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Brandenburg Zu Hause bei „Karls“: So lebt Erdbeer-König Robert Dahl
Brandenburg Zu Hause bei „Karls“: So lebt Erdbeer-König Robert Dahl
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12:46 19.09.2019
Typisch Robert Dahl (48): Der Inhaber der Karls Erlebnis-Dörfer mit Smartphone vor einem alten Gewächshaus in seinem Garten. Er wohnt in einem Dorf in der Nähe von Rövershagen. Quelle: Dietmar Lilienthal
Klein Kussewitz

Man hätte mit mehr Erdbeeren gerechnet – für jemanden, der damit sein Geld verdient. Oder treffender: Der im Handel mit den roten Sommerfrüchten die Nummer eins in Nord- und Ostdeutschland ist. „Ich habe zwar drei Reihen im Garten, aber die sehen lange nicht so gut aus wie in meinem Betrieb“, sagt Robert Dahl, während er in seinem Haus an einem alten runden Tisch Platz nimmt, von dem aus man durch bodentiefes Glas ins Grüne schauen kann.

Dahl gehört zu den größten Unternehmern in Brandenburg. Sein Erdbeer-Imperium umfasst inzwischen fünf landwirtschaftlich orientierte Freizeitparks, die Karls Erlebnis-Dörfer. Etwa 30 Prozent des Jahresumsatzes erwirtschaftet das Unternehmen noch mit der Ernte und dem Verkauf der Früchte selbst. Knapp 1000 fest angestellte Mitarbeiter beschäftigt Dahl, während der Saison kommen mehr als 2000 Erntehelfer hinzu.

Ferienhäuser gibt es auch

Der älteste und größte Standort, zugleich Hauptsitz der Firma, befindet sich in Rövershagen bei Rostock. Dort gab es nach der Wende Erdbeeren zum Selbstpflücken und kurz darauf einen kostenlosen Spielplatz. Erdbeeren und Spielen – die DNA der heutigen Erlebnis-Dörfer war geschaffen. Inzwischen zählen auch Ferienhäuser und ein Hotel dazu.

Bildergalerie: Das sind die Attraktionen in Karls Erlebnisdörfern:

Im Sommer 2019 sind mehrere neue Attraktionen in Karls Erlebnisdörfern eröffnet worden. 18 Millionen Euro hat Unternehmer Robert Dahl in die Standorte des Unternehmens investiert.

Eine Vorliebe für Dinge, die abgenutzt sind

Wie wohnt jemand, der jeden Morgen zur Arbeit in einen Freizeitpark fährt? Zunächst relativ versteckt auf einem Dreiseiten-Hof und einem Dorf, das einen Steinwurf von Rövershagen entfernt liegt. Der Stil? Ländlich fein und urgemütlich. Eine gut gewichtete Mischung aus mediterraner Wärme und skandinavischer Klarheit.

Bei Familie Dahl zu Hause herrscht eine Atmosphäre, in der man Acht geben muss, vor lauter Gelassenheit nicht gleich die Füße auf den Stuhl gegenüber zu legen. Warme Naturtöne, viel ursprüngliches Holz, Kletterpflanzen ranken aufs Terrassendach. Eine Vorliebe für Dinge, die abgenutzt, nicht piekfein und gerade kein Schickimicki sind, prägt nicht nur das Inventar der Erlebnis-Dörfer, sondern auch den Stil in Dahls privater Umgebung.

Reisen unternimmt Familie Dahl nur mit Handgepäck

Der 48-Jährige lebt in seinem Zuhause mit seinen drei Kindern (12, 14 und 16 Jahre alt) und Ehefrau Stephanie. Sie ist ebenfalls in führender Position bei Karls tätig. „Wer ein Familienunternehmen in dieser Größe führt, der weiß, dass das Unternehmen auch zur Familie gehört. Bei uns zu Hause gehen Arbeit und Privates fließend ineinander über“, sagt Dahl. „Richtig frei hat man eigentlich nie. Das Ganze ist zugleich eine große Verantwortung. Aber ich liebe das, was wir machen. Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen.“

Insofern seien die Momente der Entspannung und des Rückzugs zu Hause allenfalls kurz. Hobbys? „Früher ja, heute nicht mehr. Ich versuche, mit dem auszukommen, was ich wirklich brauche. Nichts soll mich belasten.“ Deshalb hätten er und seine Familie die Angewohnheit, Reisen ausschließlich mit dem Handgepäck zu absolvieren. Dahl: „Lieber einmal waschen zwischendurch, als zuviel mitzuschleppen. Wer mich kennt, weiß, dass ich sowieso oft den gleichen einfachen Stil trage.“ T-Shirt, Sneaker. Er legt Wert auf Zurückhaltung.

Frau aus Kanada verkaufte Dahl sein heutiges Wohnhaus

Seinen Zuhause-Hof hat Dahl 1998 einer älteren Dame aus Kanada abgekauft. An sie war die Immobilie nach der Wende zurückgefallen. Bei einem Kaffee im Erdbeer-Hof in Rövershagen habe sie ihn angesprochen. „Ob ich nicht jemanden wüsste, der so ein Haus sucht. Klar, kannte ich jemanden. Mich selbst. Am nächsten Tag saßen wir beim Notar.“ Allein das Entrümpeln habe gut anderthalb Jahre gedauert. „Hier standen bestimmt zehn Trabbis herum.“ Kurz darauf lernte er seine Frau kennen.

