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Brandenburg/Havel „Bauern vergeht der Spaß am Beruf“
Lokales Brandenburg/Havel „Bauern vergeht der Spaß am Beruf“
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16:31 21.12.2016
Jens Schreinicke ist Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Potsdam-Mittelmark Quelle: Frank Bürstenbinder
Mittelmark

Jens Schreinicke ist seit 2015 Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Potsdam-Mittelmark. In seinem Heimatort Stücken bei Michendorf züchtet der Landwirt Fleischrinder der Rasse Charolais. Noch vor zwei Jahren war der Mutterkuhhalter überregional kaum bekannt. Das hat sich geändert. Wo es in der heimischen Landwirtschaft klemmt, ist auch Schreinicke zu finden.

Herr Schreinicke, was kommt bei Ihnen Weihnachten auf den Tisch?

Heiligabend ein Rinderfilet aus dem eigenen Bestand. Den 1.Feiertag krönt eine Freilaufgans.

Als Interessenvertreter der Bauern müssten sie für Rouladen und Sauerbraten zum Fest trommeln.

Ich bin nicht blauäugig. Geflügel, Wild und Fisch bilden in vielen Familien die traditionellen Gerichte zum Jahresende. Im übrigen können die Mutterkuhhalter anders als andere Sparten mit Absatz und Preisen in diesem Jahr auch ohne Weihnachten zufrieden sein.

Agrarfabriken, Überdüngung und Antibiotika – noch nie wurde das Image der Landwirtschaft so schlecht geredet wie 2016. Macht es noch Spaß Bauer zu sein?

Unser Berufsstand muss sich für seine Arbeit fast entschuldigen. Das macht wirklich keinen Spaß. Leute ohne Fachwissen wollen uns erklären wie wir Felder zu bestellen und Tiere zu halten haben. In unserer Überflussgesellschaft wird völlig vergessen, dass es die Bauern sind, die für Brotgetreide, Milch und Fleisch sorgen.

Landwirte-Demo zur Grünen Woche

Der Kreisbauernverband Potsdam-Mittelmark vertritt über 200 Betriebe unterschiedlichster Eigentumsformen. Darunter sind auch bäuerliche Klein- und Familienbetriebe im Haupt- und Nebenerwerb. Das entspricht einem Organisationsgrad von etwa 65 Prozent. Die nächste Jahresmitgliederversammlung findet am 20.Februar statt.

Wenn in Berlin die Internationale Grüne Woche 2017 stattfindet, werden sich Landwirte aus der Region wieder zu einer Demo in die Hauptstadt aufmachen. Unter dem Motto „Wir machen Euch satt“ wollen die Bauern am 21. Januar am Washingtonplatz Farbe für eine moderne Landwirtschaft bekennen.

Am selben Tag rufen Grüne und Naturschutzverbände ebenfalls zu einem Treckercorso unter dem Motto „Wir haben es satt“ auf.

Ist also alles gut in den Ställen und auf den Äckern in Potsdam-Mittelmark?

Jeder Halter hat ein ureigenes Interesse daran, dass sich sein Vieh wohlfühlt. Ich bin auf einem Vierseitenhof aufgewachsenen, habe noch die Anbindehaltung bei Rindern und die Schweineboxen unserer Vorväter erlebt. Von diesen Zuständen trennen uns inzwischen Welten. Unsere Betriebe haben investiert und modernisiert. Diverse Gesetze und Regelungen schreiben genau vor, was der Landwirt zu tun und zu lassen hat. So ist es auch beim Dünger. Wer glaubt, die Feldbauern würden nach dem Motto „Viel hilft viel“ verfahren, ist auf dem Holzweg. Außerdem ist Dünger ein Kostenfaktor.

Wie bewerten Sie die Initiative des Landes Brandenburg für einen Tierschutzplan?

Der Tierschutzplan, der bis Ende 2017 ausgearbeitet werden soll, ist eine Konsequenz aus dem Volksbegehren gegen die Massentierhaltung. Wir Landwirte wollen uns den Diskussionen in den verschiedenen Arbeitsgruppen nicht verschließen. Denn Fachlichkeit und eine mehrseitige Betrachtungsweise sind unerlässlich, wenn es um Tierhaltung und gesunde Lebensmittel geht. Doch ich sage auch, dass es unerheblich ist, ob ein Betrieb 100 oder 650 Kühe hält. Für das Tierwohl ist nicht die Größe, sondern das Management entscheidend. Das gilt für alle Tierhalter.

