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Brandenburg/Havel Abgesagtes Sinfonie-Konzert: 15.000 Euro für die Katz
Lokales Brandenburg/Havel Abgesagtes Sinfonie-Konzert: 15.000 Euro für die Katz
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16:42 26.09.2019
Dieser Zettel gab Anweisungen für die Mitarbeiter der Theaterkasse. Und ist schlicht gelogen... Quelle: privat
Brandenburg/H

„Wir Brandenburger Musiker schämen uns für die Art und Weise dieser Absage und den würdelosen Umgang Ihnen gegenüber“, schreiben Chefdirigent Peter Gülke und der Orchestervorstand der Brandenburger Symphoniker in einem Brief an den Frankfurter GMD Jörg-Peter Weigle und die Musiker des Staatsorchesters.

Die Musiker hätten erst am vergangenen Sonnabend aus der MAZ erfahren, dass das tags darauf geplante Konzert ihrer Kollegen vom Brandenburgischen Staatsorchesters in der Katharinenkirche „von dem Leitungsgremium des BT, unter Leitung der Geschäftsführerin Frau Flieger, kurzfristig abgesagt wurde“.

Sinfoniekonzert Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt in der Kulturkirche Neuruppin. Quelle: Peter Geisler

Das Brandenburger Theater (BT) ist Veranstalter des Konzertes und ist laut Theaterverbundvertrag zur Abnahme und Organisation der Aufführungen der Verbundpartner verpflichtet. Als Partner hatte das BT dafür die Katharinenkirche als Aufführungsort gebunden.

Diese „Absage ist in keinster Weise mit dem Orchester, dem Orchestervorstand oder dem Chefdirigenten abgestimmt worden“, heißt es weiter. Überdies lässt Gülke seinen Kollegen Jörg-Peter Weigle wissen, dass er trotz der „außerordentlich peinlichen Vorgänge“ darauf hoffe, mit ihm zu einem Gespräch zu finden, das „einer besseren Zusammenarbeit zwischen unseren Orchestern dienen sollte.“

Alle gesund und machen Musik!

Wie die MAZ berichtete, hatte tags zuvor – also am 20. September – die Theaterleitung der Theaterkasse mitgeteilt, dass das Konzert mit fest 100 Musikern und fast ebensovielen Chorsängern aus Frankfurt und Polen am Sonntag ausfalle, angeblich, weil es in Frankfurt einen Krankheitsausfall gäbe. Ein Anruf der MAZ in Frankfurt ergab: Das stimmte gar nicht, dort wurde das Programm Freitag aufgeführt.

Christine Flieger ist die Geschäftsführerin des Brandenburger Theaters. Quelle: Rüdiger Böhme

Wie jetzt Nachfragen bei der Theater-Geschäftsführerin Christine Flieger ergaben, war im Theater schon deutlich früher klar, dass man das Konzert absagen würde, weil man kaum Werbung gemacht hatte, keine Karten verkauft waren und der Bestand an eigener Veranstaltungstechnik für das Großprojekt nicht ausreiche, wie es bei der BT-Leitungssitzung am 12. September hieß.

Verstimmte Kirchenmusiker

Die Konzertabsage hatte man dem Brandenburger Pfarrer Jens Meiburg und dem Kirchenmusiker Fred Litwinski dann am Freitag, 13. September, lapidar über das künstlerische Betriebsbüro mitteilen lassen. Nur 48 Stunden zuvor hatte das Theater die MAZ gebeten, das Konzert erneut anzukündigen. Die Absage wurde dann aber verschwiegen, so dass die Ankündigung erschien, als die Absage längst feststand.

Peter Gülke , Chefdirigent der Brandenburger Symphoniker, war nicht eingeweiht in die Pläne zur Absage, hat sich aber dennoch bei seinen Kollegen für die "Peinlichkeit entschuldigt.“. Quelle: Rüdiger Böhme

Die lapidare Absage-Mail durch einen Theatermitarbeiter hat in der Kirche für erhebliche Verärgerung gesorgt. Denn natürlich war das Projekt von Seiten der Kirche vorbereitet. Aber „Es sind keine Kosten entstanden. Es wurde vereinbart, dass die Katharinenkirchgemeinde prozentual (50 Prozent) an den Einnahmen beteiligt wird. Da keine Einnahmen erzielt wurden, gab es auch keine Einnahmeteilung“, meint Flieger.

Das macht die Kirche allein besser

Die Kirchengemeinde, die ähnliche Projekte sonst allein stemmt, dann die Werbung und den Kartenverkauf organisiert, wäre in einem ähnlichen Fall finanziell schwer in die Bredouille geraten. Das Theater kann das offenbar wegstecken. „Ein Gastspiel des Staatsorchesters Frankfurt/Oder (BSOF) kostet 15 000 Euro“, teilt Flieger mit. Und: „Es sind durch die Absage keine weiteren Kosten entstanden. Fremdpersonal für Technik wurde im Vorfeld nicht verpflichtet.“

Die Frage, warum die BT-Sprecherin und die Theaterkasse die Absage mit Krankheitsfällen in Frankfurt begründen, beantwortet die Chefin schriftlich so: „Wir bedauern, dass die Konzertabsage innerhalb des Hauses nicht richtig kommuniziert wurde und es aus diesem Grunde zu dieser missverständlichen Aussage kommen konnte.“

Doppeltes Spiel?

Zumindest Zweifel an der Richtigkeit der Aussage legt ein Schreiben nahe, das der Theaterkasse gegeben wurde (siehe Foto), und dessen Verfasser sich sicher durch die Handschrift finden lassen wird. Die Botschaft: „Fällt aus wegen Krankheit! Ansage von Frau Flieger“. Offen ist, ob letzteres stimmt oder ob man die insgesamt mit den Vorgängen am BT unerfahrene Flieger bewusst ins offene Messer laufen lässt.

Es ist im Übrigen nicht die erste Konzertabsage. Bereits Anfang März war ein Konzert zur Frauenwoche in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung geplant gewesen. „Auf Grund der zeitweisen Vakanz der Stelle Orchesterdirektion kam es zu Brüchen in der Bearbeitung. Daher konnte diese Zusammenarbeit vom Fachbereich III und BT nicht im wünschenswerten Umfang fortgeführt werden und so sahen wir uns gezwungen, dieses Konzert auf Grund von geringem Publikumsinteresse abzusagen“, schreibt Flieger.

Bei Orchesterchef Peter Gülke klingt das ganz anders: „Dank einer beweisbaren Schluderei in der Stadtverwaltung ist das Konzert am 7. März ausgefallen und unser Etat mit einer Summe belastet worden, die angesichts der geringen Kammermusik-Honorare für zwei Abende ausgereicht hätte; von fälligen Regresspflichten indes wurde abgesehen. Die Herrschaften bei guter Laune zu halten war wichtiger als unsere Kammermusik.“

Von Benno Rougk

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