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Brandenburg/Havel Streik bei ZF mit Soljanka und Hüpfburg
Lokales Brandenburg/Havel Streik bei ZF mit Soljanka und Hüpfburg
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07:20 02.02.2018
Vor dem Werktor wärmen sich streikende ZF-Mitarbeiter und IH-Metaller an der Feuerschale.
Vor dem Werktor wärmen sich streikende ZF-Mitarbeiter und IH-Metaller an der Feuerschale. Quelle: Heike Schulze
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Brandenburg/H

Soljanka, Hüpfburg und Festzelte, der erste 24-Stunden-Warnstreik am Donnerstag im ZF-Getriebewerk erinnerte eher an Familienfest als an Arbeitskampf. Jedenfalls bis die Gewerkschafter loslegten mit ihren Reden, die ein Waffeleisen fast verhindert hätte.

Soljanka, Hüpfburg und Festzelte, der erste 24-Stunden-Warnstreik am Donnerstag im ZF-Getriebewerk erinnerte eher an Familienfest als an Arbeitskampf. Jedenfalls bis die Gewerkschafter loslegten mit ihren Reden, die ein Waffeleisen fast verhindert hätte.

Zum vierten Mal legen Mitarbeiter von ZF Getriebe Brandenburg in diesem Jahr die Arbeit nieder und folgen damit dem Warnstreikaufruf der Gewerkschaft IG Metall. An diesem Donnerstag ist die Getriebeproduktion aber nicht nur wie vorher jeweils zwei Stunden lang gestoppt, sondern einen ganzen Tag, 24 Stunden, von 5 Uhr Donnerstagmorgen bis 4.59 Uhr Freitagfrüh.

Betriebsräte und Gewerkschafter sind froh, dass auch Mitarbeiter, die nicht in der IG Metall organisiert sind, vors Tor kommen und auch Angestellte, die sonst in Arbeitskämpfen eher als zögerlich bekannt sind.

Die Belegschaft des Brandenburger Getriebewerkes ZF beim 24-Stunden-Streik. Quelle: Heike Schulze

Der Organisationsaufwand hat sich also gelohnt. Zwei Zelte stehen bereit, eine Tafel an der Zeltwand verkündet des Tagesablauf, eine andere die Versorgungsplanung.

Ab 6.30 Uhr warten belegte Brötchen, um 7.30 Uhr kommen Bouletten, Bockwurst und Knacker dazu. Soljanka, Kassler mit Sauerkraut, Kartoffelsalat und Bockwurst werden zum Mittag aufgefahren. Zum Kaffee gibt es Blechkuchen, am Abend gegrilltes Fleisch und Wurst.

„Das ist mehr wie ein Familientag heute“, bemerkt Betriebsratsmitglied Lutz Schütte, der gekonnt durchs Programm führt. „Fast hätten wir die Zelte am Sonntagabend noch abbestellt“, berichtet Betriebsratschefin Carmen Bahlo (54). So relativ nah sei man sich in den Tarifverhandlungen zu Lohnerhöhung und besseren Arbeitszeiten gekommen, ehe die Arbeitgeberseite doch wieder alles zu Fall gebracht habe.

Der Kampftag verläuft friedlich

Also blieb es dabei, die IG Metall hat in der zweiten Wochenhälfte bundesweit 250 Betriebe der Metall- und Elektroindustrie zu eintägigen Warnstreiks aufgerufen. Am Donnerstag unter anderem die ZF-Belegschaft, die sich nach Auskunft der Gewerkschafter bis auf die Führungsebene an der Arbeitsniederlegung beteiligt hat mit der Folge, das am Donnerstag keine Getriebe vom Band gingen. Der Kampftag verläuft friedlich, weil offenbar niemand zusätzlich Öl ins Feuer gießt. Es sei denn jemand hätte an der elektrischen Anlage manipuliert. Denn die fällt just in dem Moment aus, als IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban zu den Streikenden sprechen will. Damit nicht genug geht auch der elektrisch betriebenen Hüpfburg die Luft aus und sie sackt in sich zusammen. Schuld daran ist womöglich ein Defekt im Waffeleisen, so lautet eine Theorie.

Die Belegschaft des Brandenburger Getriebewerkes ZF im 24-Stunden-Streik. Quelle: Heike Schulze

Hans-Jürgen Urban (56) vom Frankfurter Vorstand lässt sich von Technik nicht am Reden hindern, verschafft sich mit gewaltigen Worten und heimgekehrtem Strom Gehör. Der erste Beifall ertönt nach dem Einstieg: „Man kommt her und die Bude ist zu, das ist das Schönste, was ein Metaller erleben kann.“

Urban lässt wenig gute Haare an der Arbeitgeberseite: „Die zappeln da rum“, „was da auf dem Tisch lag war eine Schweinerei“, „was für ein Gezocke“. Ausgerechnet ZF sei in dem Tarifkonflikt bei den Forderungen zur 35-Stunden-Arbeitszeitangleichung „der größte, stärkste Bremser“. „Es klemmt in unserem Konzern“, bestätigte Carmen Bahlo, die gewohnt kämpferisch auftritt und die „riesige Erwartungshaltung“ anspricht, dass endlich über die schrittweise Einführung der 35-Stunden-Woche verhandelt wird.

Carmen Bahlo erwähnt, dass anders als 2003 diesmal keine Blockaden nötig gewesen seien: „weil niemand da rein gegangen ist.“

Von Jürgen Lauterbach

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