Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Auf Spurensuche: Wer ist dieser Junge?
Lokales Brandenburg/Havel Auf Spurensuche: Wer ist dieser Junge?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:11 20.11.2017
Dieser Steppke stand Anfang der 1960er-Jahre für einen Messekatalog des VEB Brandenburger Kinderbekleidung Model. Doch wer ist der Junge? Quelle: JACQUELINE STEINER
Brandenburg/H

Fesch sieht er aus in seinem Knaben-Sportanzug aus Manchester. Der Federballschläger, den der Junge in den Händen hält, soll den Freizeitcharakter der blau-braunen Kombination unterstreichen. Die gab es mal für 24,45 Deutsche Mark der DDR. Wenn es Jacke und Hose überhaupt in die Läden schafften. Wer da vor über 50 Jahren am Salzhofufer mit ernstem Gesicht in Oberbekleidung „Made in Brandenburg“ posierte, weiß heute keiner mehr. Nur das Model selbst, das heute ein Mann im besten Alter sein müsste. Die MAZ macht sich auf die Suche und fragt: Wer ist der Junge? Was ist aus ihm geworden? War sein Fotoshooting für den VEB Brandenburger Kinderbekleidung (Braki) der Beginn einer steilen Karriere?

Schick, schick aus Brandenburg. Quelle: JACQUELINE STEINER

Schon das Auftauchen der Bilder mit dem im Zeitgeist der 1960er-Jahre geschniegelten Steppke ist eine kleine Sensation. Denn seit dem Aus für einen der größten Frauenbetriebe in Brandenburg nach der Wende ist von Braki nichts geblieben außer persönliche Erinnerungen der ehemaligen Mitarbeiter. Mit den Aufnahmen schmückte das Unternehmen einst seine Kataloge für die Leipziger Messe. Alles Einzelanfertigungen mit Echtfotos. „Nehmen Sie bitte Einsicht in unseren Katalog und überzeugen sie sich von unseren Leistungen am Messestand“, heißt es im Vorwort zur Sortimentspräsentation. Die Preisangabe in DM lässt darauf schließen, dass die Aufnahmen vor dem 31.Juli 1964 erfolgten, dem Tag als in der DDR für drei Jahre aus der DM die Mark der Deutschen Notenbank (MDN) wurde.

Blick in den Braki-Betriebsteil Ziesar. Der Hauptsitz war in der Kirchhofstraße in Brandenburg. Quelle: privat

Die Zeit fällt zusammen mit der Ära von Rudolf Gebhardt, der Betriebsleiter von Braki war. Weil der einstige Firmenchef nicht mehr unter den Lebenden weilt, kann er nicht mehr nach dem Jungen vor der Kamera befragt werden. Schwiegersohn Günter Bauch konnte zwei Kataloge aus Gebhardts Nachlass vor dem Container retten. Er meint sich zu erinnern, dass es sich bei dem Fotomodel um den Sohn einer Braki-Sekretärin gehandelt haben soll. „Festlegen will ich mich aber nicht“, sagte Bauch der MAZ. Er hielt die Erinnerungen an einen der großen Betriebe in Brandenburg zum Glück für so wichtig, dass er die Kataloge an das Industriemuseum übergab.

Als Model im Einreiher vor der Ruine der Johanniskirche. Quelle: JACQUELINE STEINER

Für Museumsleiter Marius Krohn war klar, dass es sich bei den Fotografien um etwas besonderes handelt. „Die Kataloge sind ein Stück Brandenburger Zeit- und Industriegeschichte, die leider in Vergessenheit zu geraten droht“, bedauert Krohn. Sein Haus widmet sich bekanntlich der Historie der Stahlherstellung. Doch dass Brandenburg an der Havel zu DDR-Zeiten längst nicht nur eine Stadt der Metallurgen war, kommt selbst im Stadtmuseum nur ansatzweise zur Geltung. Tausende Frauen verdienten ihr Geld bei Braki, Alwo, Konsü, Mechanische Spielwaren und im VEB Folienerzeugnisse, um nur an einige Produktionsbetriebe zu erinnern.

Mitten in die Funkstille um untergegangene Industriestätten platzte unlängst eine Ausstellung in Ziesar. Dort hat der Kultur- und Heimatverein eine Sonderausstellung zum Braki-Betriebsteil in Ziesar eröffnet, wo einst 100 Frauen für den Export nähten.

Ausstellung über Braki-Betriebsteil in Ziesar

Am 3. Dezember besteht wieder die Möglichkeit das ehrenamtlich geführte Heimatmuseum in Ziesar zu besuchen. Dort ist derzeit eine Sonderausstellung über die Braki-Außenstelle in Ziesar aufgebaut. Von 13 bis 17 Uhr ist das Museum an der Burg geöffnet. Mit Glühwein und Stolle wird der Adventssonntag begangen.

Zumindest bei einem weiteren Braki-Messekatalog ist der Fotograf bekannt. Es handelt sich um Lothar Gabriel aus Plaue.

„Uns war es wichtig, die Erinnerung an diesen wichtigen Arbeitgeber wachzuhalten“, so Vereinsvorsitzende Silvia Zimmermann. Die Resonanz war groß (MAZ berichtete). Marius Krohn vom Industriemuseum will die Dokumente und Ausstellungsstücke am liebsten für eine Zeit nach Brandenburg holen. „Der nächste Museumstag 2018 wäre ein guter Termin“, meint Krohn. Vielleicht finden sich bis dahin noch andere Erinnerungen an Kinderbekleidung aus Brandenburg. Der Braki-Junge von damals hätte bestimmt etwas zu erzählen.

Von Frank Bürstenbinder

Brandenburg/Havel Gaumenfreuden auf dem Domgelände - Aalschnittchen zum Museumsbesuch

Das Brandenburger Dommuseum ist eine Kooperation mit den Gastronomen der „Remise“ auf dem Burghof eingegangen. Nach einer Sonderführung kommt die Gaumenfreude. Aalschnittchen von Museumsleiter Rüdiger von Schnurbein gibt es auch nicht alle Tage für Besucher.

19.11.2017

Martin Luther war nie in Ziesar. Doch über sein sagenhaftes Leben berichtete Schauspieler Frank Grünert, der als Dr. Konrad Büchner durch den Fläming zieht, auf der Burg. Von den über 60 Zuschauern bekam der bekannte „Schnökologe“ viel Applaus.

19.11.2017

Sie geben ihre Freizeit für das Ehrenamt. Zahlreiche Freiwillige aus allen Ortsteilen von Kloster Lehnin sind für ihr Engagement ausgezeichnet worden. Alle zwei Jahre bedankt sich die Kommune im Schloss Reckahn bei fleißigen Mitbürgern.

19.11.2017