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Brandenburg Streit zwischen Volksinitiativen zum Insektenschutz
Brandenburg Streit zwischen Volksinitiativen zum Insektenschutz
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00:27 15.04.2019
Eine mit Pollen beladene Biene auf dem Weg zum Bienenstock (Symbolbild) Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa
Potsdam

Ab kommender Woche werden die Brandenburger bei gleich zwei Volksinitiativen zum Schutz von Insekten unterschreiben können. Am Freitag startete unter dem Titel „Mehr als nur ein Summen –Insekten schütze, Kulturlandschaft bewahren“ eine Unterschriftenaktion, die von 19 Verbänden, darunter der Landesbauernverband, der Landesjagdverband und der Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg, getragen wird.

Naturschutzverbände gegen Bauern

Am Montag wollen der BUND Brandenburg und der Nabu Brandenburg ihre eigenen Initiative vorstellen. Obwohl von den Zielsetzungen scheinbar gleich, fordert die Initiative der Naturschutzverbände andere, der ersten Initiative zum Teil widersprechende Maßnahmen ein. Während zum Beispiel Bauern und Jäger ein breites gesellschaftliches Gespräch und eine wissenschaftliche Untersuchungen zu den Auswirkungen einzelner Praktiken auf den Insektenbestand verlangen, wollen BUND und Nabu den Einsatz von Pestiziden sofort massiv reduzieren und die ökologische Landwirtschaft ausbauen.

Landesbauernpräsident Henrik Wendorff, Sprecher der am Freitag gestarteten Volksinitiative, sagt, „Verbote auf dem Rücken einiger weniger sind der falsche Weg“. Wendorff verweist stattdessen auf die sechs Hauptforderungen. Zu diesen gehört unter anderem die Einrichtung eines „Kulturlandschaftsbeirats“, wonach Vertreter der Land- und Forstwirtschaft, der Jäger, Imker, Kleingärtner und anderer das Parlament und die Regierung beraten sollten. Außerdem soll eine Koordinierungsstelle für Insektenforschung eingesetzt werden.

Praktische Ratschläge von Forschern

Unter Punkt vier fordert die Initiative zwar ebenfalls, den Einsatz von Pflanzenschutzmittel zu reduzieren. In der Erläuterung dazu heißt es aber, erst müsse durch ein „umfassendes Monitoring die Auswirkungen auf Insekten durch Pflanzenschutzmittel und Biozide unabhängig ermittelt werden“. Danach solle der Mitteleinsatz „schnellstmöglich sachgerecht“ verringert werden.

Landesbauernpräsident Wendorff erläutert, den Bauern sei klar, dass Insektizide manchmal auch Arten schwächten, „die wir nicht erreichen wollen“. Die notwendige landesweite Reduzierung der Mittel müsse aber wissenschaftlich begleitet werden. Würde man zum Beispiel versuchen, Rapsanbau ohne Pflanzenschutz zu betreiben, würde dieser „flächendeckend verschwinden“ und damit auch eine wichtige Nahrungsquelle der Honigbienen.

Der Präsident des Landesjagdverbands, Dirk-Henner Wellershoff, ergänzt, es gäbe bisher noch keine gesicherte Erkenntnis darüber, welche Pflanzenschutzmittel man ohne Risiken für bestimmte Arten ausbringen könne. Man erhoffe sich von wissenschaftlichen Untersuchungen, „klare Handlungsempfehlungen“.

BUND spricht von Vernebelungsaktion

Der Landesgeschäftsführer der BUND, Axel Kruschat, sieht in dieser Volksinitiative eine „Vernebelungsaktion“. Hauptursache des Insektensterbens sei die intensivierte Landwirtschaft mit ihrem starken Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Das gehe aus der Studie ehrenamtlicher Forscher des Entomologischen Vereins Krefeld in den aus Jahren 1989 bis 2014 klar hervor. Demnach ging in rund 30 Jahren etwa 75 Prozent der Biomasse der Insekten verloren. Auch die brandenburgische Landesregierung verweise in ihren Berichten auf die Intensivierung der Landwirtschaft als ein Grund für den Artenverlust.

Die Naturschutzverbände verlangen daher ein Verbot des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln und von mineralischem Dünger in Naturschutzgebieten. „Außerhalb der Naturschutzgebiete fordern wir die Ausweitung der ökologischen Landwirtschaft“, so Kruschat. Dort sei die gesamte Biodiversität nachweislich viel höher.

20.000 Unterschriften nötig

Eine Volksinitiative braucht 20.000 Unterschriften, damit der Landtag sich mit dem Anliegen auseinandersetzen muss. Die 19 Verbände der Initiative „Insekten schützen, Kulturlandschaft bewahren“ legen laut eigener Aussage nicht unbedingt Wert darauf, dieses Ziel noch vor der Landtagswahl im September zu erreichen. Wichtiger sei, um möglichst viele Stimmen zu werben.

Obwohl beide Initiativen die Honigbiene als Paradebeispiel für ihre Aktion nutzen, zählt diese eigentlich gar nicht zu den besonders bedrohten Arten. Ihr Bestand hängt eher von der Anzahl der Imker und deren Engagement ab. Zu den gefährdeten Arten zählen dagegen die Wildbienen. Von den über 550 in Deutschland beheimateten Wildbienenarten sind laut Roter Liste mittlerweile 31 vom Aussterben bedroht, 197 gefährdet.

Von Rüdiger Braun

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