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Brandenburg/Havel Autos runter vom Neustädtischen Markt: So will Scheller die City beleben
Lokales Brandenburg/Havel Autos runter vom Neustädtischen Markt: So will Scheller die City beleben
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07:03 13.08.2019
So sieht es aus, wenn an einem Sonntagnachmittag vergleichsweise wenige Autos auf dem zentralen Platz in der Brandenburger Neustadt parken. Mit Wohlfühlen und Aufenthaltsqualität hat das wenig zu tun. Quelle: Foto/Archiv: Tino Klitzke
Brandenburg/H

Fast unbemerkt, weil verborgen hinter Dutzenden parkender Autokarossen, vollzieht sich in der Brandenburger Innenstadt eine Metamorphose. Der heruntergekommene Molkenmarkt entwickelt sich in Windeseile zu einem Schmuckkästchen.

Abgesehen von den etwas uninspiriert wirkenden Blindenleitsystem, das gleichwohl seine Berechtigung hat, ist an dieser Stelle der Stadt gut zu sehen, was passiert, wenn sich viele Menschen Gedanken machen, einen Platz so zu gestalten, dass er in Zukunft eine hohe Aufenthaltsqualität bekommt. Mithin also zu einem Ort wird, der – spätestens, wenn die Molkenmarktpassage fertig ist – Menschen an und in seinen Bann ziehen kann.

Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU). Quelle: André Großmann

Was in diesem Zusammenhang stört und weit und breit seinesgleichen sucht, ist der zum Dauerparkplatz verkommene riesige Neustädtische Markt. Diese, 2003 nach den archäologischen Grabungen im zerbombten Neustadt Rathaus wieder geschlossene Fläche ist eine Zwischenlösung. So steht es in allen Plänen. Allein: Nichts ist so dauerhaft wie ein Provisorium! Geht es nach dem 2018 beschlossenen Verkehrsentwicklungsplan und dem Willen des Oberbürgermeisters Steffen Scheller (CDU), dann soll sich das in den kommenden Jahren ändern.

Neues Gesamtkonzept für die Innenstadt

49 Millionen Euro will die Stadt bis zum Jahr 2030 für Maßnahmen ausgeben, die den Straßen- und Radverkehr und auch den öffentlichen Personennahverkehr leichter und vor allem sicherer machen. Dazu gehört, wie mehrfach berichtet, auch ein Umbau des Straßenzugs Jacobstraße-Steinstraße-Neustädtischer Markt, der breit und öffentlich diskutiert werden soll.

Denn noch ist umstritten ist, ob es besser wäre, die Verbindung als Einbahnstraße auszuweisen oder ob es komplett verkehrsberuhigt wird und analog zur Hauptstraße nur Busse und Bahnen fahren dürfen.

Welch ein Luxus: Wilfried Bartels nutzt wie hunderte andere die beste Brandenburger Innenstadtlage als Parkplatz. Quelle: André Großmann

Während also nun die Diskussion um die Verkehrsberuhigung insbesondere in der Altstadt Fahrt aufnimmt, hat Oberbürgermeister Steffen Scheller im Gespräch mit der MAZ erklärt, „ich wünsche mir auch eine breite Diskussion um die Belebung des Neustädtischen Marktes.“ Für den OB ist klar: „Wenn man den Platz beleben und ihn erlebbar machen will, dann müssen da die Autos weg. Entweder ganz oder unter die Erde.“

Tiefgarage als Wahlkampfversprechen

Das ist kein ganz neuer Vorstoß. Scheller hatte bereits im OB-Wahlkampf vor eineinhalb Jahren erklärt, dass ihm eine unterirdische Parklösung wie am Beispiel des Luisenplatzes in Potsdam am Brandenburger Tor vorschwebe.

Und auch im Verkehrsentwicklungsplan steht als Ziel ein Parkhausstandort westlich der Steinstraße, also der mögliche Neubau einer Tiefgarage unter dem Neustädtischen Markt als Ersatz des oberirdischen Parkplatzes.

Doch Scheller geht noch weiter. „Wir müssen auch die Diskussion über eine belebende Bebauung führen.“ Der Neustädtische Markt war nie in Gänze unbebaut. Erst die Kriegsschäden führten dazu, dass der riesige Platz frei wurde und seither ein babylonisches Sprachgewirr bezüglich der Platznamen herrscht. Denn der Molkenmarkt war der Platz zwischen Post, Rathaus und Café Oske, der Neustädtische Markt war und ist der kleine Markt zwischen Ergo-Versicherung und Commerzbank. Im Volksmund heißt nun aber auch der Parkplatz „Neustädtischer Markt“.

Als kreisfreies Oberzentrum ist Brandenburg an der Havel Verkehrsknoten der gesamten Region und erlebt auch selbst Wachstum als Stadt, zum Beispiel durch Zuzug von jungen Familien.

Mobilität verändert sich

Das sei schön, sei aber auch eine Herausforderung insbesondere bei der Bewältigung der Verkehrsströme, sagte Scheller bereits vor einiger Zeit. „Auch wenn sich die Mobilität weiter verändern wird, so sind und bleiben viele Zehntausende Bürger täglich auf ihr Auto angewiesen, entweder beruflich oder familiär. Hier muss man einfach immer die Realität im Blick behalten“, sagt Oberbürgermeister Steffen Scheller mit Blick auf die 2018 beschlossenen Verkehrskonzepte. Es werde ohne Autos also nicht gehen, allerdings gehe es um eine gleichberechtigte Strategie zwischen, Fuß-, Rad- und Autoverkehr sowie dem ÖPNV.

Er könne sich, so sagt Scheller, neben einem autofreien Platz auch eine Bebauung der Straßenkante zwischen St.-Annen-Center und Stoffelkaufhaus als dem Eingang in die Hauptstraße gut vorstellen.

Auch ein Neubau am Markt scheint möglich

Ob ein solcher Bau in der Flucht stehe oder etwas zurück gesetzt sei und wie der dahinter aussehende Platz im Zusammenspiel mit dem Molkenmarkt zu gestalten sei – alles das seien Fragen, die es zu diskutieren aber auch zu entscheiden gelte.

Neben städtebaulichen Aspekten für eine maßvolle Bebauung dürften auch monetäre Gründe für den Wunsch einer Bebauung sprechen. Ein privater Investor, der den Wünschen der Stadtentwickler entsprechend im vorderen Teil des großen Platzes baut, hätte womöglich auch Interesse an der (Mit-)Finanzierung einer Tiefgarage. Er habe jüngst mit Potsdamer Kollegen über die Tiefgarage am Luisenplatz gesprochen: „Die haben mir gesagt, sie würden es immer wieder tun.“

Hoffen auf ideologiefreie Diskussion

Er sei sich bewusst, sagt Scheller, dass mit seinem Vorschlag auch wieder zahlreiche Bedenken gegen jede Veränderung laut würden. Er hoffe auf eine zeitnahe „ideologiefreie Diskussion zu dem Thema. „Wir wissen doch alle, wie man sich eine Stadt vorstellt, wo man gerne sitzt und seine Zeit verbringt.“ Und dass dazu nicht ein vollgestellter Autoparkplatz im Herzen der Stadt gehöre, liege auf der Hand.

Von Benno Rougk

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