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Brandenburg/Havel Ausstellung wirft Blick zurück ins finstere Zuchthaus
Lokales Brandenburg/Havel Ausstellung wirft Blick zurück ins finstere Zuchthaus
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09:50 24.04.2018
Sebastian Nagel und Sylvia de Pasquale zeigen Handfessel, Tabakdose und Häftlingskleidung aus der NS-Zeit. Quelle: Jacqueline Steiner
Brandenburg/H

Die Stadt bekommt Ende April eine neues bedeutendes Museum. Das frühere Direktorenhaus der JVA wird gerade hergerichtet für die Dauerausstellung zum Strafvollzug von der Weimarer Zeit bis heute. Schwerpunkt sind die NS-Zeit und die DDR-Jahre. Bundesjustizministerin Katarina Barley kommt am 29. April zur Eröffnung.

„Auf dem Görden. Die Strafanstalt Brandenburg im Nationalsozialismus (1933-1945) und in der DDR (1949-1990)“, so heißt die Dauerausstellung, die die Projektleiter Sylvia de Pasquale (49) und Sebastian Nagel (39) konzipiert haben. Beide Historiker arbeiten für die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.

Die Bürste eines Häftlings aus den 30-er Jahren zeigt an, dass der Görden schon damals nicht nur Haftanstalt war, sondern auch „Sicherungsanstalt“. Quelle: JACQUELINE STEINER

Detailkenntnisse und räumliches Vorstellungsvermögen sind gefragt nötig, um die Geschichte in der Anton-Saefkow-Allee 38 aufleben zu lassen. Die einstige Direktorenvilla des Gefängnisses auf dem Görden ist relativ klein und auf beiden Etagen verwinkelt. Auf nur 160 Quadratmetern müssen die Ausstellungsmacher vier Gefängnisepochen abbilden, einen Raum für Seminare und den Besucherempfang. vorhalten. Mit Hilfe eines Anbau im Erdgeschoss ist das gelungen.

Handfessel, Häftlingskleidung und Anthropometer

In der Weimarer Zeit beginnt der Strafvollzug auf dem Görden. Das Zuchthaus wird in den 20-er Jahren geplant mit all seinen fortschrittlichen Ansätzen. Die Gefangenen sollen dort nicht nur Zeit absitzen, sondern etwas lernen. Sie dürfen sogar einen Kanarienvogel im Käfig halten und bekommen Hafturlaub.

Die Nationalsozialisten machen Schluss mit solchen Reformansätzen. Der Raum im Neubau beleuchtet die NS-Zeit. In Schaukästen werden die Besucher der künftigen Ausstellung Fotos und Dokumente der NS-Zeit sehen und Lebensläufe ausgewählter Gefangener lesen.

Eröffnung am Jahrestag der Befreiung

Am 29. April, dem Jahrestag, wird an die Befreiung des Zuchthauses auf dem Görden vor 73 Jahren erinnert.

In der JVA Brandenburg werden um 13 Uhr Kränze niedergelegt. Sprechen wird Mikulás Laub aus Tschechien, Enkel des in Brandenburg hingerichteten Alois Laub (1896-1945).

Die Ausstellung wird anschließend eröffnet. Justizministerin Katarina Barley und Staatssekretärin Ulrike Gutheil sprechen Grußworte.

Ein Rundgang führt durch die neue Ausstellung. Im Zeitzeugengespräch berichtet des Sohn des von 1936 bis 1945 inhaftierten August von Schlieben-Troschke (1908-1991).

Authentische Gegenstände werden gezeigt: einen kompletten Häftlingsanzug zum Beispiel und eine Original-Handfessel, die Gegner der Diktatur in ihrer Todeszelle tragen mussten, ehe sie ein paar Meter weiter zum Fallbeil geführt wurden.

Anthropometer heißen die Geräte, mit denen die Kriminalbiologen des NS-Zeit die Körper derjenigen vermessen haben, um sie als geborene Verbrecher zu entlarven.

Der Leichenbrenner Josef Oberhauser

Besucher werden in dem Raum den NS-Propagandafilm „Arbeit und Strafvollzug“ von 1942 sehen, das einzige authentische Filmdokument zu dem Thema. Sie erfahren etwas über den Linkssozialisten Bruno Lindner, einer der Oppositionellen, die anfangs nicht im KZ, sondern im Gefängnis landeten. Vorgestellt werden zwölf Menschen, die im Zuchthaus hingerichtet wurden.

Ein großer Teil des Obergeschosses ist dem DDR-Strafvollzug gewidmet. Nagel und de Pasquale unterscheiden die Inhaftierten jener 40 Jahre. NS- und Kriegsverbrecher saßen auf dem Görden ein. „Zu ihnen zählt der Leichenbrenner Josef Oberhauser, der die Euthanasieopfer vom Nicolaiplatz am Paterdamm verbrannte und dafür bis 1956 büßte“ erläutert Sebastian Nagel.

Schwerverbrecher, Republikflüchtige und Punks

Der DDR-Vollzug traf zudem Spione westlicher Geheimdienste und Menschen, die sich den neuen Herren widersetzten. Boykotthetze war in den frühen DDR-Jahren ein gängiger Straftatbestand. Die Häftlinge waren rechtlos, berichtet Sylvia de Pasquale. Gleichwohl sei der Vollzug mit der Entstalinisierung milder geworden und auf Umerziehung zum Sozialismus ausgerichtet.

Die Ausstellung zeigt, dass das Zuchthaus in den 70-er und 80-er Jahren zu großen Teilen Schwerverbrecher beherbergte, daneben aber Republikflüchtige, Bürgerrechtler oder Männer wie „Shanghai“ Drenger, der einfach nur Punk war.

Ehemalige Gefangene erzählen in audiovisuellen Medienstationen ihre Hafterfahrungen, die von Überbelegung, willkürlichen Strafen, schwerer Haftarbeit und teils miserabler Versorgung geprägt waren.

Von Jürgen Lauterbach

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