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Brandenburg/Havel Die Baumretter von der Feuerwehr
Lokales Brandenburg/Havel Die Baumretter von der Feuerwehr
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16:39 24.07.2018
Die Freiwillige Feuerwehr Brandenburg hat am Montagabend in Nord die Bäume gewässert, musste sogar am Dienstagabend zur zweiten Wasser-Runde ausrücken. Quelle: André Wirsing
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Brandenburg/H

Alle neun Freiwilligen Feuerwehren retten die Straßenbäume der Stadt vor dem Verdursten. Wenigstens die jungen und empfindlichen.

Hilferuf aus der Verwaltung

„Am Montag vor einer Woche ist die Naturschutzbehörde der Kommune an die Feuerwehrleitung herangetreten und hat dringend um Hilfe gebeten“, sagt Daniel Bucko, der Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Brandenburg. Es gehe vor allem darum, die jungen Bäume zu schützen – die Erstpflegeverträge mit den Gartenbaufirmen sind ausgelaufen, die Bäume sind aber noch nicht stark genug, um so einer langen Hitze- und Dürreperiode zu widerstehen. Zur Erinnerung: Bereits am 25. Mai hat die Stadtverwaltung ihre Bürger aufgerufen, den Bäumen vor ihrer Haustür ein paar Eimer Wasser zu spendieren. „Es besteht weiter dringender Bedarf, weil es sonst nicht zu schaffen ist“, sagt der Beigeordnete Michael Brandt (CDU). Die Stadt könne es schlicht nicht bezahlen, wenn sie damit auch noch Fachfirmen betrauen müsste.

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Wasser aus Löschbrunnen

Deshalb helfen die ehrenamtlichen Mitglieder der Feuerwehren in allen neun Ortsteilen. „Wir haben von der Naturschutzbehörde eine Straßenliste bekommen und unter den Wehren die Zuständigkeiten festgelegt“, sagt Bucko. Das nötige Wasser wird weder aus dem öffentlichen Netz noch aus den Gewässern entnommen, sondern aus den Flachspiegelbrunnen der Stadt. Das sind künstlich angelegte Löschwasserbrunnen, der größte befindet sich direkt neben der Hauptfeuerwache in der Fontanestraße.

„Die Wasserentnahmen verbinden wir gleichzeitig mit den ohnehin vorgeschriebenen Brunnenüberprüfungen“, erzählt der Wehrführer. Auch die Bewässerungseinsätze hätten durchaus einen praktischen Wert. „Wir setzen dafür vor allem jüngere Kameraden ein, die gleichzeitig in der Maschinenbedienung unterwiesen werden beziehungsweise Erfahrungen beim Einsatz mit dem Strahlrohr machen. So üben sie praktisch, was sonst als ,Trockentraining’ in der Wache gelehrt wird.“ Die Einsatzbereitschaft sei entsprechend hoch, auch wenn „nur“ Bäume und nicht Menschenleben gerettet werden. „Bei unserem Einsatz am Montagabend haben wir unser Pensum gar nicht geschafft, da fahren wir eben am Dienstag die zweite Runde.“

Jungbäume sind gefährdet

Einmal pro Woche sollen die Mitglieder der Freiwilligen Wehren ihre Straßenabschnitte abfahren. In der Fontane- und in der Zanderstraße beispielsweise geht es insbesondere um die durstigen Platanen. Jungbäume gibt es in großer Zahl am Schmöllner Weg, in der Wilhelmsdorfer Straße, auf dem SWB-Gelände, in der Thüringer Straße oder in der Augustastraße. Am beetzseeufer braucht der Kugelahorn viel Pflege.In der Uferstraße von Kirchmöser sind die Eichen-Jungbäume am alten Armeestandort zu versorgen. In Plaue ist der Wasserbedarf bei den Bäumen abn dder Chausseestraße, in der Genthiner- und in der Kietzstraße am größten und in Gollwitz dürsten die Bäume an der Küsterstraße.

Die Naturschutzbehörde kümmert sich um 24.800 zu pflegende Bäume im ganzen Stadtgebiet. Es dürften davon etwa 1000 Bäume sein, die nun die Sonderbehandlung von den Freiwilligen Feuerwehren bekommen.

Kein Geld fürs Wässern

Für die Pflege insgesamt sind in den städtischen Haushalt knapp 550.000 Euro eingestellt. Das meiste Geld davon geht aber für das Zurückschneiden und die Gefahrenbeseitigung drauf. Für Ersatzpflanzungen gibt es gerade einmal 20.000 Euro. Im Vorjahr mussten die Stadtverordneten 300.000 Euro Nachschlag erlauben, weil die Schäden nach zwei Stürmen sehr groß waren.

Von André Wirsing