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Brandenburg/Havel Andreas Bernig geht in seinen letzten Wahlkampf
Lokales Brandenburg/Havel Andreas Bernig geht in seinen letzten Wahlkampf
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06:02 29.07.2019
Andreas Bernig an seinem Lieblingsplatz in seinem Garten in Göhlsdorf. Quelle: JACQUELINE STEINER
Göhlsdorf

Andreas Bernig, seit 14 Jahren Abgeordneter im brandenburgischen Landtag, will es ein letztes Mal wissen. In seinem erklärtermaßen letzten Wahlkampf um ein Landtagsmandat ist er der Spitzenkandidat der Linken im Wahlkreis 16. Der 62-jährige Göhlsdorfer kann eine ansehnliche Liste politischer Ämter vorweisen. Er ist seit 2013 Mitglied im Kreistag Potsdam-Mittelmark und seit 2003 Gemeindevertreter in Kloster Lehnin. In der Landtagsfraktion der Linken ist er Sprecher für Arbeitsmarktpolitik und Gewerkschaften. Und trotz aller dieser Ämter rechnet er sich wenig Chancen aus, über das Direktmandat bei den Wahlen am 1. September in den Landtag einzuziehen. Sein Listenplatz 20 gilt ihm als nicht sehr vielversprechend.

Bei den Landtagswahlen 2009 belegte er noch Listenplatz 10. Zu verdanken hätte er das der Hochzeit seiner Tochter, berichtet der Vater dreier erwachsener Kinder. Da eilte er von der Trauung im Frack zu der Vertreterversammlung, bekam emotionalen Applaus und eine vielversprechende Ausgangsposition für ein Landtagsmandat. Doch dieses Mal gab es keine Trauung in der Familie Bernig. Auch Bernig selbst zieht es nach vier Eheschließungen nicht wieder vor den Traualtar. „Ich bin nicht stolz darauf, dass ich vier Mal geheiratet habe. Aber jetzt bin ich angekommen.“

Scharfe Kritik an AfD

Bernig wurde 2005 mit dem Einzug in den Landtag als Nachrücker für Dagmar Enkelmann, die in den Bundestag ging, auch Sprecher für ein Tolerantes Brandenburg. Dass die AfD mit dem Schlagwort „Wende“ Wahlkampf betreibe, hält Bernig für fatal: „Wir hatten die Wende, da frage ich die AfD, wollt ihr zur Diktatur zurück, und zwar die vor 1945?“

„Die AfD ist nationalistisch, fremdenfeindlich und rassistisch. Das ist ihr ideologischer Hintergrund und der führt in die Katastrophe. Da muss man die Menschen fragen, wollt ihr das?“ Bernig beruft sich auf das Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Es gilt für jeden Deutschen, für jeden ausländischen Bürger, für jeden Strafgefangenen. Das ist manchmal schwer zu vermitteln.“

Gegen Windkraft-Riesen

Arbeitsmarktpolitik, Europapolitik, Kampf gegen Rechts, „das ist eine große Bandbreite, wo ich meine Erfahrungen gerne weiter einbringen würde.“ Und konkret: Windkrafträder im Wald? „Ich bin für ein Verharren, ein Moratorium und gegen Windkrafträder von 240 Meter Höhe.“

Bernigs Hauptziel? „Ich stehe zu meinem Slogan. Gute Arbeit und öffentliche Sicherheit.“ Auf Gewerkschaften müsse mehr gehört werden. Bernig war bis 2018 Vize-Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei und Mitglied im Deutschen Gewerkschaftsbund Bezirksvorstand Berlin-Brandenburg. „Fachkräfte sichern im Öffentlichen Dienst“, ist Bernig wichtig. „Wir stehen im zweiten Drittel in der Besoldungstabelle der Bundesrepublik.“ Besoldung müsse bundeseinheitlich sein, fordert Bernig. „Die Länder überbieten sich gegenseitig, um die Leute halten zu können. Das ist ein Unding.“

Für Vergabemindestlohn von 13 Euro

Einkommensunterschiede Ost-West müssten abgebaut werden, der Vergabemindestlohn von 10,50 Euro die Stunde auf 13 Euro steigen, für die 30.000 Langzeitarbeitslosen ein öffentlicher Beschäftigungssektor geschaffen werden. Es gehe um Integration ins öffentliche Leben.

