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Brandenburg/Havel 60 000 Mal Kinderpornografie: Drei Jahre Haft
Lokales Brandenburg/Havel 60 000 Mal Kinderpornografie: Drei Jahre Haft
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06:51 03.05.2018
Im Fall von Jens H. geht es nicht um Puppen, sondern um verbotene Bilder und Filme, in denen Kindern schlimme Dinge angetan werden. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Brandenburg an der Havel

Der sexuell und geistig gestörte Jens H. (52) aus Brandenburg an der Havel hat zwischen 2010 und 2013 Unmengen kinderpornografischer Fotos besessen und viele dieser Bilddateien an andere pädophile Männer weitergeschickt. Die 9. Strafkammer des Landgerichts Potsdam bestätigt nun das Urteils des Amtsgerichts Brandenburg; drei Jahre Gefängnis. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht.

Der in Hamburg geborene Jens H. lebte auf dem Görden und war eine Zeit lang Nachbar von Jens L. (49) – dem Mann der sich vor knapp fünf Jahren öffentlich dazu bekannt hat, pädophil zu sein und kleinen Kindern nachzustellen. Der Fall dieses HIV-positiven, inzwischen verurteilten Mannes hatte seinerzeit viele Eltern und Kinder in Brandenburg/Havel und Umgebung stark verunsichert, zumal er einem damals vier Jahre alten Brandenburger Jungen tatsächlich nahe gekommen war.

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Nachbar des Angeklagten gab öffentlich zu, Kindern nachzustellen

Jens L. hatte es seinerzeit nicht nur auf Kinder aus der näheren und weiteren Umgebung abgesehen, sondern war auch empfänglich für kinderpornografische Bilder und Filme, deren Besitz und Weitergabe gesetzlich verboten ist. Sein Lieferant solcher verbotenen Darstellungen war Nachbar Jens H.

Der Brandenburger war im Zuge länderübergreifender Fahndung zu einem Kinderpornografie-Ring aufgeflogen, weil er sich diese furchtbaren Fotos beschafft und auch an andere weitergegeben hat. Der 52-Jährige ist das, was man oft als verkorkste Existenz bezeichnet: alkoholkrank, in der Folge hirngeschädigt, verwahrlost, arbeitslos, kriminell. Dabei hatte er es vor 30 Jahren geschafft, sein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen.

Das Landgericht Kiel hat Jens H. im November 2005 zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, weil er in mehreren Fällen Kinder sexuell missbraucht und kinderpornografische Darstellungen verbreitet hatte. Diese Strafe hatte Jens H. verbüßt, als er nach Brandenburg/Havel zog und dort erneut straffällig wurde.

Der Angeklagte legte ein Geständnis ab

Als die Polizei Computer, Festplatten und andere Datenträger von Jens H. durchsuchten, stießen sie auf rund 60 000 kinderpornografische Bilder und Videos, die er seinem Nachbarn zur Verfügung gestellt hatte. Zu seinen Abnehmern gehörten noch weitere Männer.

Vor gut einem Jahr im Brandenburger Amtsgericht äußerte sich der Angeklagte geständig. Er räumte seine Neigung zur Pädophilie ein. Im früheren Maßregelvollzug habe er gelernt, keine Kinder mehr anzufassen. Für sich habe er entschieden, „nur“ noch Bilder anzuschauen, um sich sexuell zu erregen.

Zur Berufungsverhandlung im Landgericht Potsdam ist Jens H. nicht erschienen. Er ließ über einen Bekannten ausrichten, dass er sich wegen psychischer Auffälligkeiten in die Psychiatrie in Lübben begeben habe.

Zur Berufungsverhandlung nicht erschienen

Der vorsitzende Richter Axel Gerlach hat die Berufung von Jens H. verworfen, dessen Wahlverteidigerin ihr Mandat kurzfristig niedergelegt hat. Der Brandenburger muss also für drei Gefängnis, falls er nicht glaubhaft nachweisen kann, dass er seinen Prozess unverschuldet versäumt hat. Gelingt ihm das, wird die Verhandlung nachgeholt.

Von Jürgen Lauterbach

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