa 10 000 Tiere beherbergt. Hunde, Katzen, Vögel, Hamster, Mäuse, Schweine, Hühner, Schlangen, Echsen, Affen und vieles mehr. Manche bleiben nur ein paar Tage, bis ein neuer Besitzer sie mitnimmt, für andere wird das Asyl zum Alterssitz. Immer wieder erzählen die Geschichten der Tiere von dem, was in der Gesellschaft generell schiefläuft.

Die Tiere haben viel erlebt – auch Morde

Ein vor Kurzem vermittelter Hund erlebte den Mord an seinem Herrchen, andere kommen mit Schnittwunden und anderen Gewaltspuren an. Es gibt sexuell missbrauchte Katzen und Haustiere, die von ihren dementen Besitzern aus Vergesslichkeit überfüttert oder wegen psychischer Erkrankungen nicht angemessen betreut wurden.

Die Tiere leben in futuristisch anmutenden Flachbauten aus Glas und Beton, die aus der Vogelperspektive wie gelandete Ufos wirken. Besucher begegnen beim Eintritt auf das 22 Fußballfelder große Gelände einem betoneingefassten und von Wasserbecken umgebenen Rondell. Runde Formen durchziehen auch die Abteilungen, die für Besucher nicht sichtbar sind, etwa die medizinische. Dort gibt es mehrere Quarantäne-Bereiche, an einem Wagen klemmen Maulkörbe und ein Teddybär. Manche Operationen hier dauern Stunden.

Viel Leid, aber auch viele Erfolgsgeschichten

„Oft haben wir mit Parasitenbefall und Durchfallinfektionen zu tun“, sagt Stefanie Engert, eine der hauptamtlichen Tierärztinnen. „Wir blicken fast täglich in Abgründe.“ Engert erzählt von einem verstorbenen Menschen, der erst zwei Wochen nach dem Tod mitsamt seiner abgemagerten, aber noch lebenden Katze entdeckt wurde. Ein Schäferhund harrte mehrere Tage neben seinem Herrchen aus, der sich erhängt hatte, und ein anderer Besitzer hat versucht, seinen Hund mit einem Schnitt durch die Kehle umzubringen.

Stopp – und jetzt bitte mal etwas Positives: „Es gibt Erfolgserlebnisse – gerade dann, wenn wir ein Tier aus einer lebensgefährlichen Situation holen“, sagt die 32-Jährige. „Dann schicken uns die neuen Besitzer Bilder, auf denen zu sehen ist, wie gut es ihm jetzt geht.“ In solchen Fällen behandelt vor der Vermittlung eine Verhaltenstherapeutin die Tiere, damit sie auch seelisch genesen.

Ehrenamtlerin Petra Lubda mit dem Hund Bootsmann Quelle: Maurice Wojach

Beim Weg zurück in ein normales Hundeleben helfen auch ehrenamtliche Gassigeherinnen wie Petra Lubda (55). Die OP-Schwester widmet sich in den Stunden vor dem Schichtdienst dem Jagdhund-Mix Bootsmann. Mit seinem putzigen braunen Fleck über dem Gesicht wirkt der Dreijährige wie die hundgewordene Harmlosigkeit.

Aber es gibt zwei Herzen in seiner Brust“, sagt Lubda. Nach ein paar Schritten begegnen die beiden einer fremden Frau, und Bootsmann macht bellend deutlich, warum er einen Maulkorb trägt. „Er ist ein Angstbeißer“ – und gehöre zu den Knochen-3-Hunden. Das sind solche, die schon mal gebissen haben oder auf sonstige Weise ein besonders schwieriges Verhalten zeigen. Ein menschengemachtes Problem: Bootsmanns letzter Besitzer habe an ihm gewürgt. Der Hund wehrte sich mit Bissen dagegen.

Die MAZ stellt das Tierheim in einer Serie vor. Nächstes Mal geht es um Nutztiere und eine Sau, die als Schmähgeschenk für einen Immobilienmakler gefunden wurde.

Von Maurice Wojach

Die Zahl der Windräder ist in Brandenburg 2017 weiter gestiegen. Die gemeinsame Leistung, die diese Anlangen produzieren, entsprechen etwa fünf bis sechs Atomreaktoren.

08.04.2018

In Brandenburg, Berlin und Thüringen gab es am Sonntag Razzien – wegen des Verdachts der Gründung einer rechtsterroristischen Vereinigung. Laut Bundesstaatsanwaltschaft gehören die Beschuldigten der Reichsbürger-Szene an. Unter anderem war die GSG 9 im Einsatz.

08.04.2018
Brandenburg Tarifkonflikt öffentlicher Dienst - Verdi weitet Warnstreiks in Brandenburg aus

Die Gewerkschaft Verdi weitet vor der nächsten Verhandlungsrunde für den öffentlichen Dienst ihre Warnstreiks in der Region aus. In den kommenden Tagen kommt es zu Arbeitsniederlegungen in Potsdam, Neuruppin, Strausberg, Cottbus und Frankfurt (Oder).

08.04.2018