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Brandenburg/Havel Baumfällung bringt Gemeinderat auf die Palme
Lokales Brandenburg/Havel Baumfällung bringt Gemeinderat auf die Palme
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17:13 05.01.2017
Diese Weide soll in wenigen Tagen abgetragen werden. Die Kosten hatten für Streit in der Gemeindevertretersitzung gesorgt.
Diese Weide soll in wenigen Tagen abgetragen werden. Die Kosten hatten für Streit in der Gemeindevertretersitzung gesorgt. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Gortz

Die Datschenbesitzer am Gortzer Beetzseeufer haben Humor. Lustige Gasse steht auf einem blauem Straßenschild, dass zu ihren Bungalows zeigt. Doch am Ende des Weges hört der Spaß auf. Dort steht eine Weide, die gerade die Kommunalpolitiker in der Gemeinde Beetzseeheide auf die Palme bringt. Innen hohl, mit viel Totholz in der Krone und weiten Ästen, die über ein Wochenendgrundstück hängen. „Der Baum muss schleunigst weg. Er ist eine Gefahr für Menschen und Sachwerte“, ist Volksvertreter Richard Falke überzeugt.

Dass die altersschwache Weide reif für die Säge ist, war nur der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich alle Gemeindevertreter und Ortsvorsteher am Mittwoch einigten. Bei der Frage, wie gefährlich der auf Gemeindeland stehende Riese wirklich für die Umgebung ist, gingen die Meinungen erheblich auseinander. Für den Gortzer Ortsvorsteher Uwe Sernow-Rose gibt es keinen Grund für eine übereilte Fällaktion – und damit auch nicht für eine sofortige Auftragserteilung. „Wir haben Winter. Die Weide ist laubfrei und muss keine große Windlast aushalten“, meinte Sernow-Rose auf der Ratssitzung.

Die Weide neigt sich bedrohlich in Richtung eines Wochenendgrundstücks. Quelle: Frank Bürstenbinder

Eine Meinung, die weder Falke noch Bürgermeister Eberhard Pinkpank teilten. Denn die Sache schien klar. Nach einer Kontrolle im Dezember sah Thomas Gaentikow von der Ordnungsbehörde des Amtes Beetzsee in der Weide eine konkrete Gefahr für die öffentliche Sicherheit. „Diese Sachlage hat uns zum sofortigen Handeln veranlasst“, informierte Amtsdirektor Guido Müller die Abgeordneten. Von einer Brielower Galabau-Firma wurde ein Angebot eingeholt. Fällung und Abtransport sollten 11 000 Euro kosten. Doch dazu kam es nicht.

Zum einen, weil der Firma erst im Januar eine Hebebühne zur Verfügung gestanden hätte. Andererseits, weil der Preis unter den Abgeordneten für Aufruhr sorgte. „Die hohen Kosten haben uns überrascht“, sagte Kerstin Maloszyk. Und Sernow-Rose monierte, dass bei der klammen Haushaltslage in Beetzseeheide nicht mehrere Angebote eingeholt wurden. Falke sprach Sernow-Rose jeden Sachverstand ab. Dagegen geißelte der Gortzer Ortsvorsteher die Verschwendung von Steuergeldern. Inzwischen liegt ein zweites Angebot von einem Ketzürer Dienstleister vor: 5000 Euro ohne Abtransport.

Straßenschild in der Bungalowsiedlung: Die Gortzer Datschenbesitzer haben Sinn für Humor. Quelle: Frank Bürstenbinder

Bürgermeister Pinkpank favorisierte die teurere Variante: „Es ist mir schleierhaft, wer sonst die Unmengen von Holz entsorgen soll. Und für eine Lagerung ist kein Platz.“ Britta Fraas beendete das Tauziehen kurzerhand mit einem Handyanruf bei Thomas Niezijewski. Bei eingeschaltetem Lautsprecher versicherte der abwesende Gemeindevertreter, das Holz zu übernehmen und abzufahren. Macht 6000 Euro Ersparnis für die Gemeindekasse. Der mehrheitliche Zuschlag für die 5000-Euro-Fällung wurde damit zur Formsache. Falke stimmte mit Nein. Der Bürgermeister enthielt sich der Stimme.

Von Frank Bürstenbinder