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Brandenburg/Havel 80 Prozent der Zugvögel schaffen die Rückkehr nicht
Lokales Brandenburg/Havel 80 Prozent der Zugvögel schaffen die Rückkehr nicht
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00:19 20.08.2017
Der Vogelzug der Störche ist schon in vollem Gange. Quelle: dpa
Mittelmark

Während wir Menschen noch auf den wahren Sommer warten, ist er für die Zugvögel schon gelaufen. Derzeit sammeln sich hunderttausende von Schwalben, Störchen, Kranichen, Mauerseglern, Kiebitzen und Feldlerchen und vielen anderen Zugvögeln, um sich auf den Weg gen Süden zu machen. Gertfred Sohns, Vorstandsmitglied im Nabu-Regionalverband Brandenburg an der Havel, verfolgt bereits das Schauspiel. „Die Schwalben sammeln sich auf Hausdächern und dort, wo es sie noch gibt, auf Freileitungen. Ende August fliegen sie dann als Trupp los gen Süden.“

Grausamer Tod: Ein Rotkehlchen, das auf Zypern in einem Netz gefangen wurde. Quelle: Birdlife Cyprus

Auch der „Storchenzug ist bereits in vollem Gange. Er beginnt im August und endet Anfang September“, sagt Vogelexperte Michael Kaatz von der Vogelschutzwarte Storchenhof Loburg. Andere Vögel machten sich schon im Juli auf die Reise, „während Ringeltauben erst im Oktober oder gar November starten“, so Kaatz.

Als einer der Gründe für den Zeitpunkt nennt Gertfred Sohns das Nahrungsangebot. „Die Insektenfresser sind immer zuerst weg. Wenn die Fluginsekten abnehmen, ziehen die Mauersegler ab.“ Bemerkenswert ist dabei, dass die Vögel nicht in einem Zug über die Alpen fliegen. „Meist findet der Vogelzug in Etappen statt.“ Immer wieder sammeln sich die Vögel dabei mit weiteren Artgenossen.

Löffelenten beginnen ihren Flug ins Winterquartier erst spät im Herbst. Quelle: Thomas Krumenacker

Es ist ein harter Weg, ungewiss ist die Rückkehr. Mit den meisten der Zugvögel meint es das Schicksal nicht gut. „80 Prozent der Singvögel sterben weg“, sagt Gertfred Sohns. „Sie gehen kaputt oder werden weggefressen. All das sorgt dafür, dass die Bestände nicht in die Höhe schnellen.“ Die Tiere sterben an Erschöpfung, widrigen Witterungsbedingungen, etwa wenn sie in einen Hagelschlag kommen. Bei solchen Wetterereignissen sterben hunderte, oft sogar tausende Vögel. Die Hagelkörner bringen den Tieren Prellungen und Knochenbrüche bei und sorgen für eine massive Unterkühlung. Für die oft nur wenige Gramm schweren Vögel sind sie eine große Gefahr.

Rauchschwalben, hier zwei Jungvögel aus Potsdam-Mittelmark, sammeln sich jetzt ebenfalls, um gen Süden zu fliegen. Dieses Foto machte der Vorsitzende des Nabu-Regionalverbandes Brandenburg an der Havel Bodo Rudolph. Quelle: Bodo Rudolph

„Andere Vögel landen in südlichen Ländern oder in Nordafrika im Topf“, auch daran erinnert Sohns. Berüchtigt etwa sind die Netze, Fallen und Schlingen in Italien, die seit 1993 nach der EU-Vogelschutzrichtlinie verboten sind. Der Naturschutzbund Nabu geht von Millionen getöteter Zugvögel jedes Jahr aus. Auch Ägypten ist dafür bekannt. Die gefiederten Tiere gelten dort als Delikatesse. Dompfaff, Bergfink und die Amsel sind davon ebenso betroffen wie die Singdrossel.

Stare vor dem Abflug gen Süden. Quelle: dpa-Zentralbild

Auch die Zugvögel aus der Region Brandenburg und Potsdam-Mittelmark bevorzugen drei Zugrouten. Eine südwestliche verläuft über Frankreich, Spanien und Gibraltar nach Afrika. Die zweite führt die Zugvögel über die italienische Insel Sizilien nach Afrika. Das ist die Südroute und schließlich die südöstliche über Griechenland und die Türkei Richtung Afrika, die die Alpen umgeht.

Doch nicht nur die Hitze Afrikas lockt die Tiere. Einige so genannte Kurzstreckenzieher aus Brandenburg begnügen sich schon mit einer Überwinterung in Spanien, so wie immer mehr Stare. „Dort, wo sie noch Heidelbeeren oder Weintrauben finden, bleiben sie dann“, weiß Sohns. Auch die Rheingegend, ja schon das östliche Nordrhein-Westfalen gilt einigen der Zugvögel als ausreichend mild in den Wintermonaten.

Gerdfred Sohns ist Vorstandsmitglied im Nabu-Regionalverband Brandenburg und war der langjährige Leiter der mittlerweile geschlossenen Staatlichen Vogelschutzwarte des Landes Brandenburg in Schenkenberg. Quelle: Marion von Imhoff

Etwa 70 Prozent der Vogelarten weichen im Winter in mildere Gefilde aus. Andere Vögel aus dem Baltikum, so hat der Nabu herausgefunden, „überwintern bei uns in Brandenburg“. Und dann sagt Sohns einen Satz, der all das zusammenfasst und fast lyrisch klinkt: „Vögel sind immer auf Reisen.“ Nur wenn die Mauser, also der Wechsel des Federkleides anstehe, seien sie notgedrungen daran gehindert.

Tausende Kilometer legen Zugvögel zurück

Ein bekannter Zugvogel ist der Weißstorch, der jährlich bis zu 20 000 Kilometer zurücklegt, um das Winterquartier in Afrika zu erreichen. Er gehört damit zu den Langstreckenziehern. Die Rauchschwalbe zieht es nach Mittel- und Südafrika, Indien und in den Iran. Auch der Kuckuck verbringt den Winter ebenfalls in Afrika. Den Rekord stellte ein Sturmtaucher auf mit 65 000 Kilometern.

Zugvögel wie Mauersegler oder Singschwäne sind schon in 8000 Meter Höhe gesichtet worden. Störche fliegen bis zu 5000 Meter hoch.

Grund für die langen Reisen sind das Nahrungsangebot in den Brutgebieten. Die Veranlagung zum Vogelzug ist genetisch verankert.

Für eine Bilanz des Vogeljahres in Potsdam-Mittelmark sei es zu früh, sagt der Nabu-Experte. Eines aber stehe fest, und das klingt dann gar nicht mehr nach Lyrik: „Bei dem Dauerregen in diesem Sommer sind viele kaputt gegangen.“ Um die Storchenpopulation mache er sich indes keine ganz große Sorgen. Die Tiere werden etwa 20 Jahre alt: „Wenn es ein, zwei Jahre keine Bruterfolge gebe, dann kommt ein gutes Jahr, wo Storchenpaare drei, vier Jungen aufziehen.“ Bei den Singvögeln sehe das anders aus: „Da kann ein Jahr, bei dem viele wegsterben, schon katastrophal sein.“ Als Beispiel nennt Sohns die Feldlerche. Die werde nur anderthalb, zwei Jahre alt und schafft dann nur eine bis zwei Bruten.

Von Marion von Imhoff

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