Ärzte und Apotheker gesucht: CDU will 50.000 Euro Prämie für Ansiedlung in Potsdam-Mittelmark zahlen
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Brandenburg/Havel 50.000 Euro Prämie für Ärzte und Apotheker: So will die CDU Ansiedlungen in Potsdam-Mittelmark fördern
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Ärzte und Apotheker gesucht: CDU will 50.000 Euro Prämie für Ansiedlung in Potsdam-Mittelmark zahlen

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17:47 31.10.2021
Ärzte sind auf dem Land knapp. Dieses Beispielbild zeigt einen Landarzt im Einsatz. Das CDU-Kreistagsmitglied Ronald Melchert stellte den Antrag auf ein Förderprogramm im Sozialausschuss vor.
Ärzte sind auf dem Land knapp. Dieses Beispielbild zeigt einen Landarzt im Einsatz. Das CDU-Kreistagsmitglied Ronald Melchert stellte den Antrag auf ein Förderprogramm im Sozialausschuss vor. Quelle: Armin Weigel/DPA
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Bad Belzig

Wie können Ärzte und Apotheker aufs Land gelockt werden? Mediziner und Pharmazeuten sollen künftig eine Prämie bekommen, wenn sie sich in Potsdam-Mittelmark niederlassen. Bis zu 50.000 Euro sollen die Neuankömmlinge als Anreiz für ihre Ansiedlung erhalten.

Das fordert die CDU-Fraktion im Kreistag. Sie möchte den Landrat beauftragen, ein solches Förderprogramm auf den Weg zu bringen und hat dazu einen Antrag an den Kreistag eingebracht.

„Wir haben uns gedacht, mit einem finanziellen Anreiz könnte es gelingen, mehr Ärzte und Apotheker dazu zu bringen, sich im ländlichen Raum von Potsdam-Mittelmark niederzulassen“, sagte Ronald Melchert (CDU) zur Begründung des Anliegens.

„Es ist nämlich nicht ganz ohne, einen Nachfolger für die Praxen und Apotheken auf dem Lande zu finden, deshalb wollen wir diese Prämie schaffen“, erklärte er in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses des Kreistages am Donnerstabend in Bad Belzig.

Prämie für Ansiedlung oder Neugründung in Potsdam-Mittelmark

Laut Antrag der CDU soll Landrat Wolfgang Blasig (SPD) bis zum 15. Januar kommenden Jahres das Förderprogramm auf den Weg bringen. Es sieht nach den Vorstellungen der Christdemokraten fünf Förderungen pro Jahr vor. Bis zu 50.000 Euro soll demnach ein Arzt oder Apotheker für das Übernehmen einer Praxis oder Apotheke erhalten. Für Neugründungen gilt das Gleiche.

Die Empfänger dürfen laut CDU-Vorschlag die Prämie behalten, wenn sie mindestens fünf Jahre vor Ort geblieben sind. „Die Tätigkeit kann auch nach Absprache in Teilzeit mit entsprechender Verlängerung des Verpflichtungszeitraumes erbracht werden“, erklärt der Fraktionsvorsitzende Martin Szymczak in dem vom ihm unterzeichneten Papier. „Wird die Tätigkeit innerhalb der fünf Jahre eingestellt, erfolgt eine Rückzahlung pro rata“, heißt es weiter.

Mit dem Programm sollen vor allem die strukturärmeren Regionen in Potsdam-Mittelmark gestärkt werden. Der Speckgürtel ist dafür nicht vorgesehen. „Die Förderung sollte sich auf die unterversorgten Fachrichtungen und Gebiete fokussieren“, empfiehlt Martin Szymczak. Der Topf soll insgesamt 250.000 Euro beinhalten.

Geteiltes Echo im Sozialausschuss auf Vorstoß der CDU-Fraktion

Die Idee einer Ansiedlungsprämie für Ärzte und Apotheker in Potsdam-Mittelmark stieß im Sozialausschuss auf ein geteiltes Echo.

„Wir sind als Kreis dafür nicht zuständig, ich finde das Anliegen aber sehr gut“, sagte etwa Ulrike Wunderlich von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Dass der Antrag nun ausgerechnet von einer Fraktion komme, die die Kreisumlage senken wolle, finde sie indessen schwierig, erklärte sie.

Berthold Satzky ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Fraktion im Kreistag von Potsdam-Mittelmark. Quelle: Rüdiger Böhme

Berthold Satzky (SPD) sagte, er habe kein Verständnis für diesen Antrag. „Angesichts des Schrumpfens des Kreisentwicklungsbudgets kann ich es nicht nachvollziehen, dass man hier diesen Vorschlag macht“, so der Volksvertreter.

Unterstützung für den Vorschlag der CDU-Fraktion gab es von Reinhard Keding (FDP/BiK-BiT/IGH). „Ich kann nur befürworten, dass dieser Antrag bewilligt wird“, sagte er. „Ich komme selber vom Land und weiß, wie schwer es ist, dort einen Arzt zu finden.“ Viele Menschen müssten weite Wege auf sich nehmen, um zu einem Mediziner oder in eine Apotheke zu gelangen.

Claudia Eller-Funke (SPD) ist die Vorsitzende des Sozialausschusses des Kreistages von Potsdam-Mittelmark. Quelle: Rüdiger Böhme

Die Ausschussvorsitzende Claudia Eller-Funke (SPD) zeigte sich überrascht von der Idee der Ansiedlungsprämie und äußerte Skepsis. „Das ist für mich kein schlüssiges Konzept“, erklärte sie. „Wen wollen Sie denn genau fördern und wen nicht“, fragte sie in Richtung der Christdemokraten.

„Es ist besonders schwierig, Allgemeinmediziner zu bekommen“, erklärte Ronald Melchert. „Die kommen trotz einer Ausschreibung oft nicht.“ Denen gelten zum Beispiel diese vorgeschlagene Prämie.

In Potsdam-Mittelmark fehlen in vielen Regionen Ärzte und Apotheker

Mirna Richel (CDU) verteidigte den Antrag ihrer Fraktion. „Das ist eine klassische Handhabe für die Politik und eine ordnungspolitische Maßnahme“, erklärte sie. „Ich finde, wir müssen den ländlichen Raum unterstützen.“

Das formulieren die Christdemokraten auch in ihrem Antrag. „Der Wettbewerb um angehende Ärzte und Apotheker, die für eine Tätigkeit im ländlichen Raum gewonnen werden sollen, ist in vollem Gange“, schreiben sie.

Und sie warnen: „Die mangelnde Zahl und Dichte von Hausärzten beziehungsweise Apothekern im ländlichen Raum wird sich in den kommenden Jahren durch die altersbedingte Aufgabe noch weiter verschärfen.“ Ziel müsse daher die Sicherstellung einer flächendeckenden und wohnortnahen medizinischen Versorgung in guter Qualität sein, heißt es in dem Beschlussvorschlag.

Kreistag von Potsdam-Mittelmark entscheidet im Dezember über den Antrag

Im Sozialausschuss fiel der Antrag am Donnerstabend durch. Er scheiterte denkbar knapp mit drei zu drei Stimmen. Wolfgang Kroll (BVB Freie Wähle-FBB) hatte sich enthalten. Am 11. November diskutieren die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses über das Papier und am 25. November die des Kreisausschusses. Der Kreistag soll in seiner nächsten Sitzung am 9. Dezember darüber endgültig abstimmen.

Von Hermann M. Schröder