Sein Unternehmen führt Dahl weitgehend vom Handy aus, wenn er nicht vor Ort ist. „Ich habe zu Hause keinen Laptop. Schon ein iPad ist mir eigentlich fast zu umständlich.“ Damit dennoch alles in den gewünschten Bahnen läuft, hat Dahl acht verschiedene Apps entwickeln lassen, die er benötigt, um seine Firma im Blick zu behalten. So lassen sich die Lohn- und Gehaltsbuchhaltung genauso verfolgen wie der Bestand an Erdbeeren. An einem normalen Tag in der Saison verkauft Karls gut 80 Tonnen Erdbeeren pro Tag.

Erdbeeren im E-Auto

Innerhalb von 24 Stunden muss die Ware im Verkauf sein, weshalb der Radius, in dem ausgeliefert wird, maximal etwa 250 Kilometer groß ist. Was abends nicht weg ist, geht zurück und wird weiterverarbeitet. „Würden wir länger brauchen, wären die Früchte nicht schlecht, aber eben nicht mehr frischer als die Erdbeeren im Supermarkt“, erklärt Dahl.

Ein Hobby hat er dann doch: Der Mann treibt die Themen Elektromobilität und nachhaltige Energieversorgung voran. Hat er einen Termin, bei dem sein Tesla nicht direkt vor Ort nachgeladen werden kann, nimmt Dahl für die letzten Kilometer einen Elektroroller. Der liegt im Kofferraum parat.

Auch im Unternehmen nimmt das inzwischen viel Raum ein. In Rostock und Ribnitz-Damgarten werden die Erdbeeren bereits mit E-Transportern von Streetscooter (die, mit denen auch die Post fährt) ausgeliefert. „Mein Ziel ist es, den Strom, den wir über Solaranlagen erzeugen können, eines Tages mit Wasserstoffspeichern so lange vorzuhalten, bis nachts unsere Lieferfahrzeuge daran geladen werden können. Das wäre wirklich klimaneutral.“

Bilder von der Kürbissaison bei Karls:

Der kalendarische Herbst-Anfang liegt bereits hinter uns, der meteorologische folgt am 23. September. Auch in Rövershagen hat der Herbst bereits Einzug gehalten – in Form von Kürbissen.

Kinder dürfen fast alles

Wo treffen Sie geschäftliche Entscheidungen? Auf der Couch oder unter der Dusche? „Vor allem im Bauch“, antwortet Dahl. Zu seiner Philosophie gehört, dass der Eintritt zu allen Karls Erlebnis-Dörfern grundsätzlich frei ist. „Für einige Attraktionen verlangen wir eine Benutzungsgebühr, aber uns ist wichtig, dass der Anteil an kostenlosen Möglichkeiten für Kinder immer ausreichend groß ist.“

Den Gedanken dahinter liefert der Unternehmer gleich mit: „Grundsätzlich könnte man sagen, dass ich lieber mit einem vollen Laden pleite gehen würde als mit einem leeren Geschäft. Aber im Ernst: Wenn wir die Leute anlocken und es dann nicht schaffen, ihnen mindestens einen Kaffee zu verkaufen, dann wären wir nicht gut genug.“

In den USA, wo Dahl regelmäßig Freizeitparks zur Anschauung besucht, nennt man dieses Prinzip Pay by ride. Dahl: „Wenn wir Kindergarten-Gruppen zu Gast haben, die ihr eigenes Essen mitbringen, die Reste bei uns entsorgen, das kostenlose Tobeland nutzen und wirklich gar nichts kaufen, freue ich mich trotzdem und sage meinen Mitarbeitern: Bleibt entspannt! Einige Kinder werden später mit ihren Eltern wiederkommen.“

Die Geschichte von „Karls“

Die Familie Dahl kehrte Anfang der 1990er nach landwirtschaftlicher Tätigkeit in Schleswig-Holstein nach Mecklenburg zurück. „Mein Vater meinte damals, ich solle mich doch dort selbstständig machen, wo wir ursprünglich hergekommen sind“, erzählte Robert Dahl einmal. 1993 wurden auf den ersten zehn Hektar Land wieder Erdbeeren in Mecklenburg von Familie Dahl geerntet. Namensgeber für das Unternehmen war Großvater Karl Dahl.

Daraus ist mittlerweile ein regelrechtes Imperium geworden: Sieben Standorte in drei Bundesländern. Begonnen hat alles mit einem kleinen Hofladen. Heute sind daraus kleine Freizeitparks mit vielen Extras geworden.

Dennoch steht die Erdbeere weiterhin im Mittelpunkt. Auf rund 400 Hektar rund um Rövershagen werden jedes Jahr Erdbeeren angebaut.

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Von Benjamin Fischer

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