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Brandenburg/Havel Als Brandenburgs Stahlwerk verkauft wurde
Lokales Brandenburg/Havel Als Brandenburgs Stahlwerk verkauft wurde
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15:08 23.11.2018
Unsichere Zeiten: Großkundgebung der Stahlwerker in Brandenburg im November 1991. In dieser Zeit verhandelte die Treuhandanstalt mit verschiedenen Investoren. Quelle: Foto: Bruno Wernitz
Brandenburg/H

Der Aktenberg, den die ehemalige Treuhandanstalt bei der Privatisierung der DDR-Betriebe hinterlassen hat, ist riesig. Wer alle Ordner mit den unzähligen Dokumenten nebeneinanderstellt und an ihnen entlangläuft, legt eine Strecke von mehr als 35 Kilometern zurück. Das ist weiter als von Brandenburg an der Havel bis nach Rathenow.

Wolf-Rüdiger Knoll arbeitet sich gerade durch diese Aktenkilometer. Als Teil eines zehnköpfigen Teams erforscht der Historiker und Doktorand am Institut für Zeitgeschichte die Privatisierung der Brandenburger Stahlwerke nach der Wende. Bei seinem Vortrag am Donnerstagabend im Industriemuseum erzählte er dann auch, wie schwierig und mühselig mitunter die Erforschung dieser Akten ist, die vom Bundesarchiv gerade erst erschlossen werden.

Treuhand suchte Käufer für fünf Stahlwerke in Brandenburg

Denn erst nach und nach werden die Akten eingepflegt. Doch nach und nach wird so auch das Bild immer klarer, wie es damals ablief, Anfang der 1990er Jahre, als die Treuhand Käufer für die fünf großen Stahlwerke im Land Brandenburg suchte – und es für zahlreiche Arbeiter keine Stellen mehr gab.

Knolls wichtigste Aussage dabei lautet sicherlich, dass die Privatisierung der Werke in Brandenburg an der Havel, Oranienburg, Finow, Henningsdorf und Eisenhüttenstadt nicht pauschalisiert werden kann. Jedes Werk hatte unterschiedliche Voraussetzungen, war in unterschiedlich gutem Zustand – und so sollte auch die jeweilige Abwicklung der Verkäufe durch die Treuhand immer getrennt voneinander betrachtet werden, so Knoll.

Berufliche Heimat für tausende Menschen, größter Arbeitgeber der Stadt: Das Stahlwerk in Brandenburg hat besonders rund um die Wende und die Investorensuche der Treuhand turbulente Zeiten erlebt.

Bieterwettstreit zwischen Riva und westdeutschem Konsortium

Für Brandenburg an der Havel zeichnete Knoll dabei den Bieterwettstreit um den hiesigen Stahlstandort nach, in dem die westdeutschen Stahlriesen um Krupp, Thyssen und die Badischen Stahlwerke lange auf Zeit spielten. Erst als die italienische Riva-Gruppe ein Angebot auf den Tisch legte, zog auch ein westdeutsches Konsortium nach. Knoll vermutet dabei, dass das ursprüngliche Angebot Rivas an die deutschen Unternehmen durchgestochen worden sei.

Beim letzendlichen Verkauf, sagt Knoll, spielten dann vor allem drei Faktoren eine Rolle bei der Entscheidung der Treuhand: die angenommene zukünftige Produktionsmenge an Stahl, die Investition in den Standort – und die vor allem langfristige Übernahme von Arbeitsplätzen.

Treuhand musste italienisches Angebot annehmen

In allen drei Kategorien sei das Angebot des italienischen Familienunternehmens der Konkurrenz dabei überlegen gewesen. Vor allem die versprochenen 1800 langfristig zu erhaltenen Arbeitsplätze hätten über den angebotenen 1600 Stellen des deutschen Konsortiums gelegen. Deswegen habe der Verwaltungsrat der Treuhand gar keine andere Möglichkeit gehabt, als das italienische Angebot anzunehmen.

Der in der Stadt durchaus herrschenden Skepsis gegenüber dem ausländischen Investor sei man sich dabei sehr wohl bewusst gewesen, sagt Knoll. Aber, und hier zitierte der Historiker immer wieder aus den durchgearbeiteten Akten, hieß es in der Treuhand auf oberster Ebene: „Wenn das Vertrauen in die Treuhand nicht verspielt werden soll, dann muss an Riva verkauft werden“.

Heute existieren von fünf Stahlwerken noch drei

Heute, so schloss Knoll seinen Vortrag, existieren von fünf ehemaligen Stahlwerken in Brandenburg noch drei – allerdings mit deutlich geringerer Belegschaft. Von einem „Plattmachen“ der des hiesigen Wirtschaftszweigs würde er aber trotzdem nicht sprechen. Aus der Brandenburger Stahlindustrie sei nur mittlerweile eine Stahlindustrie in Brandenburg geworden.

Von Ansgar Nehls

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