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Brandenburg/Havel Auf Distanz zum rechten Flügel: So will der AfD-Mann Axel Brösicke in den Landtag
Lokales Brandenburg/Havel Auf Distanz zum rechten Flügel: So will der AfD-Mann Axel Brösicke in den Landtag
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11:16 16.08.2019
Der AFD-Landtagskandidat Axel Brösicke an einem seiner Lieblingsplätze in der Brandenburger Innenstadt. Quelle: Benno Rougk
Brandenburg/H

Knapp ein Jahr ist es her, da wollte Axel Brösicke hinwerfen. Die Arbeit für die AfD, das SVV-Mandat, die Politik. Einfach alles. „Druck im Job, die Unzufriedenheit mit der AfD, immer blöde Sprüche – wollte ich nicht mehr“, erzählt der 43-Jährige, der nun doch wieder die siebenköpfige AfD-Fraktion in der Brandenburger Stadtverordnetenversammlung führt und sich als Direktkandidat um ein Landtagsmandat bemüht.

Auch für andere Parteien interessant

Kaum war damals die Information seines möglichen Rückzugs durchgesickert, begannen sich hinter den Kulissen Vertreter der CDU und der FW um den Mann zu balgen. Was nicht verwundert. Brösicke ist jemand, der auch in andere Parteien passt: Ein politisch interessierter Arbeiter, der als Industriemechaniker bei Heidelberger Druck seit fast 30 Jahren im Drei-Schicht-Rhythmus seine Arbeit macht. Einer, der an zwei Tagen in der Woche Kinder (auch viele ausländische) in der Kunst des sanften Kampfsportes trainiert, der eine Patchworkfamilie zusammenhält, der eine Fraktion führt, Kurden zu seinen Freunden zählt und dem soziale Probleme unter den Nägeln brennen.

CDU steht „zu weit links“

Das alles hat er in den zurückliegenden Jahren in der SVV oft deutlich gemacht. Brösicke ist konservativ. „Nicht so sehr“, wie er sagt. Alles was „rechts- oder linksextrem ist, lehne ich ab.“ Aber die CDU sei in ihrer Ausrichtung so weit nach links gerückt, dass er 2014 in der AfD eine politische Heimat fand.

Dann kam er „wie die Jungfrau zum Kind“ in die Kommunalpolitik. Wahlen standen an „und wir haben uns mit dem olympischen Sportgeist (Teilnahme entscheidet!) gestellt.“ Drei Kandidaten kamen durch, Brösicke wurde zum Fraktionschef gewählt, trat, nachdem er ein volksverhetzendes Lied im Internet – wie er sagt versehentlich – als positiv geliked hatte, zurück. Zwei Jahre später wurde er wieder Fraktionschef.

Brösicke verurteilt rechte AfD-Positionen

Erlebt man ihn im Gespräch am Vormittag vor der Schicht an einem seiner Lieblingsplätze – unweit des Steintorturms am Stadtkanal – bekommt man auch im langen Gespräch nicht den Eindruck, er würde sich im Grundsatz mit rassistischen oder rechtsextremen Haltungen gemein machen, mit denen die AfD die Schlagzeilen dominiert. Im Gegenteil: Unter den Positionen eines Björn Höcke „leidet die AfD. Sie sind grenzwertig.“

Die Nazi-Diktatur als Vogelschiss zu bezeichnen, wie das Alexander Gauland tat, „geht gar nicht. Auch wenn ich keine persönliche Schuld dafür trage, was die damals angerichtet haben, werden wir die Verantwortung dafür niemals los.“ Und was ist mit den Brandenburger AfD-Chef Andreas Kalbitz, der den rechten Flügel der Partei mit führt? „Ich bin programmatisch nicht auf seiner Linie, aber wir kommen persönlich klar. Auch wenn man Menschen nicht in den Kopf schauen kann, halte ich ihn nicht für extrem rechtslastig.“

Sieht sich in der Mitte der Partei

Deutschland brauche eine rechte, konservative Partei, ist Brösicke überzeugt, der seit fast zehn Jahren auch Elternsprecher der Klasse seiner Tochter ist. Und weil er sich als Patriot fühle, habe er nicht die AfD verlassen, sondern sei heute Vorsitzender der AfD-Landesgruppe „Alternative Mitte“, die keinen Systemumsturz plane. Und er wolle auch die DDR nicht zurück, schließlich „lebe ich heute in einem der reichsten Länder der Welt“ und Angst habe er in Brandenburg auch nicht.

