Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Andreas Kutsche: Kein Regieren um jeden Preis
Lokales Brandenburg/Havel Andreas Kutsche: Kein Regieren um jeden Preis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:17 24.07.2019
In seinem kleinen Garten unterhalb der Friedenswarte entspannt Andreas Kutsche gern bei Gartenarbeit. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Würden die Stimmen der Kommunalwahl zählen, hätte Andreas Kutsche das Rennen der Direktbewerber für den Landtag am 1. September schon gewonnen: Mit 1763 Stimmen erzielte der Linken-Politiker am 26. Mai das beste Ergebnis unter denen, die nun seine Konkurrenten sind.

Nun muss er eben kämpfen, für ihn zählt nur das Direktmandat, sein Listenplatz 38 ist ein aussichtsloser. Doch das sieht er pragmatisch, „ich bin schließlich auch leidenschaftlicher Betriebsrat für unser Klinikum, das mache ich sehr gerne weiter“.

Gerechtigkeit ist großes Thema

Gerechtigkeit ist ein großes Thema im Leben des 42-Jährigen. „Dabei bin ich wohl aus der Art geschlagen. Ich komme aus einer Großfamilie, wir sind sechs Geschwister, ich bin der einzige der gewerkschaftlich organisiert ist.“ Am 30. August bekommt er schon die Ehrennadel für 25 Jahre Mitgliedschaft.

In seiner Heimatstadt Dresden absolvierte er seine erste Lehre als Spezialhochbau-Facharbeiter, da haben ihn die Kollegen schon mit zur Gewerkschaft genommen. Vor 21 Jahren zog er nach Brandenburg an der Havel, da lernte er den Beruf des Krankenpflegers. Er zog in den Betriebsrat ein und ist seit einigen Jahren freigestelltes Mitglied. Erst im März vorigen Jahres landeten die beiden ihm nahestehenden Listen mit 13 von 15 Sitzen einen überzeugenden Sieg.

Nicht meckern, sondern kämpfen

„Gerade im Sozialbereich gibt es einen Verteilungskampf, zudem sehr schwierige Arbeitsbedingungen. Die wollte ich so nicht hinnehmen, dabei aber nicht nur meckern, sondern mich aktiv für die Belange der Mitarbeiter einsetzen.“

In seinem kleinen Garten unterhalb der Friedenswarte entspannt Andreas Kutsche gern bei Gartenarbeit. Quelle: Rüdiger Böhme

Am 1. Mai 2008 hielt der engagierte Gewerkschafter eine Rede während der Kundgebung in der Stadt. Dabei wurde er von Matthias Osterburg angesprochen, ob er nicht Mitglied bei der Linken werden wolle – seitdem ist Kutsche dabei.

Wenn er für die Linke in den Landtag einzieht, will er sich für die Belange der Stadt einsetzen: Für den Medizinkompetenz-Standort mit seinen vier Krankenhäusern und der Medizinischen Hochschule MHB. „Ich finde es auch schade, dass die Kommune ihre Verwaltung so weit heruntergefahren hat, dass Leistungen wie das Erstellen von einem Sozialatlas mittlerweile privaten Firmen überlassen wird. Da muss man gegensteuern.“

Gesundheitsversorgung für alle

Zur aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung, wonach nur maximal 600 von 1400 Krankenhäuser überleben sollten, dafür aber über super viel Personal, Erfahrung und Technik verfügen, sieht Andreas Kutsche skeptisch.

„Das ist doch auch ein Ergebnis der Politik, die Kliniken sind unterfinanziert und keiner der lokalen Fürsten will auf sein Krankenhaus verzichten. Zudem halte ich es mit unserem Staatssekretär Andreas Büttner, der gesagt hat, diesen Ausleseprozess haben wir im Osten schon in den 1990er-Jahren hinter uns gebracht.“

Gebraucht werde in jedem Fall eine Versorgung in der Fläche, egal ob über ein Krankenhaus, ein Medizinisches Versorgungszentrum oder eine Poliklinik. „Als Linke wollen wir natürlich eine flächendeckende Versorgung für alle Menschen haben.

Nicht mit der CDU

Nicht mit allen Positionen seiner Partei stimmt der streitbare Gewerkschafter überein. „Ich bin ohnehin kein großer Freund von Regierungsverantwortung.“ Auch das war wohl ein Grund, warum ihn seine Genossen so weit hinten auf der Liste platziert haben. Ein Bündnis von SPD, Linken und CDU würde er rundweg ablehnen, dann nähme er ein Mandat nicht an.

Auch nicht, wenn es die einzige Möglichkeit ist, Regierungsverantwortung der AfD zu verhindern. „Die Linke hat nichts zu verschenken und könnte dann kaum gestalten, weil in ihrem Programm ganz andere Inhalte als bei der CDU stehen.“ In ein Bündnis Rot-Rot-Grün würde er sich hingegen fügen.

Kompromisse in der Familie

Im Privaten ist Andreas Kutsche nicht ganz so streitbar. Hier sagt er: „Das Leben besteht aus Kompromissen.“ Zugunsten seiner Familie hat er sogar eine hauptamtliche Verdi-Karriere ausgeschlagen. Sein Frau Rica pendelt als Innenarchitektin täglich nach Berlin.

Das hätte Andreas Kutsche nicht machen können, schließlich haben die beiden ein sechsjähriges Mädchen und einen viereinhalbjährigen Jungen. Zweimal in der Woche passen ohnehin die Großeltern auf die beiden auf.

Ausgleich im Garten

Zum Ausgleich für politische und gesellschaftliche Arbeit bewirtschaftet Andreas Kutsche den Garten. Früher gab es ein 1000 Quadratmeter großes Grundstück in Plauerhof. Der jetzige Garten ist nur noch halb so groß, liegt in der Sparte Bergeshöh auf dem Marienberg und gedeiht prächtig. Gurken, Tomaten, Pflaumen wachsen genauso wie Mini-Auberginen, Paprika und Hokkaido-Kürbisse.

Es gibt riesige Lavendelbüsche, die ziemlich stark duften. Und es summt im Garten: Vom Naturschützer Andreas Ziemer hat sich Kutsche Pflanzen geben lassen, die bienen- und insektenfreundlich sind.

Von André Wirsing

Er kämpfte bis zum Schluss gegen die Krankheit: Cedric aus Brandenburg an der Havel ist nur 17 Jahre alt geworden. Seine Mutter berichtet nun, wie der Abschied war – und was ihren Sohn zuletzt am meisten umgetrieben hat.

25.07.2019

Beamte ertappten am Dienstag einen Brandenburger auf frischer Tat, als er gerade in der Havelstadt ein Fahrrad stehlen wollte. Doch nicht nur deswegen ermittelt nun die Kripo.

24.07.2019

Ein Streit zwischen zwei Radfahrern und einem Autofahrer ist am Dienstagabend in Brandenburg eskaliert. Die Polizei ermittelt nun gegen alle drei Männer.

24.07.2019