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Brandenburg/Havel Aus dem Waldboden gehebelt
Lokales Brandenburg/Havel Aus dem Waldboden gehebelt
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14:37 08.04.2015
Diese Fichte auf dem Areal der einstigen Fasanerie bei Seelensdorf hielt dem Orkan nicht stand. Im Dorf selbst gab es keine Schäden.
Diese Fichte auf dem Areal der einstigen Fasanerie bei Seelensdorf hielt dem Orkan nicht stand. Im Dorf selbst gab es keine Schäden. Quelle: F. Bürstenbinder
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Seelensdorf

Bei Windgeschwindigkeiten von über 120 Stundenkilometern ein tödlicher Standortnachteil. Als besonders anfällig haben sich wieder einmal gerade durchforstete Bestände erwiesen. Dort standen sich die Nachbarn bislang gegenseitig auf den Füßen und hielten jedem Wind stand. Doch nach der Auflichtung brauchen die verbliebenen Bäume zwei, drei Jahre, um ihr Wurzelwerk vollständig zu entwickeln. Eine verwundbare Stelle in jüngeren Kiefernbeständen, auf die Orkan Niklas mit aller Macht einschlug.

Eine Woche nach dem Durchzug des Sturmtiefs wird langam das ganze Ausmaß der Schäden in den Wäldern rund um Brandenburg klar. In Seelensdorf rechnet Domstiftsforstmeister Friedrich Hinz mit rund 1000 Festmetern Windbruch. Die Menge entspricht 20 Prozent des Jahreseinschlages. Das Holz ist für die Weiterverarbeitung zu Kanthölzern und Schalungsbrettern im eigenen Sägewerk nicht verloren, doch die Bergung der Stämme ist aufwändig. Domstiftsforstmeister Hinz sagt warum: „Die Wege sind lang. Es gab viele Einzelwürfe, die auf die ganze Fläche verteilt sind.“

Mit eigenen Leuten aus dem Sägewerk hatte das Domstiftsforstamt unmittelbar nach dem Orkan mit der Sicherung der angrenzenden B 102 bei Pritzerbe, der Landstraße zwischen Marzahne und Buschow sowie der Zufahrtsstraße nach Seelensdorf zu tun. Heute treffen Mitarbeiter eines Mecklenburger Forstdienstleistungsbetriebes in dem 30-Seelen-Ort ein, um mit der Aufarbeitung der Sturmschäden im Kirchenwald bei Kieck zu beginnen. Es wird wohl Wochen dauern, bis alle Bäume abtransportiert sind.

Vorsicht beim Wandern

So wie im Domstiftsforst rund um Seelensdorf sieht es in vielen Wäldern rund um Brandenburg aus. Waldbesitzer aller Eigentumsformen sind zusammen mit den Revierförstern mit der Aufnahme der Schäden beschäftigt.
Jörg Dechow, Chef der Oberförsterei Lehnin, berichtet von zahlreichen Einzelwürfen zwischen Fläming und Havelland. Ein Schwerpunkt ist offenbar die Region südlich der A 2 in Richtung Brück. Auch das Amt Ziesar zwischen Grüningen, Wollin und Gräben ist besonders betroffen.
Wanderer sollten vom Orkan heimgesuchte Wälder und schräg stehende Bäume unbedingt meiden, um sich nicht in Gefahr zu bringen.

Beim Anblick niedergestreckter Kiefern werden Erinnerungen an den schlimmen Orkan vom 13. November 1972 wach. Damals fielen die Bäume gleich reihenweise um. Seelensdorf, das sich im Besitz des Brandenburger Domkapitels befindet, war von der Außenwelt abgeschnitten. Die zehnfache Menge eines Jahreseinschlages fiel dem Unwetter zum Opfer. „Dagegen sind wir dieses Mal mit einem blauen Auge davon gekommen, wie schon bei Orkan Kyrill 2007“, berichtet Domstiftsforstmeister Hinz.

Für die Laubbäume in der Seelensdorfer Heide ging Sturmtief Niklas glimpflich ab. Weil ihnen noch das Laub fehlt, pfiff der Wind ohne großen Widerstand durch die Äste. Dagegen sind einige typische Fichtenwindwürfe zu verzeichnen. Der Orkan beugte die großen Kronen bis es die Flachwurzler regelrecht aus dem Waldboden hebelte.

Von Frank Bürstenbinder

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