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Brandenburg/Havel Angeklagte Brandstifterin lässt Prozess platzen
Lokales Brandenburg/Havel Angeklagte Brandstifterin lässt Prozess platzen
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12:53 30.09.2019
Wegen der Brandstiftung am 4. Dezember 2017 in der Großen Gartenstraße steht eine 29 Jahre alte Frau vor Gericht. Quelle: Meetingpoint Brandenburg
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Brandenburg/H

Richterin, Schöffen, Staatsanwalt, Verteidiger, Gutachter – alle sind gekommen zur Gerichtsverhandlung dieser Tage in Brandenburg/Havel. Nur die Hauptperson ist nicht erschienen, die Angeklagte.

Der Staatsanwalt wirft der 1990 in einem nordeuropäischen Land geborenen Brandenburgerin schwere Brandstiftung vor, also ein Verbrechen. Am späten Abend des 4. Dezembers 2017 hat sie nach Überzeugung der Ermittler das Mehrfamilienhaus in der Brandenburger Neustadt angezündet, in dem sie selbst lebte.

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Flüssigkeit mit Benzin angezündet

Die damals 27 Jahre alte Frau soll benzinhaltige Flüssigkeit in verschiedenen Etagen des Hauses in der Großen Gartenstraße Neustadt verschüttet haben. Anschließend, so die Anklage, zündete sie die Flüssigkeit an. Teile des hölzernen Treppengeländers gerieten in Brand. Im Hausflur entwickelte sich starker Rauch.

Die angeklagte Frau erlitt damals selbst eine leichte Rauchgasvergiftung und wurde ambulant im städtischen Klinikum versorgt. Gleich anschließend nahm die Polizei sie als Tatverdächtige fest, zwei Tage später musste sie in Untersuchungshaft.

Offenkundig hatte die beschuldigte Mieterin reichlich Alkohol getrunken, denn am nächsten Tag wurde noch einen Alkoholpegel von 1,39 Promille festgestellt.

Bewohner evakuiert

Die Folgen des Brandes waren glücklicherweise relativ geringfügig. Das Feuer war schon erloschen, als die Feuerwehr eintraf. Der Einsatz war gleichwohl spektakulär, weil die Einsatzkräfte die Bewohner des Hauses zu mitternächtlicher Stunde vorsorglich evakuierten.

Die Angeklagte war womöglich nur eingeschränkt schuldfähig. Denn nach Erkenntnissen in dem laufenden Verfahren leidet sie wegen schwieriger persönlicher Verhältnisse an einer sogenannten Anpassungsstörung, also einer negativen Gemütsreaktion auf ein belastendes Lebensereignis.

Fachärztliches Gutachten

Ein Facharzt hat die Frau inzwischen für das Gericht begutachtet und wird seine Erkenntnisse in dem Strafverfahren vor dem Schöffengericht Brandenburg einbringen.

Ein Freund der beschuldigten Frau berichtet dem Gericht, er habe sie zum Prozess begleiten wollen, doch sie sei nicht gekommen zum vereinbarten Zeitpunkt und Ort.

Haftbefehl erlassen

Da in einem solchen Prozess nicht ohne Angeklagte verhandelt werden kann, wird die vVerhandlung zu einem späteren Termin nachgeholt. Das Brandenburger Schöffengericht erließ einen Haftbefehl gegen die flüchtige Angeklagte.

Ihr Bekannter vermutet ernsthafte gesundheitliche Probleme als Grund dafür, dass sie ihren Prozess geschwänzt hat. Sollte sie ein entsprechendes Attest vorlegen, hebt das Gericht den Haftbefehl vermutlich wieder auf.

Von Jürgen Lauterbach