Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Abgehängt, aber nicht hoffnungslos
Lokales Brandenburg/Havel Abgehängt, aber nicht hoffnungslos
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:22 26.01.2015
Die Dorfbewohner wollen sich nicht einfach geschlagen geben und setzen alle Hebel in Bewegung.
Die Dorfbewohner wollen sich nicht einfach geschlagen geben und setzen alle Hebel in Bewegung. Quelle: V. Maloszyk
Anzeige
Krahne/Reckahn

Gerke Pachali aus Krahne bezeichnet sie als „verlustreiche Stummellinie“. Da man sich damit nicht abfinden will, laufen Unterschriftenaktionen auf Hochtouren. Gefordert wird die Rückkehr zur alten, bewährten Busanbindung (Linie 581 Bad Belzig–Brandenburg) über beide Dörfer. Die rollt als Plusbus jetzt an ihnen vorbei (MAZ berichtete).

Die Listen sollen nächsten Mittwoch dem Verkehrsausschuss des Kreistages Potsdam-Mittelmark übergeben werden. Auch im Raum Lehnin sind für einen zeitnahen Schülerverkehr Unterschriften gesammelt worden. In der Gemeinde Kloster Lehnin hat sich sogar eine Arbeitsgruppe gebildet.

„Da morgens um halb acht kein Bus mehr nach Brandenburg fährt, sondern bereits 6.45 oder erst wieder um 9.30 Uhr, müssten wir uns entweder die Beine in den Bauch stehen oder würden ständig zu spät kommen“, beschreiben die 15-jährige Constanze Bandlow und Klara Jüttner (14) das Dilemma. Denn Schulbeginn ist um acht. Beide wohnen in Reckahn und besuchen das Evangelische Domgymnasium in der Stadt. „Dramatisch ist es nachmittags“. Dann sei eine Wartezeit von 130 Minuten bis zum nächsten und letzten Bus um 18.07 Uhr angesagt. „Kino oder Shopping am Wochenende in Potsdam oder Berlin können wir uns abschminken“, bedauern sie.

„Es kann doch nicht sein, dass Schüler zwölf Stunden unterwegs sind“, echauffiert sich Mutter Cathrin Bandlow. Zumal laut Schulgesetz lange Wartezeiten nicht zulässig seien. Eltern und Großeltern wussten sich keinen anderen Ausweg als Fahrgemeinschaften zu bilden. „Doch nicht wir Eltern, sondern der Landkreis ist für die Schülerbeförderung zuständig“, betont Annett Jüttner. Schlecht dran sind auch Ältere, die nach Golzow oder Bad Belzig zum Arzt, Einkauf und zur Bank müssen, aber kein Auto fahren. Sie müssen beim Warten entweder eine Engelsgeduld aufbringen, eine Odyssee über Brandenburg in Kauf nehmen oder einen Fußmarsch. „Anderthalb Stunden habe ich von Rotscherlinde bis Reckahn gebraucht“, berichtet der 88-jährige Paul Bandlow.

Ein großes Problem haben jetzt auch die Reckahner Museen. „Neben langer Wartezeit für Besucher aus Richtung Berlin fährt in den Ferien kaum noch etwas und auch in der Schulzeit bleibt für den Stationsbetrieb zu wenig Zeit“, klagt Leiterin Silke Siebrecht-Garbig. Projekte und Kooperationen mit den Schulen in Lehnin und Golzow seien durch die ausgedünnte Verbindung stark eingeschränkt. „Im Vorfeld wurden wir null einbezogen“, ärgert sie sich. Was sie partout nicht versteht: „Das Schulmuseum, in das Fördermittel fließen, ist das einzige Museum, das der Kreis in Trägerschaft hat.“

In Golzow ist die Hortbetreuung in den Ferien akut in Gefahr, weil in dieser Zeit auf der neuen Linie 551 eine Anbindung der Schule fehlt. Die Prüfung hat offenbar ergeben, dass eine Bedienung in den Ferien jährlich 4900 Euro kostet. Die habe der Kreis nicht und spielt den Ball den Kommunen zu. Golzows Gemeinderat hat jetzt den Protokollbeschluss gefasst, die Hälfte der Kosten zu tragen und 2500 Euro in den Haushalt einzustellen – vorbehaltlich einer Beteiligung der Gemeinde Kloster Lehnin. Die dortige Arbeitsgruppe sieht den Landkreis in der Pflicht.

Von Claudia Nack

25.01.2015
Brandenburg/Havel Gemeinderat gibt grünes Licht für neue Anlage - 1.000 Zuchtsauen mit 10.000 Ferkeln
25.01.2015
Brandenburg/Havel Brandenburg an der Havel: Polizeibericht vom 22. Januar - Einbrecher knacken Gartenlaube
22.01.2015