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Lokales Landtagswahl 2014: Wahlplakate-Check
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09:05 30.08.2014

Landtagswahl 2014: Wahlplakate-Check

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An den Wahlplakaten zur Brandenburger Landtagswahl am 14. September kommt derzeit niemand vorbei. Die Botschaft der Poster wichtiger politischer Vertreter Brandenburgs hat ein Experte für die MAZ analysiert.

CDU

Schon Goethe wusste: "Blau ist ein Schleier des Schwarzen." Ultimativ konservativ, steht Blau für Sauberkeit, Seriosität, Sicherheit. Werber empfehlen es für Putzmittel und Versicherungen. Zeigt ein Wahlplakat ein blaues Kandidatenhemd und blaue Uniformen, kann man sich den Text sparen. Der Wähler weiß, was kommt: Polizeipräsenz sichern, Durchgreifen gegen Kriminelle. Das sakkolose Arbeitsgespräch auf der Straße ist ein Standardmotiv. Spitzenkandidat Schierack ist ganz bei der Sache, besorgt, kritisch, energisch. Die schließende Geste flach zusammengelegter, vorstoßender Hände drangsaliert den Schutzmann fast. Die erste CDU-Plakatwelle zeigte Bürger und ihre Probleme, die zweite nun Schierack und Lösungsparolen "X statt Y" im blauen Balken. Die arg kleine Sprechblase verspricht nicht mehr, sondern nur nicht weniger Polizei. Oben rechts will die CDU „Brandenburg. Besser. Machen.“ Die trendigen Trennpunkte trimmen das Motto auf zackig. Die Union hat allerdings auch ein Plakat in simpler Schreibweise: "Brandenburg besser machen." Das Motto ist gut recycelte Unionsware. Christian Wulff plakatierte bereits 2003: "Wir machen Niedersachsen. Besser."

SPD

Der müde Bürger, der den Wahltag verschläft, ist der größte Feind der Sozialdemokratie. Penetrant stempelt die SPD auf jedes Plakat das Datum. Sie personalisiert am stärksten. Auf den Gruppenfotos der ersten Plakatstaffel stand der Hüne Woidke wie ein Turm inmitten der Bürger. Jetzt zoomt die Kamera ganz nah auf Gesicht und Hände. Nicht wirklich schön, aber eindrucksvoll. Die Hände sind sehr wichtig. Es geht ja ums "Anpacken". Behaart und kräftig beadert, zählen die Hände auf: erstens, zweitens, drittens. Sie gehören dem Mann, der die Prioritäten kennt. "Mann mit einem Plan" ist ein uraltes Wahlrezept. Statt Sympathie pur soll der Macherbonus wirken. Nur präsidiales Lächeln in Landesvaterpose würde dem Märker bei Woidke (noch) nicht reichen. Der spröde "Dr. Sachlich" ist kein warmer Menschenfischer, da kann er über noch so viele Strohballenfeste tingeln. Die leicht klinische Rot-Weiß-Ästhetik zitiert die Landesfarben und verstärkt die Botschaft. Rot für Kraft, Weiß für Sachlichkeit. Hohen Wiedererkennungswert liefert der rote Rahmen. Damit und den fetten Lettern erinnert das Plakat an die Titelseite eines Magazins: Interview mit dem Chef.

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