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Brandenburg/Havel Ausraster in der Raststätte Buckautal: Zweimal Haft und Schmerzensgeld
Lokales Brandenburg/Havel Ausraster in der Raststätte Buckautal: Zweimal Haft und Schmerzensgeld
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10:45 14.05.2019
Zur Tank- und Rastanlage Buckautal Süd gehört das Restaurant. Drin und vor allem davor eskalierte der Streit. Quelle: Frank Bürstenbinder
Brandenburg/H

In jedem Strafverfahren hat der Angeklagte das letzte Wort, ehe das Gericht zur Urteilsberatung zurückzieht. Das Schlusswort von Christian K. (29) im Raststätte-Buckautal-Prozess vor dem Schöffengericht Brandenburg/Havel lautet: „Könnte ich jetzt mal auf die Toilette gehen?“

Auf ein Raunen im Saal hin besinnt der junge Mann sich und gesteht: „Es tut mir alles leid. Ich war der Ursprung, dass alles eskaliert ist.“

Ausgangspunkt: der Brötchenpreis

In der Nacht des 6. September 2016 kommt Christian K. mit vier anderen jungen Männern ziemlich betrunken in die Autobahnraststätte auf der A2. Es dauert nicht lange und er rastet aus. Ausgangspunkt dafür sind die Brötchen, die er zu teuer findet.

>>Lesen Sie mehr über die Geschehnisse auf der Buckautal-Raststätte hier.

Kurz zusammengefasst passiert Folgendes: Christian K. beleidigt eine Mitarbeiterin, zeigt ihr den Hitlergruß und ruft entsprechende Parolen. Den Bezahlteller schmettert er zu Boden. Als andere Gäste dazwischengehen, wird der Streit heftiger.

„Lust auf Aufruhr“

Die Frauen der erfolglosen Streitschlichter gehen zu ihrem Auto, die Partner folgen ihnen. Christian K. und seine Freunde lauern auf diesen Moment. Sie treten mehrmals gegen das Auto mit den Frauen im Innenraum. Einer zerschmettert das Seitenfenster, dessen Ellbogen und die Glassplitter verletzen die Frau auf dem Fahrersitz.

„Die fünf Personen sind wie ein Bataillon, das zuschießt“, beschreibt Staatsanwalt Ivo Maier die für die Frauen beängstigende Situation. Der Ankläger charakterisiert das Geschehen als „verstörende Randale-Aktion“ mit „Lust auf Aufruhr“ und als „gruselige Nummer“. 

Der Grusel geht weiter, als die Partner ihren Frauen zur Hilfe kommen. Prompt werden sie von den wütenden Männern angegriffen und verletzt.

Mittäter bleiben unerkannt

Zwei Männer aus Magdeburg sind in dem Strafverfahren in Brandenburg/Havel angeklagt: Christian K. und der zwei Jahre jüngere Tobias M. Von beiden hat die Polizei Erbgutspuren am Tatort gesichert. Ihre drei Mittäter bleiben unbekannt.

Das Schöffengericht verurteilt beide Männer zur gleichen Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung.

Beide sind dem Urteil zufolge schuldig der gefährlichen Körperverletzung in Tateinheit mit Sachbeschädigung. Christian K. wird zudem verurteilt wegen Beleidigung und weil er mit den Heil-Hitler-Rufen „Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ verwendet hat.

Heute peinlich

Strafverteidigerin Bettina Holstein macht für ihren Mandanten Christian K. geltend, dass er wegen Alkoholkonsums vermindert schuldfähig war. Nun aber sei der werdende Vater weg von Drogen und Alkohol und lebe in gefestigten Strukturen.

Das damalige Geschehen sei ihm heute peinlich. Holstein: „Eigentlich ist er ein ganz ruhiger Geselle.“ Ihr Anwaltskollege aus Magdeburg nimmt das Verfahren als „unfair“ wahr und fordert für seinen Mandanten in den Hauptanklagepunkten Freispruch.

Daraus wird nichts, falls das Urteil Rechtskraft erlangt. Zu der Gefängnisstrafe käme für Tobias M. noch ein Bußgeld von 800 Euro hinzu, während Christian K. zusätzlich zur Freiheitsstrafe 200 Sozialstunden ableisten muss.

200 bis 500 Euro Schmerzensgeld

Beide Männer sind im Übrigen verurteilt, ihren Opfern Schmerzensgelder zwischen 200 und 500 Euro zu zahlen. Christian K. hat sogar geliehene 500 Euro als Wiedergutmachung gleich mit zur Verhandlung gebracht. Die Opfer der Attacken hatten Schmerzensgeld zwischen 1000 und 2000 Euro gefordert.

Von Jürgen Lauterbach

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