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Brandenburg/Havel Angeblich zu teuer: Kein Wlan für Flüchtlinge
Lokales Brandenburg/Havel Angeblich zu teuer: Kein Wlan für Flüchtlinge
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13:24 10.08.2016
Flüchtlinge vor dem  Lehniner Heim. Für sie sind ihre Handys die Verbindung zu ihren Familien. Nutzen können sie diese nur außerhalb des Gebäudes.
Flüchtlinge vor dem Lehniner Heim. Für sie sind ihre Handys die Verbindung zu ihren Familien. Nutzen können sie diese nur außerhalb des Gebäudes. Quelle: Jacqueline Steiner
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Lehnin

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark bleibt bei seinem Nein zu einem Wlan-Netz für das Lehniner Flüchtlingsheim. Wie im Juni in der MAZ berichtet, fordern die 60 Aktiven der ehrenamtlichen Willkommensinitiative „Miteinander in Lehnin“ Wlan-Anschluss für die 90 Bewohner des Flüchtlingsheimes. Auch die Landtagsabgeordnete Barbara Hackenschmidt (SPD) hatte sich zu der Forderung geäußert: „Man muss diesen Wunsch schon ernst nehmen.“ Das Heim wird vom Landkreis Potsdam-Mittelmark betrieben. Nur vor dem Gebäude gibt es Mobilfunkempfang.

Die MAZ fragte erneut beim Landkreis nach. Pressesprecherin Andrea Metzler sagte am Dienstag zu der Forderung, bei einer Hauptverwaltungskonferenz sei beschlossen worden, dass es generell für kein Flüchtlingswohnheim WLan geben werde. Es seien von mehreren Anbietern Angebote eingeholt worden. Danach würden auf den Landkreis Kosten von 80 000 bis 90 000 Euro zukommen, würden die Einrichtungen mit dem Netz ausgestattet werden. „Alle sollen gleich behandelt werden, deswegen gibt es auch für Lehnin kein Wlan“, so Metzler.

DRK richtet Internetcafé in Brandenburger Flüchtlingsheim ein

In der Stadt Brandenburg betreibt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mehrere Asylbewerberheime. In der Unterkunft in der Flämingstraße in Brandenburg-Nord werde ein Internet-Café eingerichtet für die Geflüchteten, sagte Andreas Griebel, Vorstand des DRK-Kreisverbandes Brandenburg an der Havel. „Wlan ist dort nicht möglich, weil die Wände wie ein Faradayscher Käfig sind.“ Dieses Problem der elektrischen Abschirmung durch die Bauweise des Gebäudes gebe es auch am Standort des Flüchtlingsheimes in der Upstallstraße. Lediglich in der Unterkunft in der Fohrder Landstraße gebe es ein Wlan-Netz.

Griebel zufolge gibt es von den Flüchtlingen selbst nicht die Forderung nach Wlan. „Die meisten haben einen Handyvertrag und können im Netz surfen.“ Hauptforderung der Flüchtlinge sei die Teilnahme an zertifizierten Sprachkursen, so dass sie anschließend eine „Bescheinigung vorlegen können“.

Die Ehrenamtlichen in Lehnin fordern für die aus Krisen- und Kriegsgebieten geflüchteten Menschen Wlan, damit diese Kontakt halten können. Zudem gibt es auch Internet-Sprachkurse für die zumeist aus dem arabischen Raum stammenden Menschen.

Brückner nimmt Stellung zum Flüchtlingsheim

Unterdessen lobte Kloster Lehnins Bürgermeister Uwe Brückner das Engagement der ehrenamtlichen Helfer für die Menschen in Not. Die Zusammenarbeit bezüglich des Flüchtlingsheimes zwischen Gemeinde und Helfern funktioniere gut. Es sei zudem gelungen, vier weitere Wohnungen zu akquirieren, um Familien einen Auszug aus dem Flüchtlingsheim zu ermöglichen. Probleme mit der Bevölkerung „sind mir nicht bekannt“. Die Situation im Flüchtlingsheim selbst dürfe nicht beschönigt werden. „Dort, wo Menschen auf engem Raum zusammen leben, kann es immer wieder zu persönlichen Streitigkeiten kommen“. Die Menschen kämen aus völlig anderen Regionen und Lebensverhältnissen. „Wir können nicht mit den Maßstäben messen, die wir kennen.“

Auch Brückner plädiert für Wlan für die Flüchtlinge, „um mit der Heimat Kontakt halten zu können“. Nach Angaben von Heimleiterin Roswitha Schulz sind viele der Bewohner, die aus Syrien, Afghanistan, dem Libanon, Kenia und Kamerun stammen, traumatisiert. Einige seien erkrankt. Es gebe einen Krebsfall, so Roswitha Schulz. Die Einrichtung verfügt im Erdgeschoss über eine Krankenstation.

Von Marion von Imhoff