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Brandenburg/Havel Verschrottung der Königswelle: Architekt will Bußgeld nicht zahlen
Lokales Brandenburg/Havel Verschrottung der Königswelle: Architekt will Bußgeld nicht zahlen
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11:04 01.04.2019
Die Visualisierung gibt eine Idee davon, wie Detlev Delfs von Loft-Bau die Königswelle eigentlich präsentieren wollte. Quelle: Loft-Bau GmbH
Brandenburg/H

Das Amtsgericht Brandenburg ist am Freitag ein Stück weiter, aber noch nicht zum Ende gekommen im Fall Denkmalschutz gegen die Brandenburger Firma Loft-Bau.

Dem Unternehmen wird vorgeworfen, fahrlässig die Verschrottung der denkmalgeschützten Antriebswelle der einstigen Havelmühle am Mühlendamm 16-18 zugelassen zu haben. Geschäftsführer Detlev Delfs weist den Vorwurf nach wie vor zurück.

Die Königswelle der Heidrichsmühle wurde vermutlich im Jahr 2013 verschrottet. Quelle: Loft-Bau GmbH und Seliger GmbH

Die Stadt Brandenburg hat wie berichtet ein Bußgeld über mehr als 40.000 Euro verhängt, weil die von Delfs geführte Loft-Bau GmbH zu verantworten hat, dass die rund 120 Jahre alte, 17 Meter lange und vielleicht sechs Tonnen schwere Königswelle aus dem denkmalgeschützten Mühlengebäude in den Schrott befördert und im Riva-Stahlwerk eingeschmolzen wurde.

>>Die ganze Vorgeschichte des Prozesses lesen sie hier.

Schrotthändler verkauft Königswelle

Als das Unternehmen sein einstiges Büro im Jahr 2012 an einen Privatmann verkaufte, verpflichtete es sich, die besagte Königswelle fachgerecht abzubauen, einzulagern und zu einem späteren Zeitpunkt auf einer Grünfläche nahe dem Mühlengebäude sorgsam wiederaufzubauen.

Doch das geschah nicht. Stattdessen brachten Helfer der Loft-Bau die Einzelteile der Welle in Containern auf einen Schrottplatz, von wo aus sie der dortige Händler nach etwa einem Jahr Lagerung an das Riva-Werk zum Einschmelzen verkaufte.

Der Geschäftsführer wusste davon offenbar nichts. Die Stadt wirft ihm vor, den Erhalt des Denkmals nicht sichergestellt zu haben.

Wirtschaftlicher Vorteil

Die Höhe des geforderten Bußgeldes bemisst sich danach, was die Firma Loft-Bau an wirtschaftlichem Vorteil dadurch erlangt hat, dass sie sich die Kosten für den Wiederaufbau der mächtigen Königswelle erspart hat.

Am Freitag im Amtsgericht wurde deutlich, dass eine ursprünglich für möglich gehaltene Verjährung des gesamten Vorgangs nicht eingetreten ist, weil die Verschrottung im Jahr 2013 noch keine zehn Jahre zurückliegt.

Richter Hans von Bülow zufolge kann die Firma Loft-Bau nicht belangt werden für all das, was bis zur Verschrottung geschah. Er folgt Delfs und seiner Anwältin aber nicht in deren Auffassung, dass die Königswelle gar nicht denkmalgeschützt ist, weil sie kein Bestandteil der geschützten Wasserkraftanlage sei.

Einzigartiges Denkmal

Die städtischen Denkmalschützer verweisen dagegen auf die Einschätzung von Matthias Baxmann, Fachreferent der Landesdenkmalbehörde. Er stuft die Königswelle als „einzigartiges technisches Denkmal“ ein. Zum nächsten Prozesstag wird der Experte als Zeuge geladen.

Im Übrigen möchte der Richter wissen, wie viel Geld die Loft-Bau gespart hat, weil die Firma das große schwere Teil nicht mit allem Drum und Dran wieder aufbauen muss. Er schätzt einen Betrag von 23.000 Euro, will es aber genauer wissen.

Daher soll nun ein Sachverständiger im Auftrag des Gerichts eine Kostenschätzung abgeben. Grundlage dafür werden die seinerzeit bereits erteilte amtliche Genehmigung für den Wiederaufbau und vorliegende Berechnungen des Statikers sein.

10.000 Euro: abgelehnt

Eine zwischenzeitliche Initiative des Richters, den Konflikt gegen freiwillige Zahlung von 10.000 Euro beizulegen, scheitert am Veto von Detlev Delfs, der sich durch den gesamten Vorgang tief beleidigt sieht. „Mehr als lächerlich“ nennt er die Vorwürfe.

Von Jürgen Lauterbach

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