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Brandenburg/Havel Kündigung nach 40 Jahren: 80-jähriger Mieter soll ausziehen
Lokales Brandenburg/Havel Kündigung nach 40 Jahren: 80-jähriger Mieter soll ausziehen
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13:41 12.08.2019
Ein Stein des Anstoßes ist dieser Parkplatz, den der Mieter nach Auffassung des Vermieters widerrechtlich nutzt. Quelle: Jürgen Lauterbach
Brandenburg/H

Streitigkeiten zwischen Mieter und Vermieter sind nicht ungewöhnlich. Doch die Auseinandersetzung zwischen einem 80 Jahre alten Brandenburger und dem neuen Hauseigentümer übersteigt das gewohnte Maß.

Der Mieter lebt schon seit 1976 in seiner Wohnung in der Brandenburger Innenstadt. Schon vor dem Vollzug des Eigentümerwechsels zum 1. Juli 2019 hatte er die erste Abmahnung und wenige Tage die erste Kündigung auf dem Tisch.

Mieter-Anwältin prüft strafrechtliche Relevanz

Inzwischen hat der Brandenburger Rentner nicht nur einen Mietrechtsanwalt beauftragt, sondern nach etlichen Schreiben des Vermieters auch eine Strafrechtlerin.

„Mein Mandant ist zwar schon ein paar Tage älter, aber das bedeutet nicht, dass er sich alles gefallen lässt“, sagt Bettina Holstein, Fachanwältin für Strafrecht. „Daher hat er mich gebeten zu prüfen, ob das Verhalten der Gegenseite strafrechtliche Relevanz hat.“

Beruhigungspillen und ärztliche Behandlung

„Das ist richtiger Psychoterror, was der hier betreibt“, versichert Torsten Nachtigall, der Sohn des betroffenen Mieters. Sein Vater sei mit den Nerven fertig nach den vielen Briefen, die per Einschreiben an ihn geschickt würden.

Der fast 81 Jahre alte Mann sei deshalb in ärztlicher Behandlung und könne sich nur mit Tabletten beruhigen, berichtet Torsten Nachtigall. Der Vater lebe seit 1976 in dem Mehrfamilienhaus, das einmal Bahneigentum gewesen sei. Das lebenslange Mietrecht seiner Eltern sei beurkundet.

Mit der Vorbesitzerin hat es nach Auskunft des Sohnes keine Probleme gegeben. Sie hat die drei Mietshäuser inzwischen jedoch verkauft. Seit Ende Juni sei die Wohnungsverwaltung Tobias Hasselmann aus Berlin der Vermieter.

Erst Grillfest, dann Abmahnung

Zunächst scheint noch alles gut. Der neue Eigentümer lädt alle Mieter zu einem kleinen Grillfest am 29. Juni ein, um „die Bedenken über die neuen Ansprechpartner zu entkräften und ein zwischenmenschliches Miteinander aufzubauen“.

Doch noch am Tag des Grillfestes setzt der Vermieter schon die „ 1. offizielle Abmahnung Mietschulden“ auf. Darin geht es laut Vermieter um einen offenen Differenzbetrag in Höhe von 47,43 Euro“ und die Nutzung eines „vertragsfreien“ Pkw-Stellplatzes.

Weitere Schreiben folgen in recht kurzen Abständen. Der Vermieter wirft dem Rentner vor, auf „Vermieterflächen“ zu parken, den Garten unerlaubt zu nutzen, einen Mitarbeiter angeschrien zu haben und eigenmächtig Baumaßnahmen durchführen zu lassen.

Mietverhältnis „endgültig zerrüttet“

Am 6. Juli kündigt der neue Eigentümer erstmals fristlos das Mietverhältnis und begründet dass damit, dass das Mietverhältnis durch das „vorsätzliche Fehlverhalten“ des Mieters als „endgültig zerrüttet anzusehen ist“.

Vier Tage später folgt die 2. Abmahnung, erneut geht es um die Stellplatznutzung. Tobias Hasselmann verbindet diese Abmahnung mit der Aufforderung. „Denken sie aufgrund Ihrer vielen Verstöße über einen kurzfristigen Auszug nach!“

Zwei Tage später untersagt der Vermieter dem Rentner „Baumaßnahmen auf meinem Grundstück“, bescheinigt ihm „vorsätzliches und boshaftes Verhalten gegen mich“ und kündigt diesmal „fristlos zum 31.7.2019“.

Zweimal „3. offizielle Abmahnung

Die „3. offizielle Abmahnung“ erreicht den Mieter nur einen Tag später, diesmal verbunden mit der „Ankündigung Wohnraumkündigung wegen fortgesetztem Fehlverhalten und Sachbeschädigung“. Der Brief schließt mit der Aufforderung, der Mieter möge wegen seiner vielen Verstöße über einen kurzfristigen Auszug nachdenken.

Am 20. Juli schließlich kommt zum zweiten Mal eine „3. offizielle Abmahnung“. Der Grund: Der Mieter habe sein Fahrrad behindernd auf dem Bereich der Pkw-Stellflächen abgestellt. Von nun an läuft die Korrespondenz über den Mietrechtsanwalt des Rentners.

„Erstunken und erlogen“, so nennt Torsten Nachtigall die Vorwürfe des Vermieters gegen seinen Vater. Eine Erklärung dafür habe er nicht, der Vermieter habe nie das Gespräch mit seinem Vater gesucht. Die Absprachen mit der Voreigentümerin habe der Nachfolger einfach für „null und nichtig“ erklärt.

„Eine Akte voll mit Mieterbeschwerden“

Die MAZ hat kurz mit der Vorbesitzerin gesprochen, die keine Vorwürfe über den in Frage stehenden Mieter erhebt. Das tut allerdings Tobias Hasselmann. Er wirft dem Senior vor, nie das Gespräch gesucht zu haben, sondern „sofort in Kampfstellung gegangen“ zu sein.

„Ich habe eine Akte voll mit Mieterbeschwerden über ihn“, berichtet der Eigentümer. Dieser Mieter habe „systematisch Fehlverhalten an den Tag gelegt“. Wie er seinen Mitarbeiter „aggressiv angegangen habe und als König der Welt gegen alle vorgeht“, habe er genauestens dokumentiert.

Tobias Hasselmann sagt, er könne alles mit Zeugen und Unterlagen belegen, und bietet an, die Unterlagen einzusehen. „Ich bin kein Arschloch, das nur nach Geld geht“, versichert der Eigentümer der drei Mietshäuser und verweist darauf, dass er landesweit 40 Flüchtlingsfamilien in seinen Häusern aufgenommen habe. „Aber ich lasse mir nicht blöde kommen.“ Das Boshafte und Hinterhältige könne er sich nicht erklären.

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Von Jürgen Lauterbach

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