Mit seinen beiden Kindern und den beiden Kindern seiner Lebensgefährtin lebt Brösicke am Waldrand der Mötzower Vorstadt. „Ich liebe meine Stadt und man muss auch sagen, wie leben hier auf einer Insel der Glückseligen.“ Aber angesichts der Unsicherheiten, die eine aus seiner Sicht „unkontrollierte Zuwanderung von Flüchtlingen und Wirtschaftsmigranten“ mit sich bringe, „wächst bei vielen, denen es doch gut geht, die Sorge, dass das nicht mehr lange so gut geht.“

Integration: stärker fördern und fordern

Woran er das festmache? An der Stimmung im Volk, den Problemen in den Großstädten, den Tabus, die die „Mainstreammedien“ angeblich nicht mehr thematisieren. Straftaten von Ausländern „werden doch gar nicht mehr polizeilich verfolgt. Das betrifft Diebstähle ebenso wie Schwarzfahren.“

Beweisen kann er das nicht. Angesichts der wenigen Ausländer in der Havelstadt gäbe es „hier das Problem noch nicht so“. Aber Brandenburg befinde sich auf „einem gefährlichen Weg.“ Die Stadt tue zu wenig für die Integration. Man müsse die „Leute zwingen – raus aus den Heimen, rein in Wohnungen. Integriert euch! Aber nicht alle nach Hohenstücken. Sonst entsteht ein Ghetto.“

„Mit Bratwurst und halal“

Dass das gut funktionieren könne, sehe er im Verein und bei Freunden. „Wir feiern zusammen im Verein und mit Freuden – mit Bratwurst und halal“, also entsprechend der islamischen Speisevorschriften. Wo liegen dann die Probleme, die die AfD als Protestpartei bündelt und die ihr 20 Prozent der Wählerstimmen bringen sollen? Brösicke: „Ich glaube, die westliche Welt hat ihren Zenit erreicht. Wir ersticken an der eigenen Zufriedenheit und bemerken gar nicht die Konkurrenz, die uns von überall droht.“

Auf der Landesliste, die den Einzug ins Landesparlament hätte ebnen könnte, steht Axel Brösicke nicht. Ihm bleibt nur die Chance auf das Direktmandat für den Landtag. Auf Plakaten für die Wahl am 1. September sucht man sein Bild bisher vergeblich. Er sieht sich nicht als aussichtslos im Rennen um das Mandat, aber Favoriten sind für ihn Britta Kornmesser (SPD) und Norbert Langerwisch (FW). Beide hält er für fähig, Kornmesser schätzt er sehr: „Sie hat mir damals in den Anfangstagen in der SVV geholfen, mich zurecht zu finden.“

Sieht sich nicht als Favorit

Jean Schaffer (CDU) und ich, wir werden uns wohl gegenseitig die Stimmen wegnehmen“, vermutet er. Innere Sicherheit, bessere Schulbildung und eine bessere Infrastruktur, die „auch die Chancen der Digitalisierung nutzt“, fallen Brösicke als Schlagworte für seine mögliche Arbeit im Landtag ein. Doch er ist, wie er sagt, zuallererst „ein Brandenburger Junge“.

In Götz geboren, ist er in Hohenstücken zur Schule gegangen: „Ines Budick (bisher Stadtverordnete für Pro Kirchmöser) war meine Lieblingslehrerin.“ Und wenn er über die Stadt redet und die Lokalpolitik, dann gerät der passionierte Motorradfahrer ins Schwärmen.

Dann entwirft er Pläne für einen kostenlosen ÖPNV und besser ausgestattete Schulen. Dann freut er sich ehrlich über die neuen Mehrheitsverhältnisse in der SVV: „Nun können CDU und Freie Wähler nicht mehr wie bisher soziale Projekte einfach wegpusten. Mit unseren sieben Stimmen sind wir jetzt das Zünglein an der Waage.“

Von Benno Rougk

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