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Barnim Taucher bergen massenweise Munition und Granaten aus Wandlitzsee
Lokales Barnim Taucher bergen massenweise Munition und Granaten aus Wandlitzsee
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11:36 22.04.2019
Michael Padel, Berufstaucher, hält einen Metalldetektor in seiner Hand, während er aus dem Wasser des Wandlitzsees schaut. Im Strandbad am Wandlitzsee beginnt die Badesaison in diesem Jahr später. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Wandlitz

Besonderer Frühjahrsputz im Wandlitzsee: Zwar holen auch hier Taucher jede Menge Müll und Schrott aus dem Wasser, in erster Linie haben sie es jedoch auf explosive Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkrieges abgesehen. Fast 100 Kilogramm Hand- und Gewehrgranaten, Patronen und Munitionsteile haben sie bereits geborgen. Ein 2600 Quadratmeter großer Abschnitt des Gewässers wurde dafür monatelang systematisch abgesucht.

Nun musste der Auftakt der Freibadsaison am 1. Mai auf unbestimmte Zeit verschoben werden, denn derzeit wird im Bereich des Strandbades weiter gesucht. Taucher nutzen die besseren Sichtbedingungen in der noch recht kühlen Jahreszeit. Auch der benachbarte Segelverein und ein Bootsverleiher sind von der Sperrung betroffen.

Am Wandlitzsee sind Taucher aktuell auf der Suche nach explosiven Munitionen aus dem zweiten Weltkrieg. Die Badesaison, die eigentlich am 1. Mai starten sollte, wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

„Darauf sind wir stolz“

Der mehr als zwei Quadratkilometer große See sei vor allem bei Berlinern sehr beliebt, erzählt die Wandlitzer Bürgermeisterin Jana Radant (parteilos). „Unser Strandbad entstand 1923 und ist auch heute noch sehr gepflegt. Darauf sind wir stolz.“ Immerhin entwickelte sich der Ort Wandlitz erst am Süd- und Ostufer in Verbindung mit dem See. Rund 3000 Tagesgäste werden laut Radant hier an Hochsommer-Tagen gezählt.

Seitdem jedoch ein Badegast im vergangenen Sommer beim Schnorcheln erstmals Munition auf dem Seegrund entdeckt hat, ist hier nichts mehr wie es war. „Es ist wie eine Kettenreaktion, wir arbeiten uns von einem Abschnitt zum nächsten“, sagt André Vogel vom Kampfmittelbeseitigungsdienst der Brandenburger Polizei.

Große Gefahr für Badende

Zunächst wird der Abschnitt mit Booten untersucht, die mit Magnetsensoren ausgestattet sind. Bei Auffälligkeiten kommen dann die Taucher zum Einsatz. Vogel zeigt auf eine Skizze des Sees, in dessen einzelnen Quadraten unzählige Fundstellen akribisch markiert sind. Jeder Bürgerhinweis werde ernst genommen. Es sei angesichts der Munitionsbelastung ein Wunder, dass Badenden noch nichts Schlimmes passiert sei, bemerkt Radant.

„So einer eher unscheinbaren Gewehrpanzergranate sieht man nicht an, ob sie bereits verschossen wurde oder nicht. Wenn die explodiert, dringt sie durch acht Zentimeter dicken Panzerstahl“, erklärt der erfahrene Munitionsfachmann. Die meisten Funde stammten bisher von der deutschen Wehrmacht, doch auch sowjetische Munition sei dabei.

Land übernimmt die Kosten

Im ersten Abschnitt mussten 20 Granaten direkt im See gesprengt werden, da sie aufgrund maroder Zünder ohne Explosionsrisiko nicht zu bergen waren. „Da hat tatsächlich das Rathaus gewackelt“, erzählt Radant, deren Verwaltungssitz direkt gegenüber dem Strandbad liegt.

Immerhin hat der ungewöhnliche Frühjahrsputz im Wandlitzsee trotz der abschnittsweisen Sperrungen auch der Uferpromenade ein Gutes: Die Anwohner müssen ihn nicht selbst säubern und die Kosten für die Munitionssuche bezahlt das Land, wie Vogel bestätigt. „Ohne diese Hilfe hätten wir den See wohl dauerhaft sperren müssen. Deshalb sind wir dem Land wirklich dankbar“, sagt die Bürgermeisterin.

Nach ihren Informationen hatten Anwohner nach dem Kriegsende 1945 massenweise Waffen, Munition und anderen Militärschrott in den See geworfen. Radant: „Augenzeugen berichteten von einem langen Steg in Höhe der heutigen Jugendherberge, von dem aus die gesammelten Hinterlassenschaften ins Wasser gekippt wurden.“

„Die Gegend war Rückzugsgebiet nach Kriegsende“

Was die Wandlitzer angesichts der Fülle an Kriegsfunden in ihrem See zum Staunen bringt, ist für die Munitionsberger indes nichts Neues. „Das ist für uns guter Durchschnitt. Die Gegend war Rückzugsgebiet nach Kriegsende - dort blieb meist mehr liegen als bei Kämpfen“, stellt Vogel fest.

Dass Waffen und Munition nach dem Zweiten Weltkrieg häufig einfach in Gewässern versenkt wurden, kennt er auch aus anderen Ecken Brandenburgs. „Ober- und Unter-Uckersee bei Prenzlau beispielsweise sind da genauso betroffen und belastet. Da sollen im Krieg ja sogar Flugzeuge hineingestürzt sein.“

Suche kann sich hinziehen

Wichtige Badestellen und Campingplätze an Seen habe der Kampfmittelbeseitigungsdienst schon in allen Brandenburger Landkreisen abgesucht, berichtet Vogel. In den 1990er Jahren, erinnert sich Bürgermeisterin Radant, sei im Bereich des Wandlitzer Strandbades schon einmal nach möglichem Kriegsschrott gesucht worden - wahrscheinlich aber nur im direkten Uferbereich.

Die Bürgermeisterin hofft, dass die Badesaison im Wandlitzsee nicht komplett ins Wasser fällt. „Die Leute lieben ihren See einfach.“ Doch bislang vermag niemand vom Kampfmittelbeseitigungsdienst abzuschätzen, wie lange sich Suche und Bergung noch hinziehen.

Von RND/dpa

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