Die Brielower Agrar GmbH hat zum Jahresende die Milchproduktion eingestellt. Andere Milcherzeuger warfen schon im Sommer das Handtuch. Ist das Tal der Tränen bei den Milchpreise durchschritten?

Es scheint so. Der Literpreis liegt derzeit bei rund 29 Cent. Zur Erinnerung: es waren schon mal um die 20 Cent. Von auskömmlichen Erlösen kann aber noch keine Rede sein, höchstens von einer leichten Entspannung. Produktionseinstellungen und eine Mengenreduzierung zeigen etwas Wirkung. Ich kann nur hoffen, dass uns in Potsdam-Mittelmark möglichst viele Milchviehhalter erhalten bleiben. Denn daran hängen auch qualifizierte Arbeitsplätze in den Dörfern. Kurzzeitige Beihilfen lösen das Problem niedriger Preise jedenfalls nicht. Entscheidungen wie sie in Brielow oder an anderen Standorten gefallen sind, kann der Kreisbauernverband den Landwirten nicht abnehmen. Diese hängen von der jeweiligen Situation in den Betrieben ab.

Ist das Ausweichen auf Bio-Milch wie es Timo Wessels seit diesem Jahr in Damsdorf praktiziert der Rettungsanker?

Ich habe großen Respekt vor der Entscheidung der Damsdorfer. Timo Wessels hat die Ohren und Augen am Markt. Für Bio-Milch gibt es ein stabiles Preisniveau. Wenn jedoch alle Produzenten auf Bio umsteigen würden, wäre wohl auch bei dieser Milch ein Preisverfall zu befürchten.

Wie wird sich 2017 der Markt für die Hauptprodukte entwickeln?

Die Bauern werden auch künftig mit Preisschwankungen leben müssen. Was uns aber wirklich zu schaffen macht, sind extreme Schwankungen. Diese können Betriebe in Notlagen bringen. Deshalb bin ich froh, dass die Direktzahlungen aus der EU-Agrarhilfe wie von Landwirtschaftsminister Vogelsänger versprochen, noch vor Silvester überwiesen werden. Ob im neuen Jahr die Getreidepreise wieder anziehen, bleibt abzuwarten. Für die Schweinemäster und Sauenhalter hoffe ich auf auskömmliche Preise, denn sie haben eine lange Durststrecke hinter sich. Vieles auf dem Markt wird von internationalen Entwicklungen abhängen. Das Russland-Embargo schadet jedenfalls auch der heimischen Landwirtschaft.

Im Schnitt erhält der Bauer nur noch 22 Prozent von dem, was Verbraucher für Lebensmittel zahlen. Was läuft da schief?

Verarbeitung und Handel sind eine Macht. Dort wird das Geld verdient. Entschließt sich eine Kette wegen einer Konkurrenzsituation zu einer Preissenkung, trifft es die Erzeuger. Dabei hat auch die Landwirtschaft mit höheren Kosten für Energie, Löhne, Pachten, Maschinen und Umweltauflagen zu kämpfen. Lebensmittel sollten einen Mindestpreis haben.

Mit 8,60 Euro erreicht der Mindestlohn in der Landwirtschaft zum 1. Januar 2017 eine neue Stufe. Das ist gut für die Beschäftigten. Was bedeutet das für die Betriebe?

Die schrittweise Anhebung ist lange bekannt. Ich denke die Unternehmen sind darauf eingestellt. Die Mehrkosten für Saisonkräfte und Erntehelfer werden sich wohl oder übel in höheren Preisen für die Verbraucher niederschlagen.

Beim Wolf scheint die Landesregierung umzudenken. Ein gelockerter Schutzstatus ist zumindest denkbar.

Jahrelang wurde das Problem klein geredet. Dabei brachte jede Schlagzeile eine neue Qualität – vom ersten gerissenen Kalb bis zum Vordringen ins Rathenower Stadtgebiet. Meine Meinung ist klar: Problemwölfen muss es an den Kragen gehen. Außerdem halte ich eine Obergrenze für sinnvoll. Denn auch wir Weidetierhalter wollen keine Landschaften mit meterhohen Zäunen. Über die Folgen der ungebremsten Vermehrung von Wölfen sollte auch die EU nachdenken.


Interview: Frank Bürstenbinder

Von Frank Bürstenbinder

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