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Brandenburg Radtouren auf dem Mauerweg: „Wenn ich vor 40 Jahren hier gestanden hätte, wäre ich erschossen worden“
Brandenburg Radtouren auf dem Mauerweg: „Wenn ich vor 40 Jahren hier gestanden hätte, wäre ich erschossen worden“
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00:20 22.05.2019
Die Stadtführer Asaf Leshem (l.) und Matthew Robinson vor der Glienicker Brücke, die Berlin und Potsdam verbindet. Quelle: Jerome Lombard
Berlin/Potsdam

„Wenn ich vor 40 Jahren hier gestanden hätte, wäre ich erschossen worden“, sagt Asaf Leshem. Der 45-Jährige steht mit seinem hellgrünen Rennrad in der Mitte der Glienicker Brücke. Dort, wo heute Berlin und Potsdam über die Havel ganz selbstverständlich ineinander übergehen, war einst einer der weltweit vielleicht bekanntesten Schauplätze des Kalten Krieges. „Egal, woher die Menschen kommen, dass Amerikaner und Sowjets über die Glienicker Brücke bei Nacht und Nebel Spione ausgetauscht haben, weiß so gut wie jeder“, sagt Leshem. Der gebürtige Israeli arbeitet seit mehreren Jahren als Guide für historische Touren in Berlin und Brandenburg.

Leshems Großvater flüchtete 1938 vor den Nazis nach Palästina

„Angefangen habe ich mit klassischen Stadtführungen durch das Zentrum Berlins auf Hebräisch und auf Englisch“, erzählt Leshem, der 2007 zum Masterstudium in die Bundeshauptstadt gekommen ist und seither dort lebt. Der Israeli hat deutsche Wurzeln: Leshems Großvater väterlicherseits kam aus Berlin und war 1938 vor den Nationalsozialisten in das damalige britische Mandatsgebiet Palästina geflüchtet. „Mit der Zeit habe ich mich bei meinen Rundgängen auf bestimmte Themen wie Jüdisches Leben in Berlin und Kalter Krieg spezialisiert“, erzählt der Stadtführer. Am meisten Spaß haben dem passionierten Radfahrer immer schon die Touren mit dem Drahtesel durchs Brandenburgische gemacht, die er über seine Website „Cycling Berlin Brandenburg“ für Interessierte anbietet.

Für dieses Frühjahr habe er sich eine besondere Geschichtsreise überlegt, erzählt Leshem. In diesem Jahr, in dem sich der Fall der Berliner Mauer zum 30. Mal jährt, will er gemeinsam mit dem befreundeten Stadtführer Matthew Robinson Radtouren entlang des 160 Kilometer langen historischen Mauerwegs in Berlin und Brandenburg veranstalten.

Die Tour soll ein einmaliges Erlebnis werden

Der Israeli und der Brite wollen mit ihren individuell für Einzelpersonen und Gruppen buchbaren Touren in englischer Sprache geschichtsinteressierten Radfreunden aus aller Welt die Orte der deutsch-deutschen Teilung zeigen. „Wie der Besuch des Grand Canyon oder der Ruinenstadt Machu Picchu soll unsere Mauer-Tour ein einmaliges Erlebnis werden“, meint Robinson, der wie sein Kollege Leshem als Guide in Berlin und Brandenburg arbeitet.

Für die ganz Sportlichen wollen die beiden die 160-Kilometer-Tour an einem Tag anbieten. Wer sich mehr Zeit nehmen will, kann unterwegs eine Übernachtung hinzu buchen. Der Preis für die Tour richtet sich nach der Anzahl der Tage und der Größe der Gruppe.

„Unsere Idee ist es, den Sport mit der Geschichte zu verbinden“, erzählt Robinson. Entlang des Mauerwegs könne man gut erkennen, wie sich die einstige innerdeutsche Grenze in Berlin und Brandenburg der Topographie angepasst habe. „Durch Berlin verlief die Mauer als Betonwand, in Brandenburg gab es häufig bewachte Zäune und die Flüsse wurden als natürliche Barrieren genutzt“, sagt der 34-Jährige aus Yorkshire im Norden Englands, der seit zwölf Jahren in Berlin zuhause ist.

Am Brandenburger Tor geht es los

Stopps soll es entlang der Route, die am Brandenburger Tor starten und auch wieder enden soll, an den ehemaligen Grenzübergängen sowie an weiteren historisch bedeutsamen Punkten geben. Die Guides wollen dabei auf die Interessen und Bedürfnisse der jeweiligen Gruppe, mit der sie unterwegs sind, eingehen. „Wenn zum Beispiel spezielles Interesse an den Todesopfern der Mauer besteht, rücken wir diesen Aspekt in den Fokus“, sagt Robinson.

Dass sie beide nicht in Deutschland geboren sind, sehen die radelnden Stadtführer mit Blick auf das Mauerfalljubiläum als Chance. „Die Berliner Mauer ist nicht nur eine deutsche, sondern auch eine universelle Geschichte“, sagt Leshem. Als Israeli, der weder im alten West-Berlin noch in der DDR gewohnt habe, könne er unbefangen an das Thema herangehen. Wichtig sei ihnen neben der historischen Wissensvermittlung die Freiheit, die es in der heutigen liberalen Demokratie in Deutschland gibt, als große Errungenschaft hervorzuheben.

„Ganz gleich, woher wir kommen, heute können wir ohne Kontrolle und Schikane über die Glienicker Brücke fahren, die zur Zeit der deutschen Teilung hermetisch abgeriegelt war“, sagt Robinson. Natürlich könne man diese Tatsache Gästen auch bei der Überfahrt in einem Reisebus erklären. Die beiden Stadtführer runzeln die Stirn. „Erst, wenn man selber über die Brücke radelt, kann man die Freiheit wirklich spüren“, sagt Leshem.

 

Die Radtouren sind ab Mai 2019 buchbar. Für eine Gruppe von zehn Personen kostet die Tagestour 700 Euro. Weitere Informationen unter: www.cycling-berlin-brandenburg.comsowie www.berlinexperiences.com.

Von Jerome Lombard

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