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Brandenburg/Havel Nach Unfall querschnittsgelähmt: 17-Jähriger macht sein Abi vom Krankenhaus aus
Lokales Brandenburg/Havel Nach Unfall querschnittsgelähmt: 17-Jähriger macht sein Abi vom Krankenhaus aus
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11:43 26.12.2019
Henrik mit seinem Vater Benjamin Schmidt in seinem Zimmer des Unfallkrankenhauses in Berlin-Marzahn. Seit dem Unfall vor einem halben Jahr sitzt der heute 17-Jährige im Rollstuhl. Quelle: Marion von Imhoff
Berlin/ Brandenburg/H

Der 14. Juni 2019 ist der Tag gewesen, an dem sich für Henrik Schmidt das Leben auf den Kopf stellte. Er fuhr an jenem Sommertag kurz vor den Ferien morgens mit seinem Motorrad von seinem Elternhaus in Roskow zum von Saldern-Gymnasium in Brandenburg. Doch auf dem Weg verunglückte der damals 16-Jährige in der Krakauer Landstraße schwer.Aus nie zu klärenden Gründen verlor der Schüler die Kontrolle über sein Motorrad und krachte gegen einen Baum.

Der Gymnasiast, der keine Erinnerungen an den Unfall hat, erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Seitdem ist Henrik Schmidt ab dem fünften Brustwirbel querschnittsgelähmt, mit jenem Unfall änderte sich alles. Nur eines nicht: Im Frühjahr macht der Einserschüler Abitur. Es ist ein Wunder, denn Henrik Schmidt liegt nach wie vor im Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn.

Dass er von dort im Unterrichtsstoff auf dem Laufenden bleibt und sogar Klausuren absolvieren kann, liegt am großen Engagement der 12. Jahrgangsstufe und der Lehrer. Und an Henrik selbst, der mit unglaublichem Willen sein Schicksal meistert.

Hilfe war keine Frage

„Es war für uns alle selbstverständlich, ihn zu unterstützen“, sagt Henriks Tutor Ulli Hadrath. „Henrik ist ein beeindruckender junger Mensch.“ Auch die Inklusionsbeauftragte des Gymnasiums, Kathrin Kaznierczak, hilft Henrik nach all ihren Kräften.

Die Mitschüler schicken Henrik ihre Unterrichtsmitschriften, die ausgeteilten Arbeitsblätter, informieren ihn über den Prüfungsstoff. Immer wieder besuchen Freude und Lehrer Henrik im Krankenhaus. Dass hilft ihm, neuen Lebensmut zu fassen. „Es sind bestimmt 20, die mich direkt unterstützen. Aber eigentlich ist es der gesamte Jahrgang“, berichtet der Schüler.

Rettungshubschrauber angefordert

Wie es zu dem Unfall kam, ist völlig unklar. Ein Zeuge berichtete, dass der Schüler ohne erkennbaren Grund von der Straße abkam. „Wir werden nicht mehr herausfinden, was da los war“, sagt Benjamin Schmidt. „Vielleicht blendete ihn die Sonne, vielleicht hatte er spontanes Nasenbluten, das hatte er schon vorher oft gehabt.“

Der Unfallort am 14. Juni 2019 in der Krakauer Landstraße in Brandenburg. Am Baum lehnt Henrik Schmidts stark beschädigtes Motorrad. Quelle: Meetingpoint

Zunächst kam Henrik in die Notaufnahme des Städtischen Klinikums. Binnen Minuten wurde entschieden, den Rettungshubschrauber anzufordern. Der flog den Jugendlichen ins Unfallkrankenhaus.

Lebensgefährliche Verletzungen

Henrik erlitt eine Schädelbasisfraktur, Gehirnblutung und Mittelgesichtsbrüche. Dazu eine Quetschung des Rückenmarks und eine Verschiebung der Wirbel. Die Ärzte versetzten den Jugendlichen für sieben Wochen ins künstliche Koma. Seine Eltern wechselten sich ab und waren rund um die Uhr bei ihrem Sohn. Ärzte und Eltern hegten schlimmste Befürchtungen, dass Hirnschäden bleiben könnten. Doch bis auf den Hörverlust eines Ohres ist nichts zurückgeblieben. Auch die Arme kann Henrik noch bewegen. „Das ist die große Erleichterung. Es hätte deutlich schlimmer ausgehen können“, sagt der Vater.

Das Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn, ein Rettungshubschrauber ist im Anflug. Quelle: Marion von Imhoff

Der Angestellte der Bayer Pharma AG kann durch verständnisvolle Vorgesetzte auch vom Krankenhaus aus arbeiten. Auch ein halbes Jahr nach dem Unfall sind so die Eltern im Wechsel täglich bei ihrem Sohn. Der sagt: „Meine Eltern haben mich immer aus meinem Selbstmitleid rausgeholt. Ich kann mir nicht vorstellen, wie weit ich jetzt wäre, wenn ich nicht diese tagtägliche Unterstützung hätte.“

Henrik Schmidt ist 1,90 Meter groß, wog früher 90 Kilo. 20 Kilo Gewicht hat er verloren. Voraussichtlich muss er noch bis März im Unfallkrankenhaus bleiben. Er liegt in einem Isolierzimmer, weil er sich einen multiresistenten Keim eingefangen hat. Wer Henrik besucht, muss einen Schutzanzug und Handschuhe tragen.

Riesige Anteilnahme an der Schule

Am Saldern-Gymnasium ist die Anteilnahme riesig: „Es ist erstaunlich, wie Henrik damit umgeht mit dem, was er durchmachen muss“, sagt der 18-jährige Niklas Nimmich. Er ist mit Henrik befreundet und hilft ihm ebenso wie die gleichaltrige Jolanthe Wisch. „Für mich ist Henning, das ist sein Spitzname, einfach nur bewundernswert. Ich versuche, ihn in allen Punkten zu unterstützen, und wünsche nur das Beste für ihn“, sagt sie.

Die Lehrer können Henrik Schmidt Hausunterricht im Krankenhaus geben. Das Staatliche Schulamt hat das ermöglicht. Gut anderthalb bis zwei Stunden je nach Verkehrslage dauert die Fahrt von Brandenburg zum Unfallkrankenhaus. Die Aufgaben kriegt Henrik via Internet.

Mündliche Tests in Roskow

Zwei mündliche Tests konnte Henrik auch zu Hause ablegen, dafür besuchten ihn dort seine Französisch- und seine Englischlehrerin. Alle 14 Tage darf er für ein Wochenende nach Hause. Auch Weihnachten feiert er mit seinen Eltern und seinem Bruder zu Hause in Roskow. Die Kosten für den behindertengerechten Umbau des Elternhauses finanziert die Unfallkasse. Denn der Unfall ereignete sich auf dem Schulweg, so ist nicht die Kranken-, sondern die Unfallkasse zuständig. Und auch dort ist die Hilfsbereitschaft groß.

Für all den Beistand dankt die Familie sehr und ist froh, dass Henrik, der nach dem Abitur Informatik oder Psychologie studieren möchte, wieder Zuversicht gewonnen hat.

Eine Psychologin sagte den Eltern: „Vergleichen Sie die Situation nicht mit der Zeit vor dem Unfall, sondern mit dem ersten Tag danach.“ Das habe ihnen sehr geholfen. „So gesehen haben wir schon einen unglaublich erfolgreichen Weg hinter uns gebracht“, sagt Benjamin Schmidt.

Von Marion von Imhoff

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