Dass mit der geplanten Kreisgebietsreform größte Projekt von Rot-Rot krachend untergegangen ist, findet Bernig bedauerlich. „Ich halte eine Kreisgebietsreform für erforderlich. Es wurde einfach richtig falsch angegangen. Potsdam-Mittelmark mit 203.000 Einwohnern und die Prignitz mit 70.000e haben die gleichen Aufgaben.“ Jetzt müssten die Kommunen und Kreise miteinander kooperieren, gemeinsame Meldeämter, gemeinsame Standesämter. Ein Neustart? „Nein, das Klima ist hin. Ein Neustart sei erst möglich, wenn eine Leidensgrenze erreicht sei, „wenn alle einsehen, so können wir nicht weitermachen“.

Für Rot-Rot-Grün

Als Mitglied im Europa-Ausschuss will Bernig „den Gedanken Europa hochhalten und endlich zu einer sozialen Säule kommen“. Ein europaweit geltender Mindestlohn und eine europäische Arbeitslosenversicherung müssten kommen. „Das muss auch vom Land aus gefördert werden.“

Eine Regierungskoalition Rot-Rot-Grün „dafür würde ich kämpfen. Ansonsten ist es gut, in die Opposition zu gehen. Auf keinen Fall mit der AfD. Und mit der CDU? „Kann ich mir schwer vorstellen, wobei ich auch Erfahrungen aus der Kommunalpolitik habe, wo solche Parteigrenzen zwischen Linken, SPD, Freien Wählern und CDU weniger eine Rolle spielen. Aber auf Landesebene wird es so nicht funktionieren.“

Stramme DDR-Karriere

Bernig ist in Rostock geboren. Er hat eine stramme DDR-Karriere hingelegt, war seit 1975 SED-Mitglied. Der promovierte Diplom-Staatswissenschaftler war 1988 bei der Deutschen Volkspolizei der Bezirksbehörde Potsdam Oberinstrukteur für Propaganda und Agitation. Er war 1990 Gründungsmitglied der Gewerkschaft der Volkspolizei. Das ermöglichte ihm einen erstaunlich leichten beruflichen Übergang in die Zeit nach der Wende.

Andreas Berrnig wurde 1991 Vorstandsmitglied der neugegründeten Gewerkschaft der Polizei des Landes Brandenburg und als Verwaltungsbeamter in die Polizei übernommen. Bis 2005 und seinem Einzug in den Landtag war er Vorsitzender des Polizei-Hauptpersonalrates im Innenministerium in Potsdam.

„Meine Gesinnung nicht abgelegt“

Wie hat er sich mit der Wende arrangiert? „Ich habe meine Gesinnung nicht abgelegt. Ich konnte nahtlos anknüpfen an die Interessenvertretung, die in der SED-Diktatur falsch verstanden wurde, indem man meinte, wir haben eine Partei, die immer recht hat und ein Politikorgan als Interessenvertretung. Das ist zu Recht gründlich und berechtigt in die Dutten gegangen.“

Seine Zukunft? Bernig ist in Wartehaltung: „Ich ringe um das Direktmandat.“ Sollte es mit seinem Wiedereinzug in den Landtag nicht klappen, steht als Verwaltungsbeamter für fünf Jahre eine Lehrtätigkeit an der Hochschule der Polizei in Oranienburg. Sein politischer Plan B ist es, als Nachrücker nach den nächsten Bundestagswahlen in den Landtag zu kommen.

Von Marion von Imhoff

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