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Brandenburg/Havel Alicia (5) hilft ihrem krebskranken Vater
Lokales Brandenburg/Havel Alicia (5) hilft ihrem krebskranken Vater
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19:06 15.12.2018
Mario Hesse und Tochter Alicia gehen gern aufs Eis. Der Vater hofft, dass sein Kind bis zum Ende der Saison richtig Schlittschuhlaufen kann.
Mario Hesse und Tochter Alicia gehen gern aufs Eis. Der Vater hofft, dass sein Kind bis zum Ende der Saison richtig Schlittschuhlaufen kann. Quelle: Jürgen Lauterbach
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Brandenburg/H

Die fünfjährige Alicia gibt ihrem Vater viel Mut und Kraft, die er eigentlich gar nicht hat. Denn Mario Hesse (49) aus Brandenburg/Havel ist schwer krebskrank.

Vor einem Jahr bewegte das Schicksal der Sterntaler-Familie viele MAZ-Leser. Wir berichteten damals über Mario Hesse und seine zwei Jahre jüngere Ehefrau Annette Pöter. Vier Jahre zuvor hatten beide Ehepartner innerhalb weniger Tage die Diagnose Krebs bekommen.

Viele Operationen, Chemotherapien und Bestrahlungen folgten, doch der Krebs war bei beiden so weit fortgeschritten, dass die Prognose ungünstig blieb. Ein trauriges Jahr ist seither vergangen. Im März ist Annette Pöter an ihrer schweren Krankheit daheim auf der Scholle gestorben. „Ich bin bis zum letzten Atemzug bei ihr gewesen“, erzählt der hinterbliebene Ehemann.

Abschied von der Ehefrau und Mutter

Obwohl selbst schwer krank, hat Mario Hesse seine Frau in den letzten Lebenswochen begleiten können, in denen sie ihre heftigen Schmerzen nur mit starken Medikamenten ertragen konnte.

„Sie hat meine Nähe gespürt“, versichert der Brandenburger. Weggeben wollte er seine Frau nicht, sondern so intensiv um sie kümmern wie möglich und ihr das Sterben in den eigenen vier Wänden ermöglichen.

Dem Familienvater selbst geht es weiterhin nicht gut und die Prognose hat sich nach seinen Angaben auch nicht verbessert – eher im Gegenteil. Vor zwei Monaten unterzog er sich seiner inzwischen sechsten Operation. Hinzu kommt wieder eine Chemotherapie.

Dennoch kann sich Mario Hesse die allermeiste Zeit um seine kleine Tochter kümmern und Glück erleben. Alicia, die ihre Mutter verloren hat, lebte bis zum Sommer in einer Pflegefamilie. Im August kehrte das Mädchen in sein Elternhaus zurück.

Mario Hesse mit Tochter Alicia, der Jacqueline Lukas gerade die Haare schön gemacht hat. Quelle: Ansgar Nehls

Wenn Mario Hesse ins Krankenhaus gehen muss, kümmern sich seine erwachsene Tochter, deren Mutter Jacqueline Lukas oder andere liebe Menschen um die Kleine. Der Haushalt läuft, die Großmutter erledigt die Wäsche, der Vater kocht für sich und seine Kleine.

Dass der Vater in Gegenwart seines Kindes aufblüht, wäre vielleicht zu viel gesagt. Aber Alicia gibt ihm so viel, heitert ihn in ihrer lebhaften Art immer wieder auf. „Manchmal denke ich, ich bin gar nicht krank“, erzählt Mario Hesse.

Wenn möglich, unternehmen Alicia und er viel draußen. Aktuell laufen die beiden, so oft es geht, Schlittschuh auf dem Neustädtischen Markt. Als Gewerbevereinschef Michael Kilian von für die tapferen Gäste auf der Eisfläche erfährt, besorgt er flugs ein Päckchen Freikarten für die nächsten Tage.

Die Kälte ist zwar nichts für einen kranken Mann, doch Mario Hesse kennt ein Rezept. „Ich ziehe mich sehr warm an und genieße diese Stunden mit meiner Tochter“, sagt er. Nur zu Hause sitzen und Fernsehgucken, das fänden Vater und Tochter auf Dauer langweilig. Alicia macht Fortschritte auf den Kufen und wird sich bestimmt schon bald fast unfallfrei auf der Eisfläche bewegen.

Manchmal ist es schwer

„Manchmal ist es schwer und anstrengend“, gibt der Brandenburger zu. „Aber ich glaube, ich brauche auch eine Aufgabe.“

Der Mann, dem man seine Krankheit nicht ansieht, lässt seinen Kopf schon wegen Alicia nicht hängen. In den Sommermonaten hat er Sommer sogar den kleinen Garten in Ordnung gehalten. Schwerere Arbeiten, die er nicht schafft, übernehmen andere.

Alicia ist in diesem Jahr zwar kein MAZ-Sterntalerkind. Dennoch könnte es gelingen, ihr einen vom vergangenen Weihnachten übrig gebliebenen Wunsch zu erfüllen.

Der Wunsch zu reiten

Im zurückliegenden Jahr wäre das Mädchen zwar gern einmal auf einem Pferd geritten oder hätte vielleicht sogar eine Reitstunden genommen. Es hatten sich auch MAZ-Leserinnen gemeldet und ihre Unterstützung angeboten.

Doch im zurückliegenden Jahr ist zu viel passiert, ließ die familiäre Situation solche Pläne nicht zu. Vielleicht findet sich aber erneut jemand, der das Mädchen im Frühjahr oder Sommer mit zum Reiten nehmen könnte.

Von Jürgen Lauterbach

14.12.2018
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