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Brandenburg/Havel Scharfe Anschisse bei Schießübungen: Soldat vor Gericht
Lokales Brandenburg/Havel Scharfe Anschisse bei Schießübungen: Soldat vor Gericht
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16:47 25.07.2019
Bei der Bundeswehr kann der Ton auch mal rauer sein. Ein Oberfeldwebel hat auf dem Truppenübungsplatz Lehnin einen untergebenen Kameraden beleidigt. Dieses Symbolbild zeigt einen anderen Soldaten. Quelle: Julian Stähle
Brandenburg/H

Der Ton bei der Bundeswehr sei rau, heißt es immer mal wieder. Doch was das genau bedeutet und wann der raue Ton zur Straftat wird, darum ging es in dieser Woche vor dem Amtsgericht Brandenburg/Havel.

Ein Oberfeldwebel ist im vergangenen August während verschiedener Schießübungen einige Male in Wort und Tat zu weit gegangen. Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat den 30 Jahre alten Bundeswehrsoldaten daher angeklagt.

Die Vorwürfe: Er habe ihm unterstellte Kameraden beleidigt, sie entwürdigend behandelt und bedroht. Zwei der drei angeklagten Vorfälle ereigneten sich auf dem Truppenübungsplatz Lehnin.

„Ich verlange sehr viel“

Der im Ruhrgebiet geborene Angeklagte dient an einem norddeutschen Bundeswehrstandort. Zur fraglichen Zeit im August 2018 absolviert sein Zug Schießübungen am eigenen Standort und auf ungewohntem Terrain in Lehnin.

Der erwähnte Gruppenführer mit Mali-Einsatzerfahrung leitet die Übung. Nach dem Eindruck im Gerichtssaal gehört er zur Kategorie der Schleifer, denen Untergebene nicht zu lasch kommen sollten. Manche seiner Soldaten stehen da drauf, andere nicht.

„Ich verlange sehr viel, aber nichts, was ich nicht auch selbst leiste“, versichert der Angeklagte dem Gericht. Sei in seinem Zug jemand unmotiviert, versuche er, das „abzustellen“.

Vertreter vergisst Waffentasche

Am 7. August ärgert sich der Oberfeldwebel auf dem Schießplatz über seinen Stellvertreter. Der ist für die Materialbeschaffung zuständig, vergisst aber die Tasche für die Granatpistolen. Der Gruppenführer sieht seine Ausbildung „massiv torpediert“ und herrscht ihn an: „Du bist ein dummes Stück Scheiße.“

Mit solchem Snus genannten Kautabak aus seinem Mund hat der Vorgesetzten seinen untergebenen Kameraden bespuckt oder beworfen. Quelle: JACQUELINE STEINER

Am selben Tag in Lehnin provoziert ihn ein zweiter Soldat, der „Probleme mit Zielansprachen“, also etwas nicht kapiert hat. Der 32-Jährige muss sich daher anhören, dass er „ein beschissener Obergefreiter“ sei und eine „Made“.

Tags darauf fällt ein dritter Untergebener in Ungnade, und zwar der stellvertretende Gruppenführer. Ihn bespuckt oder bewirft der Gruppenführer laut Anklage gezielt mit Kautabak aus seinem Mund. Er trifft ihn sogar – am Oberkörper.

Messerspitze am Hals

Als der angegriffene Untergebene ankündigt, den Vorfall zu melden, hat er plötzlich die Spitze des Einhandmessers seines Vorgesetzten am Hals, begleitet von den Worten: „Versuch dich jetzt mal zu beschweren!“

Ob alles sich genau so zugetragen hat, lässt sich vor Gericht nicht ganz aufklären. Mehrere Zeugen bestätigen die Vorfälle allerdings. Der Angeklagte dagegen bestreitet, die Soldaten derart beleidigt zu haben.

Ein Obergefreiter schenkte dem Oberfeldwebel angeblich einen Miniatursoldaten mit Panzerfaust. Quelle: Brickstuff.de

Im Übrigen habe er mit zwei der drei Soldaten nach der Übung noch einmal gesprochen und alle Dinge geklärt. Einer habe ihm sogar einen Miniatur-Legosoldaten mit Panzerfaust geschenkt. So etwas stellt Lego zwar nicht her, wie die MAZ erfuhr. Von anderen Herstellern gibt es aber so etwas.

Einen einigen Fehler räumt der Oberfeldwebel ein, stellt das Geschehen aber anders dar. Mit dem Messer am Hals habe er seinen Kameraden nicht bedrohen wollen. In einer Schießpause habe er lediglich demonstrieren wollen, wie eine militärische Nahkampf-Ausbildung läuft.

Bei 40 Grad rutscht mal was raus

„Das ist meine Art, mein wissen weiterzugeben“, erklärt der Oberfeldwebel dem Gericht. Er sehe aber ein, dass dies der falsche Weg gewesen ist.

Mit einer Ausnahme fühlt sich keiner der in Frage stehenden Soldaten nachhaltig durch den Schießlehrer herabgewürdigt oder beleidigt. Denn der Ton sei eben rau bei der Bundeswehr.

Der als „beschissener Obergefreiter“ titulierte Mann äußert Verständnis: „Bei 40 Grad und mit 40 Leuten, für die man während einer ja nicht ungefährlichen Schießübung Verantwortung trägt, rutscht so etwas mal raus.“ Gleichwohl ist der Mann froh, dass er nicht mehr mit diesem Vorgesetzten zusammenarbeiten zu müssen.

Andere Verwendung

Der Oberfeldwebel ist inzwischen aus der Schusslinie genommen und hat inzwischen eine andere Verwendung gefunden, bildet nicht mehr direkt aus, sondern bereitet Ausbildungseinsätze vor. Er war seinerzeit überrascht, dass sein Verhalten zwei Wochen später gemeldet und angezeigt worden war.

Dem Gericht berichtet der einstige Gruppenführer, welche Konkurrenten in ihrer Laufbahn vorangekommen sind, weil er seinen Platz räumen musste.

Verwarnung und Bußgeld

Am Ende der Verhandlung verkürzt der Staatsanwalt die Anklagevorwürfe auf drei Beleidigungen. Das gibt dem Amtsgericht die Möglichkeit, keine Strafe auszusprechen. Die Richterin belässt es bei einer Verwarnung – allerdings mit Strafvorbehalt.

Das bedeutet: Wenn der nicht vorbestrafte Bundeswehrsoldat sich nichts Derartiges mehr innerhalb der nächsten zwölf Monate zuschulden kommen lässt, bleibt er endgültig unbestraft. Andernfalls müsste er 5250 Euro Strafe zahlen.

Mit einem Bußgeld belegt die Richterin den Oberfeldwebel allerdings. Einmalig 500 Euro von seinem 2350-Euro-Nettogehalt sollen an die Umweltschutzorganisation WWF gehen.

Von Jürgen Lauterbach

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