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Brandenburg/Havel Was vom Tage übrig blieb: So hat Brandenburg an der Havel gewählt
Lokales Brandenburg/Havel Was vom Tage übrig blieb: So hat Brandenburg an der Havel gewählt
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18:37 02.09.2019
Die Landtagswahl 2019 ist vorbei, die Wahlplakate haben ihren Dienst getan, langsam kehrt Ruhe ein. Der Umgang mit den Plakaten war ziemlich schäbig. Sowohl AfD als auch Freien Wähler beklagten den rüden Umgang mit den Plakaten, die oft nur wenige Stunden hingen. Quelle: Benno Rougk
Brandenburg/H

„Wir können wieder Wahlen gewinnen“, jubelt SPD-Chef Werner Jumpertz als feststeht, dass die SPD stärkste Partei im Land bleibt. Glücklich schließt er „die Britta“ in den Arm. Kornmessers Wahl werde der SPD vor Ort neuen Schwung geben, glaubt Jumpertz.

Britta Kornmesser hat das Direktmandat (25,5 Prozent) in direkter Nachfolge von Ralf Holzschuher gewonnen. Axel Brösicke war ihr auf den Fersen, doch mit 20,6 Prozent ist der Abstand deutlich. Unter „ferner liefen“ kommen Jean Schaffer (CDU,18,4), Andreas Kutsche (Linke, 12,8), René Blumenthal (Grüne, 10,5), Norbert Langerwisch (FW,8,6) und Marc Puhlmann (FDP, 3,6) an.

Die Wahlplakate haben ihren Dienst getan. Gut gelaunt und durchaus vertraut: Britta Kornmesser und Gerd Glaser. Quelle: privat

Kornmesser dankt ihrem Team und versichert, dass es wieder Spaß mache, für und mit der Partei zu arbeiten, nachdem sich die SPD von Fesseln befreit habe und an einem Strang ziehe. Sie hat ein erstes Ziel, dass sie für die Stadt erreichen will. „Die Berufsschullehrerausbildung soll nach Brandenburg“, sagt sie der MAZ.

Ebenso wie Lehrer anderer Schulformen, fehlen Berufsschulpädagogen. Mit der Staatskanzlei sei sie im Gespräch, wie es gelingen könne, eine akademische Ausbildungsstätte und damit Arbeitsplätze und Studenten anzusiedeln. Der erste Pflock, an dem sie gemessen werden will, ist eingeschlagen.

Ein ironischer Dank an den SKB und dessen Redakteur Gerd Glaser

Dem gut gelaunten Anhang, präsentiert sie die nächste Überraschung: „Wenn er hier wäre, würde ich mich beim Redakteur des SKB Gerd Glaser von dem Sender bedanken, von dem wir alle wissen, wem er gehört.“ Fragezeichen in den Gesichtern.

Der Redakteur habe sie über Monate mit – aus ihrer Sicht – ungerechtfertigter Kritik überzogen, habe sie in die Nähe von Straftaten gerückt, noch Stunden vor der Wahl habe er den Eindruck erweckt, Geld für ihren Wahlkampf und ihre angeblich „photogeschopten“ Wahlplakate könnten aus vermeintlich dubiosen Quellen stammen.

Die Vaut-Affäre hat Kornmesser nicht geschadet

In der Tat war Kornmesser immer wieder im Zusammenhang mit dem Hochstapler und Betrüger Simon Vaut genannt und diskreditiert worden, der die SPD bei der Europawahl genarrt und ausschließlich der SPD geschadet hatte. Kornmesse: „Aber die Kampagne hat viele mobilisiert, mich zu wählen.“

Das glaubt Gerd Glaser nicht. Wie er sagt, sei nichts falsch an der Berichterstattung. Wenn Kornmesser das wolle, könne sie sich bedanken, das habe die Grüne Martina Marx auch schon getan. Persönlich habe er auch nichts gegen Britta Kornmesser.

Schaffer schafft’s – nicht

Unter den Mitgliedern des CDU-Kreisvorstandes, die eine Wechselstimmung im Land und in der Stadt ausgemacht haben wollten, war am Montag telefonisch niemand zu erreichen. Was nicht verwundert. Dem Motto „Schaffer schafft’s“ konnte man schließlich Sonntag ein „wieder nicht!“ anfügen. Mit ihm gewinnt die CDU bisher keine Wahlen. Zwei Mal kam er nur mit den Stimmen anderer in die SVV.

Zwei Mal war er nun auch im als Direktkandidat erfolglos. In der dürren Pressemeldung heißt es „das Ergebnis der Landtagswahl ist für uns als CDU Brandenburg unbefriedigend.“ Eine Ursachenforschung ob des miesen Ergebnisses blieb aus, einzig ein Hauch von Selbstkritik klingt durch, wenn Dietlind Tiemann und Schaffer schreiben: „Neben allen Themen zählt vor allem der persönliche Kontakt zu den Menschen und das nicht nur vier Wochen vor der Wahl.“

Schlechtes Abschneiden bei Kommunalwahl als Vorzeichen

Wie es aus dem Umfeld der CDU-Führung heißt, „war seit Schaffers schlechtem Abschneiden bei der Kommunalwahl klar, dass das nichts wird.“ In den Vorwochen sparte Tiemann nicht mit harscher Kritik an der SPD. Im Mittelpunkt stand wiederholt die SPD-Bildungsministerin Britta Ernst. Wie weiter?

Für Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU) ist klar: „Jetzt bloß keine Personaldiskussionen in der CDU“. Er hat gestern einen Brief an den Landesvorstand mit unterzeichnet, in dem dieser aufgefordert wird, den Parteichef Ingo Senftleben zu stützen und selbstbewusst in die Sondierungen mit der SPD zur Bildung einer Regierung zu gehen.

Spekulationen um Tiemanns Interesse an Ministerposten

Ob Tiemann Interesse an einem Ministerposten habe? Das könne er nicht sagen, sagt Scheller. Als der Havelstädter CDU-Kreisvorsitzende Wolfgang Fürniß 2002 wegen dubioser Kreditgeschäfte als Minister in Potsdam zurücktreten musste, hatte Dietlind Tiemann ihre Bereitschaft erklärt, ihn zu ersetzen. Ob sie heute noch Interesse hätte, Bundestag mit Ministerium zu tauschen, die Frage konnte am Montag nicht gestellt werden.

Stolz ist AfD-Kreischef Ulf Insel. Die AfD habe gezeigt, dass sie in der Lage sei, die CDU abzulösen. „Wir sind verwurzelt, machen unseren Job und sind anerkannt. Für Axel Brösicke freut mich das gute Ergebnis.“ Kornmesser halte man für fähig, etwas für die Stadt zu erreichen und „es macht mich schon stolz, wie weit Schwergewichte wie Schaffer, Andreas Kutsche und Norbert Langerwisch hinter mir geblieben sind“, so Brösicke.

Andreas Kutsche (Die Linke) ist verärgert

Andreas Kutsche verbirgt seinen Ärger nicht: „Das ist ein ganz mieses Ergebnis. Sowohl was die Partei als auch was mich betrifft.“ Er sei enttäuscht, und rät den Linken, den Weg in die Opposition anzutreten und sich zu erneuern. „Regierungsbeteiligungen haben den Linken noch nie etwas gebracht“, sagt er.

Beim Freien Wähler Norbert Langerwisch ist die Stimmung ambivalent. Dass es die FW in den Landtag mit Fraktionsstärke geschafft habe „macht mich stolz.“ Ohne Landtag wäre es schwer gewesen die Motivation der Basis zu erhalten. Sein einstelliges Ergebnis macht ihn unglücklich.

Langerwisch gibt sich zerknirscht

Den Ärger, dass er nicht einmal ein Drittel der Stimmen seiner Gegnerin Britta Kornmesser hat, nagt sichtlich an ihm: „Wählerbeschimpfung bringt nichts. Ich hätte es Schaffer gewünscht, wenn es bei mir nicht klappt.“ Beide teilen nun den Makel, bei Direktwahlen nicht gewinnen zu können. Das gilt für den Landtag aber bei Langerwisch auch für verlorene OB-Wahlen.

Das Problem haben die Grünen nicht. Deren Fraktionschef Klaus Hoffmann ist zufrieden, „auch wenn wir ein paar Prozent mehr erwartet und erhofft hatten.“ Der Umstand, dass sich viele junge Leute zu den Grünen bekennen, lässt ihn hoffen.

Herbert Nowotny, FDP-Urgestein, kann seine Missmut nicht verbergen. Trotz des teuersten Wahlkampfes, den die Liberalen je im Land machten und guten Wahlkampfauftritten von Christian Lindner und Linda Teuteburg blieb die FDP deutlich unter Erwartungen.

Von Benno Rougk

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