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Brandenburg/Havel Andrea Voßhoff beendet Bundestagskarriere
Lokales Brandenburg/Havel Andrea Voßhoff beendet Bundestagskarriere
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12:12 24.09.2013
Schluss nach 15 Jahren im Parlament. Quelle: Pressefoto
Rathenow

Wer die Internetseite von Andrea Voßhoff anklickt, der ahnt nichts von der beruflichen Tragödie, die sich am Sonntagabend abgespielt hat. Auf der Seite gibt es jede Menge Impressionen aus ihrem politischen Berliner Leben. Unter News etwa geht es im aktuellen Vermerk um eine Gesetzesinitiative gegen unseriöse Geschäftspraktiken, die Voßhoff initiiert hat. Man sieht ein Porträt Voßhoffs und darüber ein großes Foto des Reichstagsgebäudes. "Andrea Voßhoff. Mitglied des Deutschen Bundestages" lautet der Schriftzug.

Der stimmt nicht mehr. Seit Sonntagabend ist klar, dass die 55-jährige Rathenowerin dem Parlament künftig nicht mehr angehören wird. Nach 15 Jahren im Deutschen Bundestag ist Schluss. Und man macht sich nicht der Übertreibung verdächtig, wenn man sagt, dass dieses vorläufige Ende einer politischen Karriere ein ausgesprochen tragisches ist.

Besonders tragisch am Fall Voßhoff ist, dass ihr nur ein paar hundert Stimmen fehlten, um den Wahlkreis 60 selber zu gewinnen und direkt in den Bundestag einzuziehen. So viele Stimmen wie am Samstag hat sie in noch keinem ihrer Bundestagswahlkämpfe geholt. Mickrige 0,3 Prozent lag sie am Ende hinter dem SPD-Schwergewicht Frank-Walter Steinmeier, der als großer Favorit in das Rennen um das Mandat gegangen war. Doch am Ende hat es eben nicht gereicht.

Andrea Voßhoff machte gestern aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl. Aber als tragische Figur sehe sie sich nicht, sagte sie im Gespräch mit der MAZ. So sei Demokratie. "Es gibt kein Dauerabo auf ein Mandat." Bei noch keiner Wahl habe sie ein so gutes Ergebnis erzielt. Darauf sei sie stolz, das könne ihr keiner verwehren. Aber am Ende hätten eben ein paar hundert Stimmen zum Wiedereinzug gefehlt. So könne es gehen.

Voßhoff sagte, sie fühle sich mit Mitte 50 zu jung für den Ruhestand. "Es gibt noch viele Herausforderungen." Welche sie annehmen werde, das könne sie jetzt noch nicht sagen. "Ich habe jungen Kollegen immer geraten, sich von der Politik nicht abhängig zu machen, sondern einen Beruf zu erlernen, den man jederzeit wieder ergreifen kann", sagte die Juristin. "Und das gilt natürlich auch für mich."

Gestern war sie noch voll drin, im politischen Geschäft. Nicht in dem glanzvollen, aufregenden Teil der Abgeordnetenarbeit, dem Debattieren, Argumentieren und Repräsentieren. Nein, gestern stand Alltag auf dem Programm: Plakate abhängen. Mit einem Mitarbeiter tourte sie durch den Wahlkreis, um ihre Konterfeis, an denen so viele Hoffnungen gehangen haben, wieder einzusammeln. Nicht nur ihre Hoffnungen, sondern auch die ihrer Freunde, Unterstützer und Sympathisanten.

Der Rathenower Bürgermeister Ronald Seeger ist einer von denen, die Voßhoff schon seit Anbeginn ihrer politischen Karriere kennen. Am Sonntagabend, als die ersten Hochrechnungen über den Bildschirm flimmerten, gehörte Seeger zu den ersten, die Andrea Voßhoff anriefen, um ihr zu gratulieren. Geradezu euphorisch war Seeger am Telefon. Da ahnte er freilich noch nicht, dass der christdemokratische Erfolg im Land Brandenburg seine Parteifreundin von der bundespolitischen Bildfläche wegspülen würde. Bei all dem Jubel über das tolle CDU-Ergebnis mache ihn die Sache Voßhoff traurig, so Seeger. "Wir waren immer sehr nah zusammen in den 15 Jahren unserer politischen Tätigkeit", sagte er. Immer habe Andrea Voßhoff ein offenes Ohr für die kommunalen Probleme gehabt und sie habe, wo möglich, das ein oder andere Anliegen mit nach Berlin genommen. Das habe nun ein Ende.

Ein Ende hat nun auch die Arbeit der Mitarbeiter, die Andrea Voßhoff bei der parlamentarischen Tätigkeit in Berlin und im Wahlkreis unterstützt haben. Mitte Oktober muss das Büro im Bundestag geräumt sein, um Platz zu schaffen für die Abgeordneten der neuen Legislaturperiode. Die Arbeitsverträge für die Mitarbeiter Voßhoffs, fünf an der Zahl, laufen Ende Oktober automatisch aus. Der Rathenower Andreas Gensicke hat Andrea Voßhoff 14 Jahre lang als Büromitarbeiter begleitet. "Eine schöne Zeit", sagt er. Aber jede schöne Zeit gehe irgendwann mal vorbei. "Wir sind alles gestandene Leute", sagt Gensicke tapfer. "Uns wirft so schnell nichts um."

Mehr zur Wahl unter www.MAZ-online.de/wahl2013.

Von Markus Kniebeler

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