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Lokales Dafür haben Brandenburger ihr Begrüßungsgeld ausgegeben
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10:41 06.11.2019

Dafür haben Brandenburger ihr Begrüßungsgeld ausgegeben

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Dirk Schroeder aus Potsdam: „Ich bin am 11. November zusammen mit meinem Freund René und dessen Oma über die Glienicker Brücke nach Westberlin, wollte mir das einfach mal anschauen. Ich habe mich riesig über die Zeitung gefreut, die gleich hinter der Grenze verteilt wurde. Erst unterwegs habe ich erfahren, dass es 100 D-Mark Begrüßungsgeld gibt. Das Geld habe ich fast komplett in einem Plattenladen in der Kantstraße ausgegeben, denn mein einziger Wunsch waren Schallplatten. Schon in diesem kleinen Geschäft war ich von dem Angebot völlig erschlagen. Fünf Alben habe ich gekauft, zwei von A-ha, zwei von Erasure, eine von OMD. Der Verkäufer konnte das überhaupt nicht verstehen: „Kauf doch lieber Seife oder was zu essen“, hat er gesagt. Eine Seife habe ich dann wirklich noch gekauft als Mitbringsel für meine Eltern. A-ha-Fan bin ich noch.“

Quelle: Friedrich Bungert

Kathrin Herbst aus Oranienburg: „Ich hatte mir das Geld in einer kleinen Sparkasse in der Nähe des Gripstheaters am Hansaplatz „erstanden“. Die Schlange war schon recht lang, wenn auch nicht zu vergleichen mit den Massenanstürmen am Zoo. Mit dem Geld in der Tasche bin ich dann durch die Straßen Westberlins gezogen - und habe an diesem Tag NICHTS gekauft. Das holte ich einige Tage später nach und erfüllte mir damit einen langgehegten Wunsch: Ich ging in einen großen Buchladen mit Fremdsprachenabteilung und kaufte mir für 24 D-Mark den Jones,ein English Pronouncing Dictionary. Dieses Wörterbuch der englischen Aussprache gab es nur in wenigen (z.T. uralten) Exemplaren an der Humboldt-Universität in der Ausleihe für den Lesesaal. Ich studierte damals dort im 4.Studienjahr (Diplomlehrer Deutsch/Englisch) und ärgerte mich immer, dass man das Buch, das man für so manche Hausaufgabe und Belegarbeit brauchte, nicht für zu Hause ausleihen durfte. Ging halt nicht bei einigen Hundert Studenten der Anglistik, die auf Zugriff an der Uni angewiesen waren und der kleinen Anzahl dort vorhandener Bücher. Da ich mich zum Lernen lieber in meine ruhige kohlebeheizte Einzimmerwohnung im Prenzlauer Berg zurückzog, war ich total glücklich, endlich mein eigenes (und noch dazu in damals aktueller Ausgabe!) zu besitzen. Es hat mir dann bis zu meinem Studienabschluss im Sommer 1991 und während meiner Lehrtätigkeit gute Dienste geleistet. Das Buch habe ich noch heute, es steht in meiner Bücherwand, wird noch ab und zu für private Zwecke zurate gezogen - und erinnert mich an eine schon recht lange zurückliegende Zeit. Den damaligen Preis, der mit Bleistift vorn reingeschrieben steht, habe ich nie ausradiert.“

Quelle: privat

Sven Wendt:: „Mit meiner Oma habe ich Gartenstühle in Wannsee gekauft und bis nach Potsdam getragen. Die Stühle gibt es heute noch.“

Quelle: